Eschweiler - Ein Held aus der Alemannia-Zeit feiert seinen 85. Geburtstag

Ein Held aus der Alemannia-Zeit feiert seinen 85. Geburtstag

Von: Andreas Röchter
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Im 52. Ehejahr: Anni und Karl Vigna fühlen sich nach wie vor in Dürwiß sehr wohl. Der ehemalige Ausnahmefußballer und achtfache Großvater vollendet am Mittwoch sein 85. Lebensjahr. Foto: Andreas Röchter
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Enorme Sprungkraft: Das Kopfballspiel, hier eine Flugeinlage im Spiel gegen Fortuna Düsseldorf, gehörte zu den Stärken von Karl Vigna, die er sich in jungen Jahren beim Training in der Scheune der Eltern von Aka Willms angeeignet hatte. Foto: Archiv/M. Vigna
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Voller Einsatz vor vollen Tribünen: Alemanne Karl Vigna im Duell mit Fritz Herkenrath, Torhüter von Rot-Weiß Essen und 21-facher Schlussmann der deutschen Nationalmannschaft. Foto: Archiv/M. Vigna

Eschweiler. Am vergangenen Freitag war es wieder einmal soweit: Im noch jungen Stadion Essen standen sich die alten Fußball-Rivalen Alemannia Aachen und Rot-Weiß Essen gegenüber. Immerhin gut 10.000 Zuschauer sahen die Partie der vierten Liga, die die einmal mehr arg gebeutelten Tivoli-Kicker mit 2:1 für sich entschieden.

Am Mittwoch feiert nun ein Indestädter Geburtstag, der in für beide Vereine weitaus besseren Tagen zunächst für die Schwarz-Gelben und später auch für die Rot-Weißen aktiv war, dabei mit Akteuren wie Michel Pfeiffer, Jupp Martinelli, Gerd Richter, Aka Willms, Helmut Rahn oder Franz „Penny“ Islacker zusammenspielte und für die Alemannia in 75 Meisterschaftsspielen der Oberliga West, der bis 1963 höchsten deutschen Spielklasse, 24 Tore erzielte. Der Dürwisser Karl Vigna vollendet am Mittwoch sein 85. Lebensjahr und feiert seinen Ehrentag im Kreise der Familie mit Ehefrau Anni, den beiden Töchtern Marly und Pauline, Sohn Manfred sowie den insgesamt acht Enkelkindern.

Am 5. April 1932 in Gelsenkirchen geboren, führte Karl Vignas Lebensweg schnell nach Dürwiß, dem Heimatort seiner Mutter. Schon in jungen Jahren stand der Fußball weit oben auf seiner Prioritätenliste. Gemeinsam mit Freunden, darunter auch Aka Willms, feilte Karl Vigna früh an den Fähigkeiten, die auch heute noch einen guten Fußballer ausmachen. „In einer Scheune befestigten wir hoch oben einen Pendelball und trainierten daran intensiv unsere Sprungtechnik und unser Kopfballspiel“, erinnert sich das Geburtstagskind, das zwischen 1946 und 1950 das Trikot von Germania Dürwiß trug.

„Wir stellten eine erfolgreiche Jugendmannschaft dar und holten unter anderem die Bezirksmeisterschaft“, weiß der gelernte Metzger zu berichten. Aufgerückt in die Erste Mannschaft der Germanen, entwickelte Karl Vigna Ehrgeiz. „Ich wollte wissen, ob für mich mehr möglich war!“ So wechselte er 1950 zu Alemannia Aachen, um sich im Reserveteam für die in der Oberliga aktive Vertragsspielermannschaft zu empfehlen. Doch der Weg erwies sich als steinig. Zwar schaute Hermann Lindemann, Trainer der „Ersten“ durchaus regelmäßig beim Training der Reserve zu und leitete ab und zu sogar eine Einheit, doch die Nominierung für die Oberliga-Mannschaft ließ auf sich warten.

Also mussten andere Register gezogen werden. Über einen Arbeitskollegen suchte und fand Karl Vigna den Kontakt zu Michel Pfeifer, der nach Reinhold Münzenberg zum zweiten Nationalspieler (ein Einsatz gegen England vor 100.000 Zuschauern im Wembley-Stadion) der Alemannia werden sollte, um eine Gelegenheit zu erhalten, am Training der Ersten Mannschaft teilnehmen zu können. „Ein- oder zweimal kannst du kommen. Klappt es dabei nicht, kann ich nichts machen“, erklärte Michel Pfeiffer von Indestädter zu Dürwisser.

Gesagt, getan! „Im ersten Trainingsspiel war Fred Jansen mein Gegenspieler. Ich erzielte gegen ihn zwei Tore, was Fred harte Kritik von Trainer Lindemann einbrachte“, schmunzelt Karl Vigna zurückblickend. Er hatte Eindruck gemacht. Die Saison spielte er in der Reserve zu Ende, trainieren durfte er aber mit den Vertragsspielern. Und am ersten Spieltag der Oberliga West der Saison 1954/55 schlug die große Stunde von Karl Vigna: Gegen Schalke 04 gewann die Alemannia am (natürlich) vollbesetzten Tivoli mit 4:3. Karl Vigna spielte seine Schnelligkeit, die Sprungkraft sowie die Schuss- und Kopfballtechnik aus, erzielte den Führungstreffer zum 1:0 und entschied die Partie mit zwei weiteren Toren zum 3:3 und 4:3.

Der zwischenzeitliche 2:2-Ausgleich ging auf das Konto von Mit-Debütant Jupp Martinelli. Ein weiterer Höhepunkt seiner Alemannia-Jahre war das Freundschaftsspiel gegen die englischen Profis von Manchester City, in deren Kasten kein Geringerer als die deutsche Torwart-Legende Bert Trautmann stand. Doch nicht alles war Gold während dieser Zeit. Ausgerechnet in einer Partie gegen Rot-Weiß Essen erlitt Karl Vigna einen Nasenbeinbruch, der ihn zu einer langen Pause zwang.

„Darüber hinaus galt ich bei den Verantwortlichen der Alemannia nicht viel. Vielleicht, weil ich ein Spieler war, der aus der Reserve kam“, fühlte sich Karl Vigna am Tivoli zu wenig wertgeschätzt. Ein Vereinswechsel war geboten. Der Weg führte zu Rot-Weiß Essen, wo Karl Vigna mit dem Ehrenvorsitzenden Georg Melches einen vehementen Fürsprecher hatte. Von 1958 bis 1960 spielte Karl Vigna für den Deutschen Meister des Jahres 1955, bevor er seine Karriere bei Spora Luxemburg und MVV in Maastricht ausklingen ließ.

Seinem Heimatort Dürwiß ist Karl Vigna bis heute treu geblieben. „Eine schöne Zeit habe ich auch noch bei den Alten Herren der Germania erlebt“, macht der nun 85-jährige, der als Trainer unter anderem in Lammersdorf und Elsdorf tätig war, deutlich. Doch inzwischen habe sich (auch) die Fußballwelt vollkommen verändert. Die Entwicklungen bei Alemannia Aachen, Rot-Weiß Essen und auch Germania Dürwiß sprächen Bände.

Glücklich ist Karl Vigna über seine intakte Familie. Seit mehr als 51 Jahren ist er mit seiner Frau Anni verheiratet, die als waschechte Aachenerin mit etwas gemischten Gefühle an die ersten Wochen und Monate im damals noch sehr überschaubaren Dorf Dürwiß zurückdenkt. Bedenken, die jedoch letztlich schnell verflogen. Jetzt freut sich der Jubilar nun auf einige schöne Stunden mit seinen Nächsten.

Und er ist auch ein klein wenig stolz, wenn er erfährt, dass er keinesfalls vergessen ist. Viele der immer noch zahlreichen Alemannia-Anhänger denken in der aktuellen, wohl schwierigsten Phase der Vereinsgeschichte sicherlich an weitaus erfolgreichere und vielleicht auch generell schönere Fußball-Zeiten zurück. An eine Zeit, die auch mit dem Namen Karl Vigna fest verknüpft ist.

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