Eschweiler - Ein neues Zuhause für den kleinen Rudi

Ein neues Zuhause für den kleinen Rudi

Von: Sonja Essers
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Die Mitglieder der Sensibilisierungs- und Aufräumtruppe um Brigitte Averdung-Häfner (links) haben die Patenschaft für eine Flüchtlingsfamilie aus Albanien übernommen. Am Montag überraschten sie diese mit der frisch renovierten und eingerichteten Wohnung. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Während um ihn herum fleißig geputzt wird, schläft der kleine Rudi in seinem neuen Bettchen. Von dem Trubel, der in der Wohnung stattfindet, bekommt er nichts mit. Erst vor zehn Tagen erblickte der Junge in Eschweiler das Licht der Welt und ist somit ein waschechter Indestädter. Rudi ist jedoch nicht der richtige Name des Säuglings, sondern nur ein Spitzname.

„Wir nennen ihn Rudi nach unserem Bürgermeister Rudi Bertram, weil der dafür sorgt, dass wir Flüchtlinge aufnehmen können“, verrät Brigitte Averdung-Häfner.

Sie und die Mitglieder der Sensibilisierungs- und Aufräumtruppe haben Rudi, seiner Mutter und seinen beiden Brüdern einen großen Traum erfüllt: Sie sind Vorreiter und übernahmen für die Familie eine Patenschaft. So halfen sie der Familie nicht nur beim Umzug, sondern richteten die Wohnung auch ein. Seit Montag leben die Flüchtlinge, die im vergangenen Oktober aus Albanien kamen, in ihren eigenen vier Wänden.

Wie es dazu kam? „Wir sensibilisieren Menschen und packen die Dinge an, die wir sehen“, erklärt Averdung-Häfner. Nachdem der Vorstand der Sensibilisierungs- und Aufräumtruppe die Idee hatte, sich um Flüchtlinge zu kümmern, sprach Averdung-Häfner Demet Jawher an.

Jawher ist Mitarbeiterin des Sozialamtes der Stadt Eschweiler und konnte sofort eine hilfsbedürftige Familie nennen. Wenige Tage nach dem Telefonat schauten sich Averdung-Häfner und ihre Mitstreiter die zukünftige Wohnung der Familie an. Am vergangenen Freitag fand die Schlüsselübergabe statt.

Nur wenige Tage blieben den Paten, um die Drei-Zimmer-Wohnung auf Vordermann zu bringen und einzurichten. Zwar gab es allerhand zu tun, doch Averdung-Häfner nahm die Organisation in die Hand. Zwischen Arbeit und Familie startete sie Aufrufe in sozialen Netzwerken und bat um Möbel- und Kleiderspenden. In ihrer Mittagspause putzte die Indestädterin die Wohnung oder holte Möbelspenden ab. „Es war schon eine Herausforderung, weil alles so schnell gehen musste“, sagt sie rückblickend und fügt hinzu: „Aber das Team war fantastisch.“

Um rechtzeitig fertig zu werden, arbeitete das 14-köpfige Team am Wochenende in drei Schichten. Nicht nur die Erwachsenen packten fleißig mit an. Auch Tim, Elia, Damian und Hannes, deren Eltern mit von der Partie waren, halfen kräftig mit. „Das ganze Team ist spitze. Ich bin glücklich, dass ich solche Menschen kenne“, so Averdung-Häfner.

Rudis Familie ist jedoch nicht die einzige, die dringend Hilfe braucht. Averdung-Häfner ist mit einigen Bewohnern der Unterkünfte an der Hüttenstraße in Kontakt gekommen und will dort auch künftig helfen. Die Fotografin wünscht sich allerdings, dass das Modell der Patenschaften auch bei anderen auf offene Ohren stößt. „Wir haben vorgemacht, dass es geht“, sagt sie.

Natürlich soll mit der Neugestaltung der Wohnung nicht Schluss sein. Auch in Zukunft wollen Averdung-Häfner und ihre Mitstreiter sich um ihre Familie kümmern. Hilfe bei Arztbesuchen und Behördengängen soll genauso stattfinden wie Spaziergänge und Kaffeerunden. „Jeder aus der Gruppe kann seine Ideen umsetzen“, so die Initiatorin.

Besonders dankbar ist Averdung-Häfner für die Hilfe von Peter Schöner. Der Rentner hat in den vergangenen Tagen knapp 250 Kilometer zurückgelegt, um Möbel einzusammeln. Auch um die Elektrik hat er sich gekümmert. „Man soll nicht nur große Töne spucken, sondern auch selbst was tun“, meint der Rentner und fügt hinzu: „Man ist zwar abends groggy, aber man kann sich zufrieden ins Bett legen. Mir hat es nicht leidgetan, dass ich mitgemacht habe.“

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