Eschweiler - E-Bikes auf dem Vormarsch: Sicherheitschecks wichtig

E-Bikes auf dem Vormarsch: Sicherheitschecks wichtig

Von: Rudolf Müller
Letzte Aktualisierung:
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Angesagte E-Bikes: Thomas Henrotte auf einem Mountainbike mit fetten Reifen, seine Tochter Lina auf einem Retro-E-Bike. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Waren das noch Zeiten, als man sich unbeschwert auf sein Fahrrad setzen und drauflos radeln konnte. Mit dem Boom der Mountainbikes, die den plötzlich zu Bikern gewordenen Radlern Disc Brakes, Federgabeln, vollgefederte Rahmen, Carbon-Lenker und 24-Gang-Schaltwerke bescherten, musste man fast schon einen Volkshochschulkurs absolvieren, um mit dem Hightech-Sportgerät umgehen zu können.

Und mit dem Siegeszug der E-Bikes reicht auch das nicht mehr. Aus Zweiradmechanikern sind längst Zweiradmechatroniker geworden, die per Laptop Räder checken, Fehler auslesen und Schaltungen konfigurieren.

Jedes dritte Rad, das Thomas Henrotte derzeit verkauft, ist ein E-Bike. Seit Januar ist er Inhaber von Fahrrad Henrotte. Schon seit über 90 Jahren steht der Name der Familie in Eschweiler für Fahrräder und alles, was dazugehört. „Ursprünglich waren E-Bikes eine Domäne der ,Generation Silberhaar‘, sagt Henrotte. „Inzwischen sind sie ‚salonfähig‘ geworden, und die Akzeptanz auch bei jüngeren Fahrern nimmt zu.“ Ebenso wie die Reichweite der Akkus. „Ein mittlerer Akku reicht heute realistisch für an die 100 Kilometer“, sagt Thomas Henrotte. Wie leistungsstark die Motoren sind, das weiß auch Thomas Henrottes Vater Johannes: Der überquerte mit seinem E-Mountainbike das 2474 m hohe Timmelsjoch zwischen Österreich und Italien.

Allerdings: Wer seinen Drahtesel (pardon: Alu- oder Carbonesel) mit Elektrounterstützung reiten will, der muss dafür einiges hinblättern. Während gute „Normalräder“ ab etwa 800 Euro zu haben sind, muss man für ein gutes E-Bike zwischen 2000 und 3000 Euro auf den Tisch legen. Was dazu führt, dass Zweiradfans, die diese Ausgabe scheuen oder hinauszögern möchten, ihre Normalräder deutlich länger fahren als früher üblich. „Früher betrug die durchschnittliche Lebenserwartung eines Fahrrads gut zwölf Jahre, heute muss es 15 Jahre halten“, sagt Henrotte.

Wenn es nicht zuvor gestohlen wird: Von 116 im Jahr 2015 auf 140 stieg im vergangenen Jahr die Zahl der geklauten Fahrräder in Eschweiler. Und auch die Zahl der auf Eschweilers Straßen (die über 57,9 km Rad- bzw. kombinierte Geh- und Radwege verfügen) verunglückten Radler stieg drastisch an: 32 waren es im zurückliegenden Jahr. Im Jahr zuvor waren es 22. Ähnlich hoch sind die Zahlen in Würselen und Alsdorf, während in Stolberg die Zahl von 12 auf 23 stieg. 38 Prozent der verunglückten Radler, so stellt die Polizei fest, sind selbst verantwortlich.

Für Thomas Henrotte ist klar: Radfahren ohne Helm ist unverantwortlich. „Das sollte gesetzlich vorgeschrieben werden.“ Auch wenn die eine oder andere Radlerin um ihre Frisur fürchten mag. „Die Helme sind wesentlich leichter geworden, verfügen über unterschiedliche Passformen, drücken und zwicken nicht, sind aus antiallergischen Materialien gefertigt und verhindern durch gute Belüftung lästiges Schwitzen.“ Gute kosten zwischen 40 und 80 Euro. Kein Geld für eine verhinderte Schädelfraktur. Und chic sind die meisten auch noch: „Der frühere Calimero-Helm ist ebenso verschwunden wie die Lederdinger, der Radrennfahrer früher trugen“, lacht Henrotte.

Vorbei sind auch die Zeiten, da Radfahrer am Straßenrand einen „Platten“ flicken mussten: Ab einer gewissen Preiskategorie sind unplattbare Reifen bei heutigen Fahrrädern Standard. Aber auch Nachrüsten lohnt sich: Die kautschukverstärkten Reifen kosten etwa 35 Euro.

Ebenfalls vorbei: die Zeit der Dynamos. Seit 2015 sind auch batteriebetriebene Stecklichter an den Rädern gesetzlich zugelassen. Und die bringen weit mehr Leistung, als man einem Dynamo je hätte abstrampeln können.

Vorbei, so Thomas Henrotte, ist auch die Zeit der Sportbekleidung. Kaum jemand, der sein Rad im Alltag nutze, trage noch knallige Jerseys und dick wattierte Hosen: „Da trägt man ganz normale, atmungsaktive Sachen. Und ein anatomisch angepasster Sattel verhindert viele Schmerzen am Hintern.“

Ganz im Trend: die teilweise oder komplette Integration der E-Bike-Akkus in den Fahrradrahmen. Was bei Mountainbikes und Trekkingrädern chic aussieht, geht nicht bei allen. Zum Beispiel nicht bei Retro-Rädern, wie sie laut Henrotte derzeit „schwer angesagt“ sind. Einkaufskörbchen und breiter Federsattel inklusive.

Standard sind inzwischen hydraulische Scheibenbremsen. „Da bei E-Bikes das Radgewicht insgesamt höher ist, müssen da natürlich auch stärkere Bremsen verbaut werden“, betont Henrotte. Ein normales Mountainbike wiegt etwa elf Kilo, ein „Fully“, sprich: ein Rad mit vollgefedertem Rahmen, etwa 15, ein E-Bike 18 Kilo. Trekkingräder bringen etwa 14 Kilo auf die Waage, in der E-Ausführung 22. Und Cityräder wiegen „normal“ 16 Kilo, in der E-Version rund 26.

Thomas Henrottes Tipp zum Start in die Fahrradsaison: „Einmal im Jahr sollte man sein Rad – egal, ob normal oder E-Bike – einem fachmännischen Sicherheitscheck unterziehen. Ein Fahrrad zu warten, da steckt schon mehr hinter als Luft pumpen.“

Und noch einen Tipp gibt‘s für alle E-Bike-Fahrer: „Den Akku nicht unnötig höheren Temperaturen aussetzen. Temperaturen über 40 Grad schaden der Lebensdauer. Keiner legt sein Handy im Sommer draußen auf den Tisch – aber das Rad steht in der prallen Sonne.“

Radtouren rund um Eschweiler

Johannes Henrotte und Guido Hagel bieten in diesem Jahr etliche attraktive E-Bike-Touren an, zu denen man sich spätestens zehn Tage vorher bei Henrotte anmelden sollte:

Am 24. April geht es zu den Maas-Seen (40 km), am 13. Mai ist das Ziel die Wesertalsperre (60 km), am 8. Juni geht es über den Panorama-Radweg nach Essen-Niederbergbahn (80 km), am 21. Juli lockt das Siebengebirge (60 km), am 18. August geht es auf den Our-Radweg (75 km), am 8. September locken Limborg und Spa, und am 6. Oktober geht‘s über den Lahn-Radweg nach Montabaur.

Thomas Henrotte bietet zudem mit Beginn der Sommerzeit jeden Montag ab 19 Uhr (Treffpunkt Henrotte) „Herrentouren“ an – von der kleinen Runde um den Blausteinsee bis schließlich zur 40-km-Tour. Henrottes Frau Ute leitet entsprechende „Damentouren“: jeden Dienstag ab 19 Uhr. Mitradler sind jederzeit willkommen.

Wer Touren in und um Eschweiler unternehmen möchte, findet hier, was er sucht: https://www.routeyou.com/de-de/location/bike/ 47273037/fahrrad-fahren-in-eschweiler-ubersicht-uber-alle-radwege. Oder: https://www.outdooractive.com/de/radtouren/eschweiler/radtouren-in-eschweiler/1443177.

Mit dem Radroutenplaner (www.radroutenplaner.nrw.de) kann man sich durch die Eingabe von Start-, Ziel- und Zwischenpunkten eigene Touren unter verschiedenen Gesichtspunkten zusammenstellen.

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