Ein Haus mit bewegender Geschichte und Zukunft

Von: irmi
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Am 1. Dezember 1891 geht das „Kreispflegehaus“ Eschweiler, dass vom Orden der „Borromäerinnen zu Trier“ verwaltet wurde, in Betrieb. Anfangs betreuen sechs Ordensschwestern 50 Bewohner. Erste Oberin ist Schwester Albertine Waßerburger. Hier eine Ansicht des Kreispflegehauses um das Jahr 1935. Foto: Alfred Englaender/Archiv Eschweiler Geschichtsverein
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Das Senioren- und Betreuungszentrum der Städteregion Aachen an der Johanna-Neuman-Straße ist heute eine hochmoderne Einrichtung. 240 Frauen und Männer verbringen hier ihren Lebensabend. Foto: I. Röhseler
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Impression aus dem Jahr 1950: Die damalige Küche. Foto: Archiv SBZ

Eschweiler. Jahre unermüdlicher Einsatz, 125 Jahre in guten Händen – dafür steht das Senioren- und Betreuungszentrum der Städteregion Aachen in Eschweiler. Die Einrichtung an der Johanna-Neuman-Straße feiert in diesem Jahr einen ehrwürdigen Geburtstag. Ein Blick zurück in die Geschichte zeigt, wie sich das Haus im Laufe eines Jahrhunderts entwickelt hat.

Im Jahre 1890 beschloss der Kreistag die Gründung einer „Anstalt für hilfs- und pflegebedürftige alte Leute, Krüppel und geistig gebrechliche Menschen“. Zur Einrichtung eines Kreisarmenhauses kaufte der Kreis das in der Nähe des Bahnhofes gelegene Arbeiterwohnhaus der damaligen Firma von Eberhard Hoesch und Söhne, damals im Volksmund als „dr Hösche Bou en de Krim“ bekannt.

Der Kaufpreis für das Gebäude mit einem Grundstück von etwa zehn Morgen betrug rund 45.000 Goldmark; für Umbauten und Einrichtung wurden weitere 100.000 Mark investiert. Schließlich sollte Platz für 120 Heimbewohner geschaffen werden.

Durch den Aufbau eines dritten Geschosses und den Einbau von Trennwänden wurden ausreichend Räume geschaffen, wobei sich in der Regel sieben Personen einen Schlafraum teilten. Speise- und Wohnräume waren gemeinschaftlich genutzte Säle. Im Erdgeschoss richtete man einen Betsaal ein, im Kellergeschoss entstanden Küche, Bade- und Waschräume, sowie Vorratsräume.

Eine Kapelle gab es damals noch nicht. Neben dem Hauptgebäude entstand ein so genanntes Ökonomiegebäude mit Stallungen für Groß- und Kleinvieh, und das von Mauern umschlossene große Gartengelände wurde entsprechend gestaltet und bepflanzt. Am 1. Dezember 1891 geht das „Kreispflegehaus“ Eschweiler, dass vom Orden der „Borromäerinnen zu Trier“ verwaltet wurde, in Betrieb.

Höchststand erreicht

Schon nach vier Jahren reichten die 120 Heimplätze nicht mehr aus. Die nächste Erweiterung stand an. Die Gesamtkapazität des Kreispflegehauses betrug nunmehr 250 Plätze, die schon Ende Oktober 1899 restlos belegt waren. Im Jahre 1908 war mit 290 Pflegebedürftigen der Höchststand erreicht.

Mittlerweile sorgten 15 Ordensschwestern und ein Hausarzt für das Wohl der Heimbewohner. Bei dieser steigenden Tendenz beschloss der Landkreis Aachen einen zweiten Erweiterungsbau. Trotz des Krieges wurde 1916 ein dreigeschossiger Anbau mit Mansardendach errichtet. Nun gab es 280 Betten.

Bis auf die Neugestaltung der Kapelle 1957/58 veränderte sich 50 Jahre lang nichts mehr an dem Gebäude. Das Kreispflegehaus überstand – wenn auch mit erheblichen Schäden – den Zweiten Weltkrieg. Die Kriegsjahre stellten Schwestern und Pflegepersonal vor zunehmend schwere Aufgaben, denn das Haus wurde vorübergehend als Reservelazarett umgerüstet, in dem vorwiegend leicht kranke Soldaten betreut wurden.

Der Luftkrieg machte es erforderlich, dass die Heimbewohner regelmäßig nachts den Luftschutzkeller aufsuchen mussten. Die Situation verschärfte sich im September 1944. Während zunächst eine Evakuierung des Kreispflegehauses unvermeidlich schien, als die Front näher rückte, wurden am 15. September 1944 nur 153 gehfähige Heimbewohner und einige Schwestern zum Bahnhof beordert und von dort weiterbefördert.

Die 76 Bettlägrigen blieben in Ermangelung entsprechender Fahrzeuge in der Obhut von drei Ordensschwestern und dem Hausgeistlichen. Unter primitivsten Umständen mussten diese Menschen drei Monate ohne Wasser- und Energieversorgung in den Kellerräumen hausen.

Einwohner räumen die Stadt

Als im November 1944 amerikanische Truppen Eschweiler besetzen, müssen 500 Einwohner am 3. Dezember die Stadt räumen. Die Talbahnlinie wurde zur Grenze, der Stadtteil Röthgen zur Aufnahmezone bestimmt. Auch das St.-Antonius-Hospital beschlagnahmten die Amerikaner.

Krankenhausleitung und Personal – insgesamt 53 Personen – siedelten ins Kreispflegehaus über. Gemeinsam mit den Borromäerinnen machte man sich ans Werk, die gröbsten Schäden am und im Haus zu beseitigen. Mit dem Wirtschaftsaufschwung in den 1950er-Jahren begann auch die Instandsetzung des Kreispflegehauses.

Neubau beschlossen

Die Kosten für die Bau- und Modernisierungsmaßnahmen betrugen innerhalb eines Jahrzehnts zwei Millionen Mark. Trotz der hohen Kosten, die in das Heim gesteckt wurden, erkannte man immer deutlicher, dass der anhaltend steigende Finanz- und Betriebsaufwand ein Fass ohne Boden und in der rückständigen Grundkonzeption des Heimes nichts ändern würde.

Im Januar 1963 beschloss der Kreistag des Landkreises Aachen, einen Neubau für das „Kreisaltersheim“ (so lautete inzwischen die amtliche Bezeichnung!) zu errichten. Über 15 Jahre lang dauerte es schließlich, bis das neue Haus stand. Am 4. August 1971 schrieb unsere Zeitung (damals „Bote an der Inde“) optimistisch: „Alles klar: Im Frühjahr 1972 Baubeginn des Altenheimes in Eschweiler“.

Kistermann wird Heimleiter

Grünes Licht aus Düsseldorf kam allerdings erst 1974. Der Spatenstich erfolgte am 4. November 1974, die feierliche Einweihung rund drei Jahre später, nämlich am 2. Dezember 1977. Am 9. Juni 1978 wird der leer stehende Altbau dem Boden gleich gemacht. Im Dezember 1981 beschloss der Kreistag, für das Pflege-, Alten- und Personalheim ab Januar 1983 ein Sondervermögen zu bilden, das wie ein Eigenbetrieb nach den Vorschriften der Eigenbetriebsversorgung NW zu verwalten ist.

Grundlage für diese Umwandlung war der Gedanke, die Einrichtung nach kaufmännischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu führen, wobei das Wohl der Bewohner absolute Priorität besitzen sollte. Das Haus erhält den Namen „Alten- und Altenkrankenheim des Kreises Aachen in Eschweiler“. Klaus Kistermann übernimmt die Leitung des Hauses und lenkt die Geschicke des Kreisaltenheims.

Im Dezember 1997 gibt es eine Namensänderung. Das bisherige „Alten- und Altenkrankenheim des Kreises Aachen“ heißt nun „Senioren- und Betreuungszentrum des Kreises Aachen“, abgekürzt SBZ. 2003 finden umfassende Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten statt. Unter anderem werden Dutzende Doppelzimmer zu Einzelzimmern mit Bad umgebaut. Zum 1. Januar 2007 tritt der aus Bardenberg stammende Diplom-Kaufmann Bernhard Müller die Nachfolge von Klaus Kistermann an und übernimmt die Leitung des SBZ.

Im Jahr 2009 erhält das SBZ erstmals das „Demenz-Label“ der Städteregion Aachen, der Soziale Dienst nimmt seinen Dienst auf, die Ambulante Pflege startet und die Tagespflege wird eröffnet. Ende 2009 erfolgt der erste Spatenstich zum Neubau „Betreutes Wohnen“. In die Modernisierung fließen insgesamt rund 8 Millionen Euro. Erstmals gibt es einen Mobilen Mittagstisch (Essen auf Rädern). Ein Jahr später erhalten auch die Außenanlagen ein neues Gesicht. 2012 folgt der Bau eines Mehrgenerationenspielplatzes, 2015 der Bau eines Wintergartens.

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