Eschweiler - Dunkle Wolken über der Burg in Nothberg

Dunkle Wolken über der Burg in Nothberg

Von: Michael Cremer
Letzte Aktualisierung:
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Durch umfangreiche Arbeiten wurde die nördliche Befestigungsmauer der Burg gesichert. Unter anderem trugen die Jugendlichen von „low-tech” kubikmeterweise Erdreich ab, um die Wand zu entlasten. Das Bild zeigt von links Kasimir Legut, Heike Eggers-Hüttner, Karl-Heinz Kever, Johannes Prickarz, Peter Brendel und Albert Schiffer. Foto: Michael Cremer

Eschweiler. Es war Knochenarbeit, die sich gelohnt hat. Mit anfänglichen Unterbrechungen haben Jugendliche und junge Erwachsene unter Anleitung in den zurückliegenden zwei Jahren tonnenweise Steine und mehr als hundert Kubikmeter Erde bewegt, um die nördliche Befestigungsmauer der Nothberger Burg zu sichern und so der Nachwelt zu erhalten.

Doch trotz dieses Erfolges blicken die Verantwortlichen mit großer Sorge in die Zukunft. Die Verantwortlichen, das sind vor allem der Fördererverein um seinen Vorsitzenden Albert Schiffer, Architekt Johannes Prickarz, der Beschäftigungsträger „low-tech” GmbH und letztlich auch die Arge der Städteregion, die die Arbeit der langzeitarbeitslosen Jugendlichen gefördert hat.

Im Rahmen des Sparpakets der Bundesregierung müsse die Arge der Städteregion mit Kürzungen um die 20 Millionen Euro rechnen, schätzt „low-tech”-Geschäftsführer Peter Brendel. Das betreffe im Prinzip alle Arbeitslosenprojekte, also auch jene, die speziell für Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren geschaffen worden seien. „Im Moment ist noch nicht klar, ob und in welcher Weise es solche Projekte in Zukunft überhaupt noch geben wird.”

Dass Angebote wie jenes in Nothberg sinnvoll sind, belegt Heike Eggers-Hüttner, Standortleiterin von „low-tech” in Eschweiler, anhand von Zahlen: Zehn junge Leute, die an der Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahme in Nothberg teilgenommen haben, hätten feste Arbeit gefunden. Für die sechs Jugendlichen, die bis zuletzt an der Burg tätig waren und deren Maßnahme offiziell Ende Dezember ausläuft, gebe es jedoch kaum eine Perspektive.

Gute Erfahrungen

Ebenso wie Brendel und Eggers-Hüttner stellt auch Kasimir Legut dem Großteil der Jugendlichen, die unter seiner Anleitung in Nothberg mit angepackt haben, ein gutes Zeugnis aus. Der gelernte Betonbauer hatte tagtäglich mit ihnen zu tun und machte dabei die Erfahrung: „Wenn junge Menschen etwas Sinnvolles tun und das Ergebnis ihrer Arbeit sehen können, dann tun sie es gerne.” Und die Jugendlichen haben im wahrsten Sinne des Wortes viel bewegt.

Das freut Albert Schiffer, der am Freitag die vorläufigen Ergebnisse der Arbeit vorstellte. „Nachdem die jahrzehntelange Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Köln beendet werden musste, waren wir vor zwei Jahren froh, mit low-tech einen neuen Partner gefunden zu haben. Ein Aus für ein solches Projekt wäre natürlich ein Schlag ins Kontor.” Eine weitere Sicherung und Sanierung der Burg, sagt er, wäre dann wohl nicht mehr möglich.

Neben den Landeszuschüssen für Denkmalpflege kann der Verein nur auf Mitgliedsbeiträge und Spenden bauen. Der Erhalt der Anlage ist ein Ziel des Förderervereins, die Burg dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ein zweites. Diese Pläne unterstützt auch grundsätzlich der Eigentümer der Burg, Karl-Heinz Kever. „Ich begrüße es, wenn die Burg begehbar wird”, sagt er. Denn dann müssten Besucher nicht mehr durch seinen Bauernhof, um zur Burg zu gelangen.

Dazu soll ein Weg angelegt werden, der sich von der Haltestelle Nothberg der Euregiobahn von Norden her der Burg und dem Zugang durch die sogenannte Bastion nähert. Der Eingang hier wurde bereits freigelegt und gesichert. Über eine provisorische Holztreppe erreicht man den Graben hinter der Nordmauer, der in mühevoller Arbeit bis auf ein historisches Bodenniveau ausgehoben wurde, um die Mauer zu entlasten. Welchen Druck das mittlerweile abgetragene Erdreich auf die Wand ausübte, erkennt am Schiefstand der knapp 40 Meter langen Wand, der an einigen Stellen 30 bis 40 Zentimeter zur Senkrechten beträgt.

Um die laut statischem Gutachten akut einsturzgefährdete Mauer zu sichern, waren umfangreiche Arbeiten erforderlich -Êalles per Hand und ohne Gerät. Neben dem Erdaushub wurde die Wand quasi abgetragen, von Bewuchs und vor allem den dicken Efeuwurzeln befreit und anschließend wieder aufgebaut. Der für die Mauer verwendete Mörtel ist eine historische Mischung aus Sand, Splitt, Kalk und Trassmehl. Grundsätzlich haben die Jugendlichen von „low-tech” das verwilderte Gelände wieder hergerichtet und einen großen Holzschuppen für Geräte gebaut.

Auf das bisher Erreichte sind alle Beteiligten stolz, doch sind an der Nordmauer noch weitere Arbeiten erforderlich, wie der zuständige Architekt Johannes Prickarz, Neffe des langjährigen Vereinsvorsitzenden Zeno Prickarz, betont. „Auf der Talseite der Mauer sind noch umfangreiche Reparatur- und Fugarbeiten notwendig.” Gefugt werden müsse aber auch noch an vielen weiteren Stellen, um den gesamten Querschnitt der Mauer statisch zu sichern. Der Hang zu den Wiesen hin müsse bepflanzt werden, um ein Abrutschen zu verhindern. „Um alles fertigzustellen, bräuchten wir noch ein paar Monate. Mal schauen, ob wir weitermachen können.”

Der Fördererverein Nothberger Burg bietet von Mai bis September jeweils am letzten Samstag eines Monats kostenlose Führungen an. Auf Wunsch sind auch Führungen nach Anmeldung möglich.

Wer Interesse hat, kann sich an Albert Schiffer wenden, 0160/4430595.

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