Eschweiler - Ein Quartett, dass gerne wiederkommen darf

Ein Quartett, dass gerne wiederkommen darf

Von: zsa
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Begeisterten als das „Comedy Red Pack“ das Publikum (v.l.): Lena Liebkind, Andreas Weber und Johnny Armstrong mit Moderatorin Gesa Dreckmann (2.v.r.). Foto: Sandra Ziemons

Eschweiler. Drei witzige Stand-up-Comedians und eine ebenso freche wie unterhaltsame Moderatorin – mit diesem Konzept überzeugte das „Comedy Red Pack“ im Talbahnhof. Wie der Name „Red Pack“ schon andeutet, verbindet die drei Künstler hauptsächlich ihre rote Haarfarbe – ansonsten hatte jeder sehr zur Freude des Publikums mit eigenen Problemen zu kämpfen.

Selten haben die Gäste im Kulturzentrum Talbahnhof so einen Empfang erlebt: Gesa Dreckmann begrüßte als Moderatorin des Abends beinahe jeden Besucher mit Handschlag und ging bereits mit so manchem auf Tuchfühlung. Durch diese Vorstellungsrunde, bei der sie sich selbst mit Fußballer Ronaldinho verglich, stieg die Spannung und Vorfreude auf die drei Comedians.

Den ersten Teil eröffnete Andreas Weber. Als frisch getrennter Vater zweier Kinder gab er Einblicke in das Leben eines Mannes, der zum ersten Mal in seinem Leben alleine lebt. Da wäre zum Beispiel das Thema Hygiene: „Wenn mir was runter fällt, lasse ich es einfach liegen“. So entsteht auf einmal ein pelziger Teppich, wo gar keiner ist, und beim klebrigen Küchenboden brauchen seine Kinder auch keine Stopper-Socken mehr. Ein weiteres Problem des Alleinseins: Wenn man erst unter der Dusche merkt, dass beide Handtücher in der Wäsche sind und man sich dann mit der Badematte abtrocknen muss. Er habe früher viel gekocht, wusste Andreas Weber außerdem zu berichten. Aber nun käme er kaum vom Sofa runter, um dem Pizzadienst die Tür zu öffnen. Seine Lösung: „Ich habe schon überlegt, dem Lieferanten einen Zweitschlüssel anfertigen zu lassen“. Stolz präsentierte der Comedian auch seinen „Dad Body“: Dafür drücke er täglich eine Tafel Schokolade weg, als sei es eine Scheibe Brot, denn: „Mit etwas mehr auf den Rippen fühlen sich die Frauen bei mir dünner“.

Das Aussehen spielte auch bei Lena Liebkind eine Rolle. In der Ukraine geboren, aber seit 1993 in Deutschland lebend, glaube ihr niemand, wenn sie einfach so sage, dass sie Ukrainerin sei. „Wie denn auch? So ganz ohne Akzent oder Glitter auf den Titten?“, bemerkte Liebkind. Überhaupt gäbe es in ihrer Heimat nur zwei Typen von Frauen: Models oder Kugelstoßerinnen.

Allerdings sei sie keiner dieser beiden Typen, sondern stattdessen eine Sonderausführung: „Fauler Fresssack mit Titten“. Ihre Mutter dagegen sei eine typische 1,05 Meter große ukrainische „Food Mom“, die denkt, jedes Problem lasse sich durch Essen klären. Von ihrer Oma habe Liebkind außerdem einen Workshop bekommen, wie man sich als osteuropäische Frau bei Buffets zu verhalten habe: So wurde sich mit Kräuterbutter als „Kriegsbemalung“ direkt auf das gute Essen, das Fleisch, gestürzt und Brot und Butter links liegen gelassen. Aber eigentlich seien ihre Eltern „total überintegriert“, so stehe ihr Vater beispielsweise auf Kitsch. Bezüglich ihrer Herkunft stellte Liebkind jedoch fest, dass Ukrainer und Russen oft aufgrund ihrer harten Aussprache missverstanden werden: „Mein Vater wollte mal einer Frau helfen, die gefallen war und fragte ‚Hast du Problem?’ Aber daraufhin stand die Frau schnell auf und lief weg“.

Einen Akzent hatte auch der Dritte im Bunde: Johnny Armstrong ist gebürtiger Engländer. Mit Glatze aber langem Bart stellte er direkt klar: „Ich weiß, mein Kopf ist umgekehrt“. Zudem warnte er, dass sein Programm nicht kinderfreundlich sei, aber auch nicht erwachsenenfreundlich und überhaupt „eher unfreundlich“. Nach Deutschland gekommen sei er wegen einer Frau: „Ich musste abhauen, die ist in England und schwanger“. In Berlin-Neukölln hat er an der VHS Deutsch gelernt, jetzt könne er Türkisch. „Ich war auch mal mit einer Türkin zusammen, die ich beim Speed Dating kennengelernt hatte – sie verglich mich mit einem Döner – ich sei ebenso fett und abgedreht“, erzählte Armstrong. Auch das Klischee der „schweren Kindheit“ konnte er bedienen: „Mein Vater ist Schotte und entschied sich früh für seine Unabhängigkeit“. So habe ihn seine Mutter alleine aufgezogen und ihm das Rasieren beigebracht: Lautes Lachen im Publikum angesichts Armstrongs Vollbart. Doch der Comedian wusste zu kontern: „Jaja, ich weiß. Aber meine Beine sind sehr glatt!“.

Von Akzenten, wie beispielsweise dem der Österreicher, fasziniert war auch Moderation Gesa Dreckmann. Sie führte gleich mal eine kleine Befragung dazu im Publikum durch. Zuvor hatte sie bereits erzählt, dass sie zwar eine haitische Mutter und einen deutschen Vater habe, aber nicht sehr dunkelhäutig sei. Das läge am „Sperma-Bingo“. Ihrer Mutter würde man die ausländische Herkunft unter anderem daran anmerken, dass sie es nicht so mit Sprichwörtern hätte: „Über meinen Ex-Freund sagte sie mal, dass sei ein ‚Hans tanzt in allen Gassen’ oder sie rät mir ‚Kommt Zeit, kommt Fahrrad’“. Eigentlich komme sie aber vom Land in Schleswig-Holstein, wo es öfter mal ein Scheunenfest gäbe: „Da gibt es dann Cola-Korn für 2,50 Euro. Wer dann nicht kotzt, trinkt nicht am Limit“, scherzte Gesa Dreckmann. Sie berichtete dem Publikum auch von ihrem Bruder, der als Nackt-Yogalehrer arbeitet. Da hätte sie auch mal beim Kurs „Nackt in der Natur, spüren Sie ihr inneres Glockenspiel auch außen“ teilgenommen, aber musste schockiert feststellen: „Einige Felder wurden dort schon lange nicht mehr bestellt“.

Mit sehr körperlichen Aspekten beschäftigte sich auch Johnny Armstrong im zweiten Teil seines Programms. So habe er beim Arzt erfahren, dass er dick, hässlich und ein schlechter Liebhaber sei: „Das war im Wartezimmer, da habe ich die ‚Cosmopolitan’ gelesen“. Tatsächlich war er aber wegen einer Beule am linken Hoden dort. Nach einigem Hin und Her – „Ich wollte die Hose eigentlich erst nach dem dritten Termin runter lassen“ – habe sich die Beule als sein rechter Hoden herausgestellt. Unter der Gürtellinie ging es auch weiter, sehr zur Unterhaltung des Publikums zündete Johnny Armstrong quasi ein Feuerwerk unanständiger Witze, das für schallendes Lachen im Saal sorgte.

Bei Lena Liebkind roch es dagegen im Frauenfitnessstudio eher nach „gebrochenen Träumen“. Die Komikerin erzählte, sie freue sich schon auf den Sommer, das seien die „schönsten zwei Wochen“ des Jahres. Dafür wollte sie im Fitnessstudio ein wenig abnehmen, aber musste feststellen, dass sie dort nur mit aggressiven Hungerhaken zu tun hat. So kam es zum Krieg mit den „Eiweiß-Schlampen“ als sie es wagte, einen Müsliriegel dort zu essen.

Mit Ehrlichkeit überzeugte Andreas Weber in seinem Abschlussvortrag. Er gestand im Namen aller Männer: „Wir tragen unsere Klamotten doch bis sie abfallen. Und wenn er noch passen würde, würden wir auch in unserem Kommunionsanzug heiraten“. Sein Problem: Seit er alleine ist, müsse er sich auch selbstständig anziehen. Dabei fragte er sich, was denn der Unterschied zwischen „bäch“ und „beige“ sei. Um sich in Sachen Mode weiterzubilden, lese er Fachliteratur – die „Bunte“ beim Friseur.

Dank hilfreicher Tipps anderer lernte er beispielsweise, dass „Gewürzfarben die neuen Beerentöne“ seien und dass Singlemänner sich mal was trauen sollen. Seine logische Konsequenz: „Ich bin dann mal in Jogginghose und Unterhemd weggegangen – wer mich so nicht mag, hat mich auch im Anzug nicht verdient“. Zum Ende des Abends erheiterte das Publikum noch mit einer Schimpftirade über seine Versuche, seine Kinder anfangs bei Gesellschaftsspielen gewinnen zu lassen und nun ein paar Jahre später von ihnen genauso bei Videospielen behandelt zu werden.

Nach über zwei Stunden mit dem „Comedy Red Pack“ blieb dem Publikum im vollbesetzten Talbahnhof nur festzustellen: Jeder der Comedians war auf seine Weise einzigartig. Alle sorgten für reichlich Attacken auf die Lachmuskeln und jeder von ihnen darf gerne noch mal nach Eschweiler kommen – Moderatorin und Komikerin Gesa Dreckmann natürlich eingeschlossen.

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