Ein Nickerchen in der Schule ist erlaubt

Von: Stefan Herrmann
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Tiergestützte Pädagogik: Die Wirkung, die Anton auf die Schüler hat ist enorm. Wie genau der Schulhund sich auf den Klassenzimmeralltag auswirkt, untersucht Referendarin Katharina Dolheimer (rechts) in ihrer Examensarbeit. Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. Gerade mal vier Monate alt ist er, und trotzdem stapft er schon jeden Tag in die Schule. Anton ist kein Wunderkind. In der KGS Bohl lernt er auch kein Mathe und Deutsch. Ein pfiffiger Bursche ist er aber trotzdem, und der neue Star bei Groß und Klein. Anton ist nämlich der neue Schulhund der Grundschule an der Bohler Straße.

Kurz vor den Sommerferien kam Christoph Leclaire auf die Idee. Leclaire ist Leiter der Ganztagsbetreuung an der Bohler Schule und Sohn des Schulleiters Ewald Leclaire. „Jetzt bin ich auch Hundebeauftragter”, schmunzelt er.

„Wir haben uns erkundigt”, berichten die Beiden. Im Internet, bei Züchtern und natürlich auch bei den offiziellen Stellen. Beim Schulrat liefen sie offene Türen ein, ebenso beim Schulamt und der internen Schulkonferenz.

Und so tapst Großpudel Anton mit seinem Herrchen Christoph Leclaire - denn dieser ist offizieller Halter des Hundes - seit kurz nach den Herbstferien Tag für Tag durch die Schulflure. Bei den 183 Kindern ist er natürlich längst bekannt wie ein bunter Hund. Apropos bunt: Noch hat Anton ein schwarzes, zotteliges Fell. „In den nächsten ein, zwei Jahren silbert das durch”, erklärt Christoph Leclaire.

Warum eigentlich ein Pudel? „Das fragte ich mich am Anfang auch: Ich und ein Pudel?”, dachte Christoph Leclaire. „Das passt doch gar nicht!” Tut es doch. Und die Vorteile eines Großpudels liegen auf der Hand, denn er haart nicht. Das fördert die Hygiene in einer Schule und ist auch beim Thema Hundehaarallergie nicht unwichtig. „Am Anfang schmunzeln die Leute noch, wenn sie hören, wir haben einen Pudel als Schulhund”, sagt Vater Ewald. Doch das lege sich schnell. Und wenn sie dann das erste Mal Anton treffen, finden sie ihn einfach nur tierisch gut.

Ein besonderes Tätigkeitsfeld bietet Anton auch für Katharina Dolheimer. Die Referendarin legt ihr 2. Staatsexamen über die Arbeit mit Schulhund Anton ab. Ein unglaublich spannendes Feld, wie sie selbst sagt. Tiergestützte Pädagogik steckt zwar gerade für Regelschulen eher noch in den Kinderschuhen, über die Auswirkungen, die ein Tier auf Kinder (und Erwachsene) haben kann, staunen sie im Bohl schon seit Wochen.

„Mich beachtet gar keiner mehr”, kann Halter Leclaire die schwindende Aufmerksamkeit für seine Person aber gut verkraften. Alle Blicke gehen auf Anton. Aber: Die Kinder züglen sich, sie bestürmen den Hund nicht. „Er hat einen enorm beruhigenden Einfluss”, sagt der Schulleiter.

Jede einzelne Klasse besuchte Anton gemeinsam mit seinem Herrchen in den vergangenen Wochen. Mit den Kindern besprach man die Regeln, die in Anwesenheit des Großpudels gelten. „Anton wirkt sich einfach positiv auf den Schulalltag aus”, findet Christoph Leclaire. Maximal vier Stunden ist der Hund momentan vor Ort in der Schule. „Er soll hier nicht überfordert werden”, sagt Leclaire. Zusätzlich geht Anton zur Welpenschule, demnächst zur Junghundschule.

In Zukunft soll Hund Anton immer wieder in den Schulalltag integriert werden. Anton füttern zu dürfen, ihn zu streicheln, kann eine Belohnung für die Schüler sein. „Vor Anton nicht schlecht da zu stehen, ihn nicht zu enttäuschen, das ist eine wichtige Motivation für die Kinder”, erklärt Katharina Dolheimer. Doch noch genießt er im wahrsten Sinne des Wortes Welpenschutz.

Und die Kinder? Die sind natürlich alle begeistert. „Der ist so schön weich”, strahlt Erstklässlerin Hannah, als sie Anton durchs flauschige Fell fährt. „Man könnt sich daraus wunderbar ein Kissen machen”, lacht sie.

Aber das passiert natürlich nicht. Geschoren wird Anton trotzdem, und zwar im Frühjahr. „Wie ein Schaf”, schmunzelt Christoph Leclaire.

Einen positiven Effekt, glaubt Referendarin Dolheimer bereits jetzt auszumachen. „Die Kinder sehen, wieviel Arbeit ein Hund macht.” Dass habe möglicherweise einige überhastete tierische Weihnachtswünsche weniger zur Folge.

Schulleiter Ewald Leclaire will den neuesten Zugang an seiner Schule auf jeden Fall schon jetzt nicht mehr missen. „Andere haben den Anton aus Tirol. Wir haben dafür den Anton aus Bohl”, streichelt er dem Liebling aller Kinder über den Kopf. In der KGS sind sie längst alle auf den Hund gekommen.

Anton nimmt den Rummel derweil ganz locker. Kein Wunder, schließlich genießt er exklusive Privilegien: Im Büro seines Herrchens hat er eine eigene kleine „Höhle” als Rückzugsmöglichkeit. „Der schläft momentan noch gut und gerne 15 bis 16 Stunden am Tag”, erzählt Christoph Leclaire. Ein Nickerchen in der Schule, und das mit ausdrücklicher Erlaubnis vom „Chef” - da können Kinder wie Lehrer nur von träumen...
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