Eschweiler - Ehrenamtliche Seelsorge: Für Patienten „da sein, wenn die Nacht kommt“

Ehrenamtliche Seelsorge: Für Patienten „da sein, wenn die Nacht kommt“

Von: mah
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Pfarrer Christoph Graaff (links) bezeichnete das fünfjährige Bestehen des ESBN als „erfolgreichen Paradigmenwechsel“. Vier der 23 ehrenamtlichen Seelsorger: Karin Franken, Mariethres Kaleß, Ernst Muhr und Margret Mülfarth (von links). Foto: Manuel Hauck

Eschweiler. „Ein geglückter Paradigmenwechsel“ – so bezeichnet Pfarrer Christoph Graaff den nunmehr seit fünf Jahren am St.-Antonius-Hospital bestehenden ESBN, den ehrenamtlichen Seelsorge-Bereitschaftsdienst in der Nacht. Gemeinsam mit vier der 23 engagierten Seelsorgerinnen und Seelsorger wagte Graaff jetzt einen Rück- und Vorausblick nach der Initiierung 2012.

„Da sein, wenn die Nacht kommt“, diesmal nicht getreu dem Motto des Seelsorge-Bereitschaftsdienstes fanden sich am Morgen die Ehrenamtler Margret Mülfarth, Mariethres Kaleß, Karin Franken und Ernst Muhr im St.-Antonius-Hospital ein, um in kleiner Runde über Erfahrungen, Motivation und Bereicherung der Seelsorge am indestädtischen Krankenhaus zu berichten.

Aus einer Notlage heraus ist vor mehr als fünf Jahren die Idee entstanden, den ESBN zu gründen. Weniger Priester konnten nicht mehr die Leistung erbringen, sich in der Nacht mental um Patienten zu kümmern, die kurz vor dem Tod oder einer schweren Operation stehen, starke Schmerzen erleiden oder so bedrückt sind, dass sie in den späten Abendstunden jemandem zum Reden brauchen.

Pfarrer Christoph Graaff, der nun seit rund zehn Jahren am indestädtischen Krankenhaus tätig ist, wandte sich mit seinem Problem an Elmar Wagenbach, Geschäftsführender Vorstand des Hospitals. Graaff und Wagenbach waren sich einig, dass die Seelsorge in der Nacht trotz personeller Probleme weiter bestehen soll und bemühten sich, mit direkten Ansprachen und verschiedenen Medien, Ehrenamtler zu gewinnen.

Interessierte fanden sich und nahmen an einer fachlichen Ausbildung teil, die sich aus mehreren Modulen zusammensetzte. Auf diese Weise konnte der Seelsorge-Bereitschaftsdienst vor fünf Jahren gesichert werden. Teilweise von Anfang an dabei, engagieren sich aktuell 23 Ehrenamtler, um Bedürftigen ein angemessener Gesprächspartner zu sein. Eine Herausforderung mit stets neuen Situationen, durch die die Persönlichkeit wachse, blickt Seelsorgerin Mülfarth auf ihre Tätigkeit.

Sowohl Mülfarth als auch ihre Mitstreiter Franken, Kaleß und Muhr sind sich einig: Sie sollen die Funktion des ruhenden Pols übernehmen, wenn die Betroffenen und ihre Angehörigen mit der unglücklichen Situation zu kämpfen haben. Dies falle zunächst einmal aus dem Grunde einfach, da die Ehrenamtler keinen direkten Bezug zu „ihren Patienten“ haben und mit einer inneren Distanz in die Gespräche gehen.

Trotzdem sei, so Kaleß, vor jedem Besuch eine gewisse Anspannung da, da man vorher nie wisse, was einen erwarte. Seelsorgerin Mülfarth ergänzt, sie betrete das Patientenzimmer und lasse jede Situation erst einmal auf sich wirken, ehe sie mit dem Patienten direkt kommuniziere.

So wie jeder Seelsorger seine eigene individuelle Persönlichkeit habe, so unterschiedlich seien auch die Fälle. Mal betreuen die Ehrenamtler Demente, mal kurz vor dem Tod Stehende, aber auch junge Patienten oder solche, die angstvoll vor einer entscheidenden Operation stehen.

Dabei treffen sie unterschiedlichste Charaktereigenschaften, so zum Beispiel verzweifelt, wohltätig, gläubig, nicht gläubig oder traurig. Wo eine Seelsorge benötigt wird, wird im engen Austausch mit den Stationsschwestern in Erfahrung gebracht.

Häufig hilft der ESBN, da sich die Betroffenen Kummer von der Seele reden können, was sie sich bei ihren Angehörigen teilweise nicht trauen. Mut zusprechen, wenn die „Nacht lang ist“, das ist das Ziel der Seelsorger, erklärt Kaleß, und gehe auch schon einmal unter die Haut, vor allem, wenn junge Menschen betroffen sind. Positiv gestimmt gehen die Ehrenamtler aus den Gesprächen, wenn sie helfen konnten oder sich die Patienten sogar bedanken.

Teilweise verlassen sie das Krankenhaus jedoch mit einem nicht zufriedenstellenden Eindruck. Das, betont Pfarrer Graaff, sei jedoch eine einseitige Einschätzung, da die Ehrenamtler den Betroffenen möglicherweise doch Gutes getan haben.

Ein Austausch der Seelsorger untereinander findet regelmäßig statt, auch eine fachliche Begleitung alle sechs bis acht Wochen bei einer Supervision ermöglicht den Ehrenamtlern, ihre Erfahrungen zu reflektieren. Für diese Tätigkeit, so ist sich Graaff sicher, sei eine spirituelle Beziehung zu Gott notwendig, was aber nicht bedeutet, dass die ökumenisch verteilten Seelsorger den Patienten Glauben aufzwängen. Gebete werden abgehalten, sofern es die Betroffenen möchten.

Die derzeit 23 Ehrenamtler organisieren sich über einen Kalender, so dass sich jeder eine Nacht im Monat aussuchen kann, um sich innerlich vorzubereiten. Manchmal sei eine Seelsorge-Runde, so Kaleß, schon nach ein oder zwei Stunden erledigt, aber für die Bereitschaft in der ganzen Nacht und die mögliche Betreuung bis in die frühen Morgenstunden sei es erforderlich, dass man sich den Tag über noch nicht verausgabt hat. Insgesamt herrsche unter den Seelsorgern eine positive Grundstimmung.

Das vorausblickende Fazit nach fünf Jahren ESBN wagte Pfarrer Graaff, indem er die Umstellung von einer priesterlichen auf die ehrenamtliche Seelsorge als gelungen bezeichnete. Die anfängliche Kritik, die Ehrenamtler betreuen als zweite Wahl, sei leiser geworden.

Viele Betreute hätten gerne jemandem zum Reden, ohne dass es gleich ein Pfarrer sein muss. Teilweise herrschten auch Vorbehalte gegenüber dem Pfarrer als Vertreter der Kirche. Der ehrenamtliche Bereitschaftsdienst könne nach anfänglichem Verlust als positiver Zugewinn verstanden werden und mit der Zeit habe sich auch der Tagesdienst von montags bis freitags entwickelt.

Graaff erklärte abschließend mit Blick auf die kommende Ausbildungsphase, dass sich jeder mit seinen individuellen Fähigkeiten einbringen könne. Interessierte an der Seelsorge können am 1. Juli am sogenannten Kennenlerntag teilnehmen, ehe nach den Sommerferien die am Wochenende stattfindenden Weiterbildungsmodule starten. Danach, so hofft Pfarrer Graaff, kann die ESBN mit 30 Ehrenamtlern jeden Tag im Monat nächtlichen Bereitschaftsdienst leisten.

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