Ehrenamtler auf der Onkologie-Station: Zeit schenken und zuhören

Von: Christina Handschuhmacher
Letzte Aktualisierung:
5969067.jpg
„Ich schätze die Arbeit der Ehrenamtler“, sagt Dorothe Plönnes (l.), die auf der onkologischen Station des St.-Antonius-Hospitals behandelt wird. Maria Plum besucht sie regelmäßig.
5969066.jpg
Engagiert: die Ehrenamtlerinnen der Klinik für Onkologie und Hämatologie. \

Eschweiler. Nachts, dann wenn es still ist und nur das Piepen der verschiedenen Geräte durch den Stationsflur dringt, wacht Marlene Friedrichs (Name von der Redaktion geändert) am Krankenbett. Dann singt sie mit den Patienten, wenn diese nicht schlafen können. Macht Atemübungen zur Beruhigung. Lässt spirituelle Musik laufen oder hält einfach nur die Hand des Sterbenden.

Die ehrenamtliche Sterbebegleiterin am St.-Antonius-Hospital ist da, wenn ein Leben zu Ende geht. Sie ist da, wenn die Kräfte der Angehörigen aufgezehrt sind, aber diese nicht wollen, dass der Sterbende allein ist. Sie ist da, egal, ob am Wochenende, nachts oder auch an Feiertagen.

Maria Plum sitzt oft am Bett eines krebskranken Patienten und hört einfach nur zu. Nicht alles dreht sich dann um die Krankheit. Oft geht es um einen Rückblick auf das Leben, die Kinder und Enkelkinder, aber auch das Haustier können Inhalt der Gespräche sein. Viele Patienten bekommen eine Langzeitchemotherapie und über die Zeit des Aufenthalts entstehen enge Beziehungen. So wie etwa zu Dorothe Plönnes, die derzeit im St.-Antonius-Hospital behandelt wird. Sie schätzt die Arbeit der Ehrenamtlerinnen. „Wenn ich von einer Bestrahlung komme, bin ich oft zu müde für Gespräche“, sagt sie. „Aber sonst ist das eine willkommene Abwechslung.“

Ria Plum, Marlene Friedrichs und neun weitere Ehrenamtlerinnen sind auf den Stationen 4a, 6a und 7a des St.-Antonius-Hospitals im Einsatz. Dort liegen Menschen, deren Leben sich durch die Diagnose Krebs von einem Tag auf den anderen schlagartig verändert hat.Die Ehrenamtlerinnen besuchen die Patienten der onkologischen Station und bieten Gespräche, Erledigungen oder die Begleitung bei einem Spaziergang an. Andere Frauen organisieren den „Dienstagskaffee“ auf der Station 6a – das Angebot mit dem das Engagement vor 22 Jahren begann. Außerdem sind sie an fünf Tagen in der Woche in der onkologischen Ambulanz präsent, wenn Patienten dorthin zur Chemotherapie kommen.

Eine fordernde Aufgabe, bei der Einfühlungsvermögen nötig ist, aber auch eine lebensbejahende Grundeinstellung. „Seelische Stabilität ist eine Grundvoraussetzung für die Arbeit“, sagt Traudel Pistor, Koordinatorin der Ehrenamtlerinnen. „Es geht hier nicht um eine Blinddarmentzündung. Das sind schwere Erkrankungen, mit denen wir zu tun haben.“

Deshalb werden neue Ehrenamtler gut auf ihre Aufgabe vorbereitet. Neben den Grundvoraussetzungen, die sie mitbringen sollten, – dazu zählt, regelmäßig Zeit für das Ehrenamt aufbringen zu können – erhalten sie Schulungen und begleiten in den ersten sechs Wochen eine erfahrene Kollegin bei den Einsätzen. „Niemand geht unvorbereitet in ein Zimmer rein“, sagt Traudel Pistor.

Die Frauen, die teilweise schon seit 22 oder 15 Jahren auf den onkologischen Stationen tätig sind, kennen aber auch ihre Grenzen. „Ich würde nie einem Patienten sagen: ‚Sie werden schon wieder gesund oder das wird schon wieder“, sagt eine der Frauen. Auch bei Fragen zum Testament etwa verweisen die Frauen auf andere zuständige Ansprechpartner. Ihnen geht es vielmehr darum, da zu sein, Zeit zu schenken, zuzuhören.

Ihre Motive sind unterschiedlich. Da ist die Krankenschwester, die nicht mehr in Vollzeit arbeitet, und nun noch freie Zeit zur Verfügung hat. Da ist die Ehefrau eines Verstorbenen, die die Arbeit der Patientenhilfe hautnah miterlebt hat und nun etwas zurückgeben will oder die Hausfrau, die nach einer sinnvollen Betätigung sucht.

Einmal im Monat treffen sich die Frauen zum gemeinsamen Austausch. Oft holen sie dann Außenstehende in ihre Gruppe, wie etwa einen Diakon, einen Bestatter oder auch die Ehefrau eines Verstorbenen, den die Frauen während seiner Erkrankung begleitet haben.

Hinzu kommen regelmäßige Supervisionen. Denn die Ehrenamtlerinnen können nur gute Arbeit leisten, wenn es ihnen selbst dabei gut geht. Das Verhältnis zu den kranken Menschen ist eng und entwickelt sich über Monate hinweg. Die Patienten haben die Telefonnummern der Frauen und können im Notfall anrufen, zum Beispiel, wenn sie – wie Maria Plum es ausdrückt - „et ärm deer“ haben.

Dementsprechend nahe geht es den Frauen, wenn sich die Situation der Patienten verschlechtert oder sie sterben. Maria Plum erinnert sich an den Fall einer jungen Frau, die im Alter von 18 Jahren mit einer Krebsdiagnose ins Krankenhaus kam. Wenige Jahre nach ihrer Entlassung kam sie zurück und musste direkt auf die Intensivstation. Ob sie überleben würde, war unklar. „Der Besuch auf der Intensivstation hat mich sehr mitgenommen“, sagt Maria Plum. Rat fand sie im Gespräch mit den anderen Frauen. Und: die junge Frau hat überlebt.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert