Dürwisser Tennisverein ist Geschichte

Von: Tobias Röber
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Seit 1978 war der letzte Vorsitzende des TC Rot-Weiß Dürwiß im Verein: Wehmütig blickte Bernd Schmitz gestern auf die Plätze der Anlage am Blausteinsee. Foto: Tobias Röber

Eschweiler-Dürwiß. Die gedrückte Stimmung war spürbar. Ein letztes Mal erhoben einige verbliebene Mitglieder ihr Glas und prosteten sich gegenseitig zu. Manche von ihnen sind (oder waren) seit 30 und mehr Jahren Teil des Clubs. Der eine oder die andere kommentierte diese Szene. „Das ist eine Beerdigung“ war ebenso zu hören wie: „Eigentlich müssten wir Trauerflor tragen.“ Geschäftsführerin Christa Nießen fasste zusammen: „Es fällt uns allen schwer.“ Gemeint war die Auflösung des Tennisclubs Rot-Weiß Dürwiß. Um 20.07 Uhr war er am Dienstagabend Geschichte.

Im vorigen Juni war eine Auflösung noch gescheitert. Damals gab es ebenfalls eine außerordentliche Mitgliederversammlung. 27 der 54 Mitglieder (es waren einst weit über 500) hätten anwesend sein müssen, um den Verein aufzulösen. Es kamen weniger. Bei der zweiten außerordentlichen Mitgliederversammlung reichten die 18 Mitglieder nun. Bei einer Enthaltung stimmten sie für die Auflösung.

99 Jahre Erbpachtvertrag

Seit 2007 stand der Tennisverein ohne Anlage da. Damals, es war im Oktober, bekamen die Mitglieder ein Schreiben des Erbpachtnehmers und Eigentümers der Tennisanlage, Josef Corsten. Darin stand: „Nach nunmehr 35-jähriger Tätigkeit in unserer Tennisanlage haben wir uns dazu entschlossen, in den Ruhestand zu treten. Aus diesem Grunde wird die Anlage Rot-Weiß Dürwiß ab der nächsten Saison 2008 nicht mehr geöffnet.“

Anfang der 70er Jahre wurde der TC Rot-Weiß Dürwiß gegründet. Josef Corsten pachtete das Gelände von der Stadt mit der Auflage, dort Tennis anzubieten. Bis 2007 funktionierte das mehr oder weniger reibungslos. Wobei es in den Jahren zuvor mehrfach zu Differenzen zwischen Mitgliedern des Tennisclubs und Josef Corsten gekommen war, wie aus Unterlagen hervorgeht, die unserer Zeitung vorliegen. So seien Ende 2003 sogar 40 Mitglieder nach einem Konflikt aus dem Vereine ausgetreten.

Es gibt aber auch viel Kritik an der Stadt. Der Erbpachtvertrag, der für 99 Jahre abgeschlossen wurde und bis zum 30. Juni 2069 läuft, legt fest, dass Josef Corsten Tennis auf der Anlage anbieten muss. Und zwar zu angemessenen Preisen und zu den üblichen Tages- und Saisonzeiten. Laut Stadt tut er dies und hat es stets getan. Am Eingang der Dürwisser Tennisanlage hängt ein Schild mit Festnetz- und Handynummer. Eine Stunde Einzel kostet 18, Doppel 22 Euro. Zudem gibt es den Hinweis, dass sich Interessierte mindestens einen Tag vorher melden müssen. Bei Testanrufen habe es keine Probleme gegeben, heißt es seitens der Stadt.

„Wir sehen es nicht so, dass Josef Corsten seine Verpflichtungen erfüllt“, sagte der 2. Vorsitzende Dieter Wilhelm am Dienstag. Und er fügte in Richtung Stadt noch an: „Es geht um Tennis, nicht um Fußball. Das ist der kleine Unterschied.“ Rot-Weiß-Mitglied Otto Bendix sagte: „Diese Plätze sehen nur so aus, als seien sie Tennisplätze.“

Die Stadt hätte nach Ansicht des Tennisclubs klagen können oder gar müssen, da Josef Corsten seinen Verpflichtungen, Tennis anzubieten, nicht nachgekommen sei. Bernd Schmitz macht es unter anderem an dem Satz aus dem Schreiben Josef Corstens fest: „Aus diesem Grunde wird die Anlage Rot-Weiß Dürwiß ab der nächsten Saison 2008 nicht mehr geöffnet.“

Eine Klage seitens des Vereins war nicht möglich, was an dem etwas eigenartigen Konstrukt lag. Josef Corsten hatte Verträge mit den einzelnen Mitgliedern, die jedes Jahr aufs Neue bestätigt werden mussten. „Hätte der eingetragenen Verein einen Vertrag mit Josef Corsten gehabt, hätten wir etwas machen können. So konnten wir jedoch nicht gegen die Kündigung vorgehen“, sagte Bernd Schmitz.

Zwei Jahre nach der Kündigung wurden zwei Gutachten von der Stadt erstellt. Ein Wertgutachten diente als Verhandlungsgrundlage. In diesem wurde der Wert der 9415 Quadratmeter großen Anlage ermittelt. Bei allen Verhandlungen mit Josef Corsten über eine Übernahme lag man auf Basis des Werts aus diesem Gutachten deutlich auseinander, sagte Dietmar Röhrig vom Amt für Wirtschaftsförderung, Liegenschaften und Tourismus unserer Zeitung gestern. Dabei geht es um keine geringen sechsstelligen Beträge. Sowohl bei den ermittelten Werten, als auch bei den unterschiedlichen Vorstellungen von Stadt und Josef Corsten. Dazu gab es ein Rechtsgutachten, um eine eventuelle rechtliche Handhabe gegen Josef Corsten zu prüfen. Darin heißt es: „Nach Auskunft der Stadt Eschweiler verhält sich Herr Corsten derzeit korrekt.“ Kritik seitens des Tennisvereins gibt es jedoch auch an diesem Gutachten.

Ende 2009 wurde ein Konzept vorgestellt, nachdem die Tennisanlage in Dürwiß gemeinsam vom TC Rot-Weiß Dürwiß und dem Eschweiler Tennisclub Blau-Gelb betrieben werden sollte. Auch die Naturfreunde waren Teil dieses Konzepts. Zu einer Einigung zwischen Stadt und Josef Corsten kam es dennoch nicht. Bei Versuchen in den vergangenen Monaten, mit Josef Corsten ins Gespräch zu kommen, habe dieser lediglich mitgeteilt, die Positionen seien ausgetauscht und klar, erklärte Dietmar Röhrig. Und diese Positionen machen eine Rücknahme des Geländes derzeit unmöglich.

Das führte nun zur Auflösung des Dürwisser Tennisvereins.

„Es ist jedoch abschließend kritisch anzumerken, dass für jeden Fußballverein mehr Einsatz seitens der offiziell Verantwortlichen, auch finanziell gezeigt wird, als für einen erfolgreichen Tennisverein“, sagte Bernd Schmitz am Dienstag zum Schluss.

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