Ein Baugebiet, wo niemand bauen kann

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Blick auf ein Baugebiet, das es nur auf dem Papier gibt. Seit drei Jahren bereits könnten neben dem Feuerwehrhaus am Nordrand von Neu-Lohn Einfamilienhäuser stehen. Doch bislang wächst dort nur Getreide. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Bürger und Politiker in Neu-Lohn sind wütend auf zwei Landwirte. Die Stadt hat vor drei Jahren schon Bauland aus ihren Äckern gemacht. Doch bislang hat niemand bauen können, weil die beiden Eigentümer abwarten.

Sie spekulieren auf höhere Preise, mutmaßten Bürger in einer Versammlung der SPD in der Gaststätte Rinkens. In der Versammlung wurde nun angeregt, den Bebauungsplan 241 Fronhoven rückgängig zu machen und an einer anderen Stelle Bauland auszuweisen.

Neu-Lohn ist eine Halbinsel, geologisch gesehen. Das Dorf Fronhoven wurde in den 60er und 70er Jahren von den Braunkohlebaggern verschont und um den Umsiedlungsstandort Neu-Lohn vergrößert. Wie eine Landzunge ragt dieses Überbleibsel des einstigen Kirchspiels Lohn in das inzwischen rekultivierte Tagebauland.

Dort, wo früher die Tagebaukante war, ist das Bauen geologisch fast unmöglich. Deshalb müssen neue Baugrundstücke auf der Halbinsel selber gefunden werden. Und neue Baugrundstücke sind notwendig, hieß es in der SPD-Versammlung, denn es ziehen bereits junge Familien aus Neu-Lohn fort. Zum Beispiel ins benachbarte Inden/Altdorf, ebenfalls ein Umsiedlungsstandort.

Immer weniger Kinder gibt es in Neu-Lohn. Zwar hat die Stadt versprochen, den Kindergarten weiter zu betreiben, nachdem die Katholische Kirche ihn aus finanziellen Gründen loswerden wollte. Aber ob ein solches Versprechen noch gilt, wenn nur noch sechs oder sieben Kinder dort betreut werden? Da wird der SPD-Fraktionsvorsitzende Leo Gehlen nachdenklich.

Es geht um zwei Streifen Ackerland am Nordrand des Ortes, da, wo das Feuerwehrhaus steht. Auf dem einen Streifen ließen sich neun bis zwölf Einfamilienhäuser bauen, in der ortsüblichen anderthalbgeschossigen Bauweise, auf dem anderen Streifen hätten acht Häuser Platz. Zusammen bis zu 20 Baustellen, bei einem Richtwert von 120 Euro pro Quadratmeter. Leo Gehlen, der als Vorsitzender der SPD in Neu-Lohn und Dürwiß die Versammlung leitete, bekannte freimütig: „Über die Ecke da oben ärgere ich mich maßlos!”

Es gibt noch eine weitere Stelle auf der Halbinsel Neu-Lohn, wo neue Häuser möglich wären: am Ostrand, in der Nähe des Sportplatzes. Diese Ecke zusätzlich zu Bauland zu machen, ist aber schwierig. Denn Eschweiler hat, insgesamt gesehen, schon reichlich Baugebiete - jedenfalls nach Ansicht der Bezirksregierung. Neues Bauland muss die Stadt Eschweiler mit neuem naturbelassenen Land ausgleichen. Entsteht in Weisweiler ein Baugebiet, muss sie in (beispielsweise) Dürwiß auf ein anderes verzichten.

Na, dann soll die Stadt doch auf das Baugebiet im Norden von Neu-Lohn verzichten, war die Reaktion von Manfred Dickmeis. Der Lohner Bürger und frühere SPD-Ratsherr nahm kein Blatt vor den Mund, als über die Eigentümer der Baugrundstücke gesprochen wurde: „Das ist nur, weil da jemand den Hals nicht voll genug kriegt!”

Seine Anregung, das Baugebiet im Norden wieder zu streichen und stattdessen Baurecht im Südosten des Ortes zu schaffen, wollen die Politiker zumindest überdenken.
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