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Düstere Perspektiven für Mitarbeiter der „low-tech”

Von: Michael Cremer
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Geschäftsführer Peter Brende
Geschäftsführer Peter Brendel und die Eschweiler Standortleiterin Heike Eggers-Hüttner fürchten, dass der „low-tech” weitere Entlassungen nicht erspart bleiben. Foto: Michael Cremer

Eschweiler. Man kann es als Zeichen der Solidarität werten, dass der Senioren- und Sozialausschuss am Dienstag nicht wie gewohnt im Rathaus tagte, sondern bei der „low-tech” an der Südstraße. Vieles von dem, was die gemeinnützige Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft in der Vergangenheit aufgebaut hat, steht vor dem Aus. Die GmbH musste bereits Mitarbeiter entlassen.

Aufschwung? „Die Zahlen erfassen kaum die Menschen, über die wir hier reden”, sagte „low-tech”-Geschäftsführer Peter Brendel am Dienstag. Damit sprach er die Entwicklung des Arbeitsmarktes in NRW an: Während die Zahl der Erwerbslosen, die Arbeitslosengeld I bekommen, im Juni 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 17,4 Prozent (-36700) gesunken ist, ging die Quote derer, die ALG II beziehen und schon länger ohne Job sind, um nur 2,8 Prozent zurück (-15600).

Als Folge des Sparpakets wurden die Mittel für berufliche Eingliederung, die dem Jobcenter der Städteregion zur Verfügung stehen, um rund 16 Millionen Euro, also gut ein Drittel, gekürzt. Entsprechend fehlt für viele Maßnahmen, die Träger wie die „low-tech” bislang umgesetzt haben, das Geld.

Peter Brendel muss es in der Seele weh getan haben, als er den Politikern am Dienstag zunächst die beispielhafte Entwicklung und die vielen Projekte und Maßnahmen der gemeinnützigen Dürener GmbH seit ihrer Gründung im Jahr 1996 und ihrer Ansiedlung 1998 in Eschweiler-Ost vorstellte, um im Anschluss die düstere Perspektive aufzuzeigen, sprich: die einschneidenden Folgen des Sparpakets für die „low-tech, ihre Beschäftigten und damit auch für Eschweiler.

„Das Jobcenter war gezwungen, unsere Maßnahmenplätze für Jugendliche zum 1. Januar 2011 von 68 auf 36 zu reduzieren - und das in Maßnahmen hinein.” Diese Zahl sei seit dem 1. April auf nunmehr 18 geschrumpft. Die Aussichten? „Ab dem 1. August wird es an der Südstraße keine Maßnahmenplätze mehr für Jugendliche durch das Jobcenter der Städteregion geben.” Für die einzige Jugendmaßnahme des Jobcenters mit Start am 1. April habe nicht die „low-tech”, sondern ein anderer Träger den Zuschlag erhalten. Die GmbH habe sich auch für eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme der Bundesagentur für Arbeit beworben, an der zwischen 51 und 84 Jugendliche teilnehmen können.

Brendel: „Der Zuschlag ist noch offen und kann nur mit Gehaltskürzungen unseres qualifizierten Fachpersonals durchgeführt werden.” Der „low-tech”-Geschäftsführer kritisierte in diesem Zusammenhang die Vergabepraxis des Regionalen Einkaufszentrums der Bundesanstalt in Düsseldorf, über das entsprechende Maßnahmen ausgeschrieben werden und das nach Wirtschaftlichkeit entscheide. „Ein Träger, der Tariflöhne zahlt, hat kaum noch eine Chance.”

Es geht wirklich ans Eingemachte: Von Januar bis März hat die Gesellschaft sich von sechs Mitarbeitern trennen müssen. „Damit ging auch das Know How verloren, das in über fünf Jahren aufgebaut worden ist”, beklagt Brendel. Der nächste Schlag kam in Juni, als die „low-tech” weitere sechs Mitarbeiter entlassen musste, denen im Rahmen der „Job-Perspektive” eine berufliche Zukunft in Aussicht gestellt worden war. Jetzt sind sie arbeitslos. „Und”, sagt Peter Bendel, „weitere Entlassungen stehen bevor.” Die „low-tech” habe reagiert, indem sie ihren Standort am Stich aufgeben und mit jenem an der Südstraße zusammenlegen werde.

Nicht nur die meist Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind von der Entwicklung betroffen, auch jene Maßnahmen und Kooperationen, die die jungen Leute mit Leben erfüllt haben, sind bedroht. Projekte wie die Instandhaltung der Nothberger Burg, die Restaurierung des Minigolfplatzes in Dürwiß und die Zusammenarbeit mit dem Kinderschutzbund in der Ganztagsbetreuung - als das wird es so nicht mehr geben, prognostiziert der „low-tech”-Geschäftsführer.

Die Politiker sowie die Vertreter der Verwaltung und der Verbände waren schlichtweg baff ob der düsteren Perspektiven, die Brendel am Dienstag aufzeigte. Und sie reagierten. Maria Mund (CDU) schlug vor, zumindest einen Antrag zu verfassen, um nicht tatenlos zuzusehen - und rannte damit offene Türen ein.

Die Ausschussvorsitzende Agnes Zollorsch (SPD) nahm die Aufgabe an, in Abstimmung mit Peter Brendel und Jürgen Schoenen den Antragstext zu formulieren, der dem Stadtrat in seiner nächsten Sitzung zur Beschlussfassung vorliegen und dann weitergeleitet werden soll. Schoenen ist neuer Leiter des Eschweiler Jobcenters und stellte sich am Dienstag dem Ausschuss vor.
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