Ein Neuanfang nach „Chaos-Monaten”

Von: Thorsten Pracht
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Daumen hoch für einen erfolgr
Daumen hoch für einen erfolgreichen Neubeginn: Den Abstieg aus der Mittelrheinliga begreift man bei Germania Dürwiß als Chance. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Echte Trauer hört sich anders an. „Ich glaube, für uns ist es besser so”, sagt Frank Dickmeis. Der Vorsitzende des FC Germania 07 Dürwiß scheint den Abstieg der Ersten Mannschaft aus der Mittelrhein- in die Landesliga längst verwunden zu haben.

Mehr als das: In seinen Worten schwingt sogar eine Spur Erleichterung mit. „Die Mittelrheinliga war für uns ohnehin das Höchste der Gefühle. Selbst von den finanzstarken Vereinen kann sich kaum einer erlauben, aufzusteigen. Für uns ging es also eigentlich immer nur um die Goldene Ananas”, sagt Dickmeis. „Jetzt starten wir einen Neuanfang in der Landesliga.”

Die Zeit der großen Ambitionen im Sportpark am See ist also erst einmal vorbei. Am Ende der Saison lag die Germania mit 15 Punkten satte neun Punkte hinter dem Vorletzten. Gerade mal drei Siege gelangen in 32 Spielen - sportlich eine Horror-Bilanz. Dazu verschlissen die Rot-Weißen sage und schreibe fünf Trainer.

Der Reihe nach: Als Nachfolger des zu Alemannia Aachen gewechselten Michael Burlet übernahm Torsten Schmitz im letzten Sommer das Ruder im Sportpark am See. „Unglücklich” sei die Vorbereitung verlaufen, erinnert sich Dickmeis. Leistungsträger fehlten entweder verletzt oder urlaubsbedingt. Aber schon bei der Kaderzusammenstellung gab es unterschiedliche Auffassungen. Germania wollte möglichst viele Jugendspieler übernehmen, was Schmitz aus Sicht des Vereins nachvollziehen kann.

Aber: „Nur mit Jugendspielern ist die Mittelrheinliga einfach nicht zu schaffen”, sagt der Ex-Ex-Ex-Ex-Coach, dem wohl auch die gestiegenen Erwartungen nach erfolgreichen Jahren unter Burlet zum Verhängnis wurden. Ihm folgte Alex Medina (Rücktritt nach wenigen Spielen aufgrund seiner beruflichen Situation), nach der Winterpause übernahm Mike Schleiden (Trennung nach fünf Niederlagen in Serie).

„Junges Gemüse”

Dass B-Jugend-Trainer Markus Hambach sofort - und nicht wie ursprünglich geplant erst im Sommer - einsteigt, erfuhr Interimscoach Samir Gradasevic unmittelbar vor seiner ersten Trainingseinheit. „Eigentlich wollten wir Markus nicht verheizen. Aber er wollte, dass sich die Spieler schon an ihn gewöhnen können”, erklärt Dickmeis den zwar nachvollziehbaren, aber schlecht kommunizierten Sinneswandel.

Kaum verwunderlich, dass es in der Rückrunde nur zu vier Zählern reichte. Von „Chaos-Monaten” spricht der neue Trainer beim Blick zurück. „Alles was schief gehen konnte, ist schief gelaufen”, sagt Hambach. „Aber darin besteht für Germania auch eine große Chance.”

In Dürwiß ist der Blick jetzt nach vorne gerichtet. Und so paradox das klingt: Die Voraussetzungen haben sich verbessert. Während ein Abstieg in den Profiligen zwingend finanzielle Einbußen bedeutet, dürfte es bei der Germania genau umgekehrt aussehen. „Das wird eine sehr interessante Liga”, prophezeit Hambach. Statt Alfter, Bergneustadt oder Windeck heißen die Gegner jetzt Eilendorf, Richterich, Westwacht Aachen, Mariadorf oder Wenau - Lokalduelle, die den einen oder anderen Zuschauer anlocken dürften. „Bisher konnten wir die Leute an zwei Händen abzählen. Die Einnahmen haben meist gerade so gereicht, um den Schiedsrichter zu bezahlen”, sagt der FC-Vorsitzende. Finanziell gehe es Eschweilers klassenhöchstem Fußballklub „nicht gut, aber auch nicht schlecht”.

Sportlich bereitet der Trainer seinen neuen Kader seit einer Woche auf die kommende Spielzeit vor. „Nur junges Gemüse” wurde verpflichtet, mit Ausnahme des erfahrenen Martin Kroll von Jugendsport Wenau. Dazu kommen drei Verstärkungen aus der eigenen A-Jugend. 19,6 Jahre gibt der Trainer als Durchschnittsalter seines Teams an. „So lange ich da bin, werden wir nicht durch massive Zukäufe versuchen, wieder aufzusteigen”, verspricht Dickmeis nachhaltiges Arbeiten. Immerhin ist durch den Aufstieg der A-Jugend in die Mittelrheinliga der Sprung aus dem Jugend- in den Seniorenbereich im Vergleich zur Vorsaison gleich um zwei Klassen kleiner geworden. Weil auch die C-Jugend in die Sondergruppe aufstieg, ist Germania Dürwiß jetzt in Sachen Nachwuchs wieder sehr ordentlich positioniert. Davon soll demnächst auch die „Erste” profitieren.

Bis dahin bleiben die Ziele an der Jülicher Straße bescheiden. „In der Liga bleiben und die Mannschaft zusammenhalten” - mehr wünscht sich der Trainer gar nicht.
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