Ein besonderer Frühlingsauftakt bei dem Lions-Club

Von: ran
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Präsentierte unter anderem mit Kompositionen Alban Bergs „Herzstücke“ des Klarinettenspiels: die 15-jährige Luisa Gehlen. Foto: Andreas Röchter
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Stellte eindrucksvoll unter Beweis, warum sie im vergangenen Jahr den ersten Preis beim bundesweiten Lions Musikwettbewerb gewann: Leandra Brehm.

Eschweiler. Nun gut, ob die Verantwortlichen des Lions-Clubs Eschweiler-Ascvilare mit dem (traditionellen) Titel ihres jährlichen Benefizkonzerts, das am späten Sonntagnachmittag unter der Überschrift „Frühlingsauftakt“ zahlreiche Liebhaber klassischer Musik in den Ratssaal des Rathauses lockte, in diesem Jahr genau ins Schwarze getroffen haben, darüber lässt sich womöglich streiten.

Über alles andere jedoch keinesfalls: Denn während Petrus sich außerhalb des Konzertsaals zumindest wankelmütig zeigte, ließen Leandra Brehm und Luisa Gehlen an der Klarinette sowie die Pianisten Junko Shioda und Joshua Gehlen in den Herzen ihrer Zuhörer die Sonne aufgehen.

Teilweise mutete es fast schon atemberaubend an, welche Töne und Klangfolgen beide Klarinettistinnen ihren Holzblasinstrumenten entlockten. Leandra Brehm, die im vergangenen Jahr den 1. Preis des bundesweiten Lions-Musikwettbewerbs gewann, insgesamt sechs Mal mit einem ersten Preis des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ ausgezeichnet wurde und seit September 2015 Stipendiatin der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker ist, wagte sich unter anderem an die außerordentlich anspruchsvolle „Sonata für Klarinette solo“ heran, die der russische Komponist Edison Denisov im Jahr 1972 erschuf.

„Ein Werk, auf das sich auch der Zuhörer einlassen und bei dem er durch besondere Aufmerksamkeit in gewisser Weise mitarbeiten muss“, forderte Professor Dr. Heinz Geuen, Rektor der Hochschule Köln für Musik und Tanz, der während des Konzerts als Moderator fungierte und kenntnisreich durch ein mehr als bemerkenswertes Programm führte, auch das Publikum zu Höchstleistungen auf. Absolut zu Recht. Denn Leandra Brehm interpretierte die komplexe zweigeteilte Sonate mit ihren teilweise sehr überraschenden Klangeffekten voller Spannung punktgenau. Dabei gelang es der gebürtigen Stuttgarterin, den Funken überspringen zu lassen und die Emotionen von ruhig über lebhaft bis aufregend auf die Zuhörer zu übertragen.

Welche Bandbreite an Hörgenuss die Klarinette bietet, machte auch die 15-jährige Luisa Gehlen deutlich. Die mehrfache Bundespreisträgerin des Wettbewerbs „Jugend musiziert“, die in diesem Jahr in der Wertung „Klarinette solo“ im Regional-, Landes- und Bundeswettbewerb einen 1. Preis mit Höchstpunktzahl errang und Inhaberin eines Stipendiums der Jürgen-Ponto-Stiftung ist, ließ mit vier kurzen Stücken aus dem „opus 5“ von Alban Berg Werke hören, die, so Professor Dr. Heinz Geuen, zu den „Herzstücken“ des Klarinettenspiels zählen und verzauberte die Konzertgäste darüber hinaus mit der temperamentvollen Wiedergabe der von Luigi Bassi unter dem Titel „Fantasia da concerto su motivi del Rigoletto“ komponierten Variationen der weltberühmten Verdi-Oper.

Der von Herzen kommende Applaus belohnte aber nicht nur die beiden wunderbaren Klarinettistinnen, sondern auch und nicht zuletzt die Pianisten Junko Shioda und Joshua Gehlen. Letztgenannter harmonierte grandios mit seiner jüngeren Schwester, während Junko Shioda souverän und mit leichter Hand die Fähigkeiten Leandra Brehms fein ergänzte.

Trude Vögeli, Präsidentin des Lions-Clubs Eschweiler-Ascvilare, hatte also keinesfalls zu viel versprochen, als sie vor dem ersten musikalischen Klang die Gäste zu einem „frischen Konzert mit jungen, bereits sehr erfolgreichen Künstlern“ begrüßte und dabei auf den Sinn des Engagements der Mitglieder des Lions-Clubs hinwies, nämlich getreu dem Motto „We serve“ („Wir helfen“) Menschen in Not zu unterstützen und dabei vor allem den Blick auf Kinder zu richten: „Auch und gerade in der jüngsten Vergangenheit ist deutlich geworden, wie wichtig es ist, Kinder an die Hand zu nehmen. Schließlich sind sie unsere Zukunft und tragen die schwerste Bürde“, so die Präsidentin, die mit den Worten „Freude, die ich anderen schenke, kehrt in das eigene Herz zurück“, ihren Ausführungen Nachdruck verlieh.

Schirmherr Rudi Bertram dankte den Verantwortlichen des Lions-Clubs Eschweiler-Ascvilare anschließend ausdrücklich für ihr Handeln. „Sie nehmen die gesellschaftlichen Probleme wahr und tun etwas für das Allgemeinwesen!“

Sowohl Kinder- als auch Altersarmut seien im reichen Deutschland vorhandene Probleme, vor denen nicht die Augen verschlossen werden dürften. Vor allem müsse verhindert werden, die Bekämpfung dieser Phänomene einigen ehrenamtlich tätigen Menschen zu überlassen. „Es gilt, diese zentralen Themen in den Fokus aller zu bringen und sie gesellschaftspolitisch anzugehen.

Kein Mensch darf links liegen gelassen werden“, so die Forderung des Bürgermeisters, bevor großartige Musik den Ratssaal erfüllte. Und damit einmal mehr deutlich wurde, über was für ein „gutes Näschen“ Wilfried Pinhammer in Sachen klassischer Musik verfügt. Schließlich war das langjährige Lions-Club-Mitglied einmal mehr für die Auswahl der Musiker verantwortlich und zog dabei treffsicher vier Asse aus dem Ärmel.

Eine Meinung, der sich das Publikum mit lautstarkem Applaus anschloss. Und auch Petrus schien durch den Klanggenuss versöhnt. Denn während der Weg zum Konzert für die Gäste Schneeflocken und auch Hagel bereit hielt, fielen während der Darbietungen von Leandra Brehm, Luisa Gehlen, Junko Shioda und Joshua Gehlen doch tatsächlich Sonnenstrahlen durch die Fenster des Ratssaals. Zwei mitreißende Stunden, die Lust auf mehr machten! Im kommenden Jahr!

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