Eifel-Kabarett nach allen Regeln der Kunst: „Hedwig kommt mächtig”

Von: ran
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Kulturdiebstahl: Aus dem Eifelklassiker „Er mäht das Gras”, den Jupp Hammerschmidt (links) und Hubert vom Venn voller Inbrunst vortrugen, machten die Schotten das profane „Amazing Grace”. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. In der Eifel wird fast täglich gewählt. Ob der Klassensprecher, der Pfarrgemeinderat oder der Bürgermeister. Dem letztgenannten Urnengang sieht Jupp Hammerschmidt, seines Zeichens einziger „roter” Bürgermeister in der Eifel, jedoch mit größter Gelassenheit entgegen.

Für ihn steht fest, wie der kommende Bürgermeister seines Heimatorts heißen wird: Jupp Hammerschmidt natürlich. Die Gegenseite, angeführt von Pastor Hubert vom Venn, heckt jedoch ein besonders perfides Spiel aus. Sie nominiert als Gegenkandidatin - eine Frau!

Vom Sturm Hedwig Huppertz auf das rote Eifelrathaus berichtete das Duo am Donnerstagabend im vollbesetzten Talbahnhof dem begeisterten Publikum. Überschrift: „Hedwig kommt mächtig!”

Von seiner Partei gerade ein- bis zweistimmig zum Bürgermeisterkandidaten bestimmt, platzt Jupp Hammerschmidt gerade so vor Selbstvertrauen. Doch Hubert vom Venn weiß, wie er Essig in den Wein schütten kann. „Die Sozis haben nur zwei Mitglieder in der Eifel”, rückt er die Verhältnisse zurecht.

Darüber hinaus weiß der Pastor aus gut unterrichteten Kreisen, also aus dem Beichtstuhl, dass die CDU eine Frau als Bürgermeisterkandidaten aufstellen wird. Für Jupp Hammerschmidt ein weiterer Beweis, dass es die „alte Eifel” nicht mehr gibt. „Eine Frau kandidiert. Wie weit ist es mit der Menschheit gekommen?”, fragt er sich.

In der Vergangenheit seien die Verhältnisse klar gewesen. „Da hieß es, fällt hinter Kalterherberg die Atombombe, sofort Aktentasche vors Gesicht, das hilft”, erinnert er sich. Überhaupt sei der Eifeler früher seiner Zeit voraus gewesen: „Schon vor vielen Jahren nannte mein Großvater seinen Eierbecher Ei-Pott.”

Schottenklau

Auch Hubert vom Venn unterstreicht, dass der Blick über den Tellerrand für den Eifeler völlig unnötig ist. Schließlich ist die Eifel keine Kugel, sondern eine Scheibe, mit dem Hohlraum Aachen im Norden. Außerdem sei so etwas überflüssiges wie Berlin ohnehin nur Erfindung, ähnlich wie Westfalen und Bielefeld.

Trotzdem empfange der Eifeler auswärtige Gäste stets wohlgesonnen. Deswegen heiße der Tourismus auch Fremdenverkehr. „Da fühlt sich der Gast sofort viel wohler”, betont der Geistliche. Allerdings müsse jeder Gast natürlich den Paragraphen eins des Eifeler Gesetzbuches kennen: „Kaffee gibts nur im Kännchen!”

In Sachen „Hedwig kommt mächtig” hat Hubert vom Venn jedoch einen Rückschlag zu verkraften. Die Bürgermeisterkandidatin ist verschwunden. Sofort wittert der Pastor ein Verbrechen und fordert umgehend eine Ringfahndung.

Jupp Hammerschmidt weiß seinen Rivalen jedoch zu beruhigen: „Hedwig entführt niemand, wir haben gar keinen Blinden im Dorf.” Schließlich gehöre die Dame zu jener Spezies Frau, zu dem der Ehemann schon mal sage: „Du siehst toll aus in etwas langem, fließendem. Zum Beispiel in der Rur.” Und eben dieser Ehemann hat Hedwig, auf Grund ihrer Verschwendungssucht, erst einmal bis auf weiteres aus dem politischen Verkehr gezogen.

Da bleibt dem Eifelduo nichts anderes übrig, als auf einen Kulturdiebstahl schottischer Touristen beziehungsweise Fremdenverkehrsgäste hinzuweisen. Diese hörten nämlich das berühmte Eifellied „Er mäht das Gras” und machten daraus das profane „Amazing Grace”, entrüsten sich Jupp Hammerschmidt und Hubert vom Venn. Politisch herrscht zunächst einmal Waffenstillstand. Doch in sechs Jahren, bei der nächsten Kommunalwahl, steht fest: „Hedwig kommt mächtig”.
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