Ein fester Job ist das Traumziel der Behinderten

Von: Andreas Röchter
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Ziehen an einem Strang: Integr
Ziehen an einem Strang: Integrationsassistent Rainer Bonk, Betriebsleiter Christian Hack, die Praktikanten Philipp Juan Gomez und Patrick Gottwald sowie Fredi Gärtner, Leiter Sozialer Dienst der Caritas-Behindertenwerk GmbH (v. l.). Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Im Frühjahr 2009 wurden zwischen dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) als Kostenträger und der Caritas-Behindertenwerk-GmbH neue Zielvereinbarungen geschlossen. Eine davon lautete, die Zahl der Übergänge von Mitarbeitern der GmbH auf den Allgemeinen Arbeitsmarkt zu erhöhen.

Leichter gesagt als getan! Doch nach nun über zwei Jahren sind erste Erfolge zu vermelden.

Das „Idealziel”, nämlich die Vermittlung in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis, konnte zwar erst einmal erreicht werden, doch insgesamt 15 betriebsintegrierte Arbeitsplätze, bei denen das Beschäftigungsverhältnis des Menschen mit Behinderung mit der Caritas-Behindertenwerk GmbH bestehen bleibt, er aber in einem Betrieb des ersten Arbeitsmarktes einer Tätigkeit nachgeht, zeigen, dass der eingeschlagene Weg ein vielversprechender ist.

Darüber hinaus absolvieren zur Zeit einige Mitarbeiter der Caritas-Behindertenwerk-GmbH vier- bis achtwöchige Praktika in verschiedenen Betrieben.

Gleich drei Menschen mit Behinderung sind momentan im St.-Antonius-Hospital beschäftigt: Hans-Jürgen Zeyen, der eine psychische Behinderung aufweist, nimmt einen betriebsintegrierten Arbeitsplatz ein und organisiert bereits seit zwei Jahren den Transport der Versorgungswagen mit den Mahlzeiten der Patienten von der Küche auf die Stationen. Auch die Praktikanten Philipp Juan Gomez und Patrick Gottwald gehören zum Küchenpersonal des Krankenhauses. Die beiden, die zuvor in den Werkstätten für Menschen mit geistiger Behinderung arbeiteten, säubern nun die Speisen- und Transportbehälter.

„Wichtig ist, dass diese Projekte keine Arbeitsvermittlung um jeden Preis, sondern eine Förderung der Menschen mit Behinderung darstellen”, betont Rainer Bonk. Der Integrationsassistent der Caritas-Behindertenwerk GmbH fungiert in seiner Funktion als Vermittler zwischen dem Mitarbeiter und den Verantwortlichen des Betriebs.

„Nach zuvor erfolgten Zielvereinbarungsgesprächen mit unseren Beschäftigten knüpfe ich Kontakte mit den Betrieben, sehe mir die Gegebenheiten vor Ort an und suche Anbindungsmöglichkeiten. Ich begleite unsere Beschäftigten von der Kontaktaufnahme bis zur Aufnahme eines festen Arbeitsverhältnisses.” Welches natürlich nicht immer zustande kommt. „Einige unsere Mitarbeiter überschätzen sich. Unsere Aufgabe lautet deshalb, genau hinzuschauen”, so Rainer Bonk.

Dies unterstreicht auch Fredi Gärtner, Leiter des Sozialen Dienstes und der Fachberatung Berufliche Bildung bei der Caritas-Behindertenwerk GmbH. „Unser Ansatz ist personenbezogen und individuell. Der Anspruch an uns, unsere Mitarbeiter zu fördern, ist richtig. Doch dabei muss immer der Wille des Beschäftigten berücksichtigt werden”, so der Diplom-Sozialarbeiter.

Der Wille von Philipp Juan Gomez war, ein Praktikum im St.-Antonius-Hospital zu absolvieren. Der 30-Jährige, der im Caritas-Wohnheim an der Odilienstraße zu Hause ist, arbeitete zuvor auf dem Lohner Hof sowie in der Garten- beziehungsweise der Montage- und Verpackungsabteilung der Caritas-Behindertenwerk GmbH.

„Dann hat mich mein Betreuer gefragt, ob ich nicht Lust hätte, ein Praktikum außerhalb der Werkstätten zu beginnen. Ich habe zugestimmt, schließlich ist es langweilig, nur zu Hause rumzuhängen”, erklärt er hochmotiviert. Die Akzeptanz bei den übrigen Mitarbeitern sei auf jeden Fall vorhanden, bestätigt Christian Hack. „Sehr wichtig ist es, die Menschen mit Behinderung wie in einem Team, einer Familie aufzunehmen”, so der Betriebsleiter Küche des St.-Antonius-Hospitals, der Zustimmung von Fredi Gärtner erhält. „Es geht zunächst nicht in erster Linie um das Fachliche. Das soziale Umfeld muss stimmen.”

Doch niemand der am Projekt Beteiligten vergisst, dass es hier um die Vermittlung von Arbeitsplätzen, nicht von Verwahrstellen, geht.

„Die Menschen mit Behinderung müssen die Rahmenbedingungen erfüllen, also auch Leistung bringen”, lässt Fredi Gärtner keine Zweifel aufkommen. Denn nur so sind Firmen und Betriebe bereit, den Mitarbeitern der Caritas-Behindertenwerk GmbH einen Arbeitsplatz zu geben. „Wir sind darauf angewiesen, Partner zu finden. Wir können noch so viele Ideen entwickeln, ohne die Betriebe geht es nicht”, weiß der Leiter Soziale Dienste.

Vor dem festen Job steht erst einmal ein Praktikum

Betriebsintegrierte Arbeitsplätze sind Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung in Betrieben oder Institutionen des ersten Arbeitsmarktes. Langfristiges Ziel ist die Integration in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Das Beschäftigungsverhältnis mit der Caritas-Behindertenwerk GmbH bleibt für den Menschen mit Behinderung erhalten. Er wird weiterhin von der GmbH versichert und bezahlt.

Jeder Integration auf einem betriebsintegrierten Arbeitsplatz ist zunächst ein Praktikum vorgeschaltet.

Die momentan 15 betriebsintegrierten Arbeitsplätze bei der Caritas-Behindertenwerk GmbH werden von neun Menschen mit psychischer und sechs Menschen mit geistiger Behinderung eingenommen.

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