Ein Beruf in der Gastronomie fordert Einsatz und Leidenschaft

Von: Sonja Essers
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Arbeiten, wenn andere feiern: Jannis Argiriou kann sich keinen „schöneren Beruf“ vorstellen – trotz aller Probleme. Foto: Sonja Essers
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Hat den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt: Patrick Düsel hat im vergangenen Jahr das Restaurant „Zur Alten Schmiede“ neu eröffnet.

Eschweiler. Die Gastronomie in der Indestadt boomt und in der Schnellengasse reiht sich eine Szenekneipe an die nächste. Sogar aus den umliegenden Städten strömen am Wochenende viele Gäste nach Eschweiler, um dort zu feiern. Bloßes Wunschdenken? Um das Jahr 1982 herum sah es in Eschweiler genau so aus.

Für viele Eschweiler ist das heute allerdings kaum noch vorstellbar. „Es war einfach eine andere Zeit“, meint auch Gastronom Jannis Argiriou. „In Eschweiler war damals genauso viel los, wie heute in Köln.“

Als der damals 27-Jährige mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder X seine Gaststätte „Der Grieche“ am Markt eröffnet, spielten das Nichtraucher-Schutzgesetz und erhöhte Gema-Gebühren noch keine Rolle. „Für meinen Bruder und mich war die Gastronomie zu Beginn eher eine Art Hobby“, erzählt er. Die zwei Schichten pro Tag teilten sich die Brüder, wenn es mal eng wurde, sprangen Freunde ein. „Erst als wir nach einigen Jahren Familien gründeten, merkten wir, dass es ernst wurde. Schließlich mussten wir nun von unseren Einnahmen leben können.“

Dem Besitzer des Restaurants „Der Grieche“ fiel der Schritt in die Selbstständigkeit nicht sonderlich schwer, obwohl er in dieser Branche zuvor nur wenig Erfahrung gesammelt hatte: „Ich hatte zuvor nur einige Jahre als Aushilfskellner gearbeitet“, berichtet Argiriou und ist sich sicher: „Mit der Erfahrung die ich zu dieser Zeit hatte, könnte ich heute keine Kneipe mehr eröffnen.“ Steigende Kosten und höhere Ansprüche der Gäste seien nur zwei von vielen Problemen, mit denen man als Gastronom heutzutage zu kämpfen habe, so Argiriou weiter.

Dass es jedoch auch heute noch junge Menschen gibt, die den Weg in die Selbstständigkeit wagen, wird am Beispiel von Patrick Düsel deutlich. Der gelernte Koch hat im vergangenen Jahr das Restaurant „Zur Alten Schmiede“ in St. Jöris neu eröffnet und diesen Schritt bis heute nicht bereut: „Für mich war bereits zu Beginn meiner Ausbildung klar, dass ich mich einmal selbstständig machen möchte.“ Dass dies jedoch gerade im Gastronomiebereich nicht einfach werden würde, war dem 22-Jährigen bereits sehr früh bewusst. „Nur wenn man eine gute Ausbildung genossen hat und bereit ist intensiv zu arbeiten, hat man in diesem Job auch Aussichten auf Erfolg“, meint Düsel.

Dass diese Einstellung bei jungen Menschen nicht selbstverständlich ist, weiß Jannis Argiriou. Der Gastronom, der in seinem Betrieb auch ausbildet, erlebt immer wieder, dass viele Anwärter eine falsche Vorstellung von ihrem künftigen Beruf haben. „Wer es in dieser Brache zu etwas bringen möchte, muss sich darüber bewusst sein, dass es keine festen Arbeitszeiten gibt. Schließlich arbeiten wir immer dann, wenn andere Leute feiern.“

Auch seinem Sohn Gregorius, der den elterlichen Betrieb in den kommenden Jahren übernehmen wird, hat Jannis Argiriou schon früh beigebracht, worauf es in diesem Gewerbe ankommt. „Mein Sohn wusste immer, dass er das Lokal nur dann übernehmen darf, wenn er eine vernünftige Ausbildung gemacht hat. Ohne Wissen und Erfahrung ist in der Gastronomie heute nichts mehr möglich.“

Marc Lersch, Vorsitzender des Wirtevereins Eschweiler, gibt vor allem den Medien die Schuld an der mangelnden Bereitschaft vieler Auszubildender: „Viele Kochshows vermitteln den Jugendlichen ein falsches Bild von unserem Beruf. Die Realität sieht ganz anders aus.“ Neben Einkäufen und Vorbereitungen in der Küche, stehen bei einem Selbstständigen vor allem Kalkulieren und Organisieren auf dem Terminplan. „Ich verbringe mittlerweile 50 Prozent meiner Arbeitszeit im Büro“, sagt Lersch und fügt hinzu: „Die Redewendung ‚Wer nichts wird, wird Wirt‘ trifft heutzutage auf gar keinen Fall mehr zu.“

Vom Quereinstieg in den Beruf hält Lersch nichts: „Meiner Meinung nach müsste eine Ausbildung für jeden, der in diesem Gewerbe tätig ist, verpflichtend sein. Ich kann ja auch nicht Elektriker werden, ohne das Handwerk zu beherrschen.“

Neben mangelnden Kenntnissen sei vor allem der fehlende Nachwuchs ein Grund für das Aussterben der Kneipenkultur, sagt Lersch, dessen Familie auf eine lange Tradition zurückblicken kann. „Ich finde es schade, dass es immer weniger Kneipen gibt, schließlich spielt sich in ihnen auch ein Teil des Lebens ab. Vom Heiratsantrag bis zum Beerdigungskaffee haben wir in unserer Kneipe schon alles erlebt“, erzählt er. Auch in Patrick Düsels Restaurant trifft sich die Dorfgemeinschaft regelmäßig zum Kegeln, Feiern oder um den Abend gemütlich ausklingen zu lassen. „Ich wurde von Anfang an von den Anwohnern akzeptiert“, sagt Düsel, der auch von seiner Familie großen Rückhalt bekommt. „Mein Vater hatte früher selbst eine Kneipe. Er gibt mir oft nützliche Ratschläge und hilft wo er nur kann.“

Dass dies ein wichtiger Aspekt ist, wissen auch Jannis Argiriou und Marc Lersch. Beide sind davon überzeugt, dass man nur mit familiärer Unterstützung seine Leidenschaft für den Beruf ausleben kann. „Ich bin Gastronom mit Leib und Seele“, meint Argiriou. Und fügt hinzu: „Einen schöneren Beruf als diesen kann ich mir auch heute kaum vorstellen.“

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