Ehemalige Nonne bricht ihr Schweigen

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Eschweiler. Als Ordensschwester Maria Lauda hat Majella Lenzen in Afrika ein Krankenhaus aufgebaut. Als sie in einem Prostituiertenviertel in Tanzania Kondome verteilte, wurde sie von ihrem Orden kaltgestellt, schließlich vom Ordensgelübde entbunden.

Das ist schon viele Jahre her. Nun hat die inzwischen 71-Jährige ein Buch über ihre Geschichte geschrieben: „Das möge Gott verhüten”. Es ist ein Bestseller geworden. Am Dienstag, 8. Dezember, liest sie im Talbahnhof aus ihren Erinnerungen.

„Wenn alle schweigen, kann sich nie etwas ändern”: Mit diesem Satz beschreibt Majella Lenzen, was sie angetrieben hat, nach so vielen Jahren ihre Geschichte aufzuschreiben. Anstoß war eine Talkshow 2003 bei Alfred Biolek zum Thema „Kinder und Aids”. Dort berichtete sie vom Elend afrikanischer Frauen und Mütter, die kaum Rechte haben, die unterdrückt und missbraucht werden, und sie redete vom Elend der Kinder, die ohne Eltern aufwachsen. Vieles kam dabei zur Sprache, was sie seit Jahren verdrängt hatte. Das Gespräch mit dem Unicef-Botschafter Sir Peter Ustinov in dieser Talkshow macht ihr Mut, gegen die Resignation anzukämpfen. Sie will sich der Aufgabe stellen, in christlicher Verantwortung weiter für die Schwächeren einzutreten.

Majella Lenzen wurde 1938 in Aachen geboren. 1953 trat sie in das Internat des Ordens der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut in Neuenbeken bei Paderborn ein. 1959 legte sie das Gelübde ab und hieß fortan Schwester Maria Lauda. Unter diesem Ordensnamen wirkte sie 33 Jahre lang in Afrika. Schon 1959 reiste sie als Missionarin nach Tanzania. Nach einer Ausbildung als Krankenschwester in Nairobi baute sie ab 1965 bis 1982 das Turiani Hospital auf. Cholera, Malaria und Notgeburten gehörten zu ihrem Alltag.

1982 übernahm sie die Leitung der Ordensprovinz in Simbabwe. Als Provinzoberin der „Schwestern vom kostbaren Blut” versuchte sie dort, die Ordensregeln zu erneuern. Dabei geriet sie immer wieder in Konflikt mit der Kirche. Ihr wurde vorgeworfen, sie habe das von ihr aufgebaute Hospital zu einem eigenen Vorzeigeobjekt gemacht. Stolz aber schade dem Ansehen des Ordens, Demut sei die rechte Tugend.

1990 wurde sie in die Diözese Moschi zwangsversetzt, wo sie die kirchliche Aidsarbeit koordinierte. Bei ihrem Einsatz für die Frauen in den Elendsvierteln dort kam es zum Konflikt mit der Katholischen Kirche. Die Katholische Kirche hat vor 40 Jahren mit der umstrittenen Enzyklika „Humanae vitae” des damaligen Papstes Paul VI. den Gläubigen den Gebrauch empfängnisverhütender Mittel wie Antibabypille und Kondom untersagt.

Schwester Maria Lauda wurde 1995 von den Ordensgelübden entbunden - auf eigenen Wunsch, aber diese Art Rauswurf ist Teil des Systems Ordensgemeinschaft: „Im Sinne der Kirche ist ein Austritt immer freiwillig, weil die betroffene Schwester darum bitten muss.” Aber wenn jemand von allen Aufgaben entbunden, von den Mit-Schwestern ausgegrenzt im Kloster leben muss - wie kann man das seelisch überstehen?

Ohne finanzielle Absicherung stand die ehemalige Nonne Maria Lauda, nun wieder Majella Lenzen, nach dem Abschied von ihrem Orden da. Der Austritt aus einem katholischen Orden, so berichtet sie in ihrem Buch, ist ein finanzielles Fiasko. Denn sie hatte als Nonne das Armutsgelübde abgelegt und ohne Bezahlung gearbeitet, nur für Kost und Logis.

Heute wohnt die Aachenerin in einem kleinen Dorf in der Region, in einer gemieteten Zwei-Zimmer-Wohnung. Dass sie mit ihrem Buch, an dem sie drei Jahre lang geschrieben hat, nun erfolgreich ist, überrascht sie und gibt ihr Mut. „Wenn alle schweigen, kann sich nie etwas ändern” - aber sie hat aufgehört, zu schweigen.

Majella Lenzen liest am Dienstag, 8. Dezember, um 20 Uhr im Talbahnhof, Raiffeisenplatz 1-3, aus ihrem Buch „Das möge Gott verhüten”. Veranstalter sind Marlene und Jürgen von Wolff in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Oelrich & Drescher, Neustraße 10. Dort gibt es auch Karten für die Veranstaltung.
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