Dürwiß: Vom Rittersitz zum Gesundheitszentrum

Von: Patrick Nowicki und Tobias Röber
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Den Wandel in Dürwiß erlebte Simon Küpper hautnah: Mit dem Angebot an Geschäften und Dienstleistern im Ort ist er rundum zufrieden. Foto: Tobias Röber/Patrick Nowicki
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Wer hätte das gedacht? Wo sich früher die Schule und das Bürgermeisteramt befanden, bestehen heute Wohnungen und Geschäfte an der Jülicher Straße.
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Früher Ritter- und Adelssitz, heute das „Gesundheitszentrum“ in Dürwiß: der Drimbornshof.
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Wurde vor einem Jahr eröffnet: das neue Marktzentrum am Südrand von Dürwiß.

Eschweiler-Dürwiß. Wenn man mit Simon Küpper durch Dürwiß wandert, dann wird dies unweigerlich ein Gang durch die Geschichte des Ortes, der sich vom kleinen Bauerndorf zum größten Vorort Eschweilers mauserte. Vor 70 Jahren lebten schließlich etwa 2000 Menschen dort, inzwischen sind es fast 8000. Dennoch scheint Küpper jeden zu kennen. Und er weiß, welche Geschäfte sich wo einmal befunden haben.

Viele dieser alten, kleinen Läden gibt es nicht mehr, aber wettern will der 77-Jährige darüber nicht: „Durch das neue Einkaufszentrum am südlichen Ortsrand sind wir regelrecht verwöhnt“, sagt er.

Auch an der Jülicher Straße befinden sich nach wie vor zahlreiche Läden, ein Fahrradgeschäft, Apotheke, Blumen- und Geschenkeläden, Metzger, Bäcker – das war schon vor Jahrzehnten so. Allerdings ist die Zahl der Kneipen deutlich zurückgegangen – von den einst elf sind gerade noch fünf übriggeblieben, zählt man die Festhalle und die Gaststätte an der Reithalle dazu. Schreiner, Lebensmittelläden, Bekleidungsgeschäfte – Fehlanzeige. Erst vor wenigen Tagen hat der letzte Schuster sein Geschäft geschlossen.

Einst Trödler Abraham

Was kleinere Geschäfte betrifft, so ergeht es Dürwiß nicht anders als anderen Orten. Früher konnte man bei „Billije Küpper“ an der Jülicher Straße Lebensmittel erwerben. Direkt gegenüber gab es bis vor kurzem einen Kiosk (einst Trödler Abraham).

Simon Küpper hat den Wandel in Dürwiß stets miterlebt – so wie auch viele Ladenschließungen, den Aufbau nach dem Zweiten Weltkrieg, die Sanierung des Ortskerns in den 60er Jahren, den Bau der Festhalle und großen Wohnhäuser, der Boom im Zuge der Umsiedlungen. Der Ort hat oft sein Gesicht gewandelt. Vor 100 Jahren bestanden dort bis zu 55 landwirtschaftliche Betriebe.

Wer Bauer war, beschränkte sich keineswegs auf die Feldarbeit. Viele waren in anderen Berufen zusätzlich tätig, betrieben eine Gaststätte, verdienten sich als Schneider und Bergmann. Auch eine alte Tradition wurde gepflegt: die Nagelschmiede. Diese wird heute noch allenfalls in Karnevalsliedern besungen.

Über die aktuelle Infrastruktur in Dürwiß hat Küpper in jedem Fall nur positive Worte übrig: „Auch mit der gesundheitlichen Versorgung können wir sehr zufrieden sein“, meint er. Der Drimbornshof habe sich zum Gesundheitszentrum des Ortes entwickelt, aber auch in Dürwiß selbst reiche das Angebot von der physiotherapeutischen Praxis bis hin zur Apotheke.

Vor allem die Entwicklung des erstmals 1585 urkundlich erwähnten Drimbornshofs bereitet dem langjährigen Vorsitzenden und heutigen Ehrenvorsitzenden des Eschweiler Geschichtsvereins Freude. Er nennt dies einen „gelungenen Ausbau“. Vor der kommunalen Neugliederung diente der ehemalige Ritter- und Adelssitz als Rathaus, anschließend noch als Domizil für Ämter der Stadt Eschweiler.

Die Geschäftsentwicklung und die Historie des Ortes sind schließlich eng verknüpft: Im alten Schulgebäude und dem Bürgermeisteramt an der Jülicher Straße befinden sich heute ein Schnellrestaurant, ein Bäcker und ein Unternehmen für Heiztechnik. Wo die feinverputzte Fassade keinen historischen Hintergrund erahnen lassen, geben Schlusssteine über den Eingangstüren Auskunft über das Alter. Heute ein Wohnhaus, diente die ehemalige Gaststätte Mandelartz mit dem dazu gehörenden kleinen Saal auch als erster Raum für Gottesdienste nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Haus stammt aus dem Jahr 1727.

An der Heerstraße

Dürwiß – das war im Ursprung ein kleines Dorf, das aus drei Straßen mit zwei zentralen Punkten bestand. Einer befindet sich an der Einmündung der Gasthausstraße in die Jülicher Straße. Erstere hat ihren Namen nicht von Kneipen erhalten. Dort befand sich ein Gasthaus, das Menschen, die die alte Aachen-Frankfurter Heerstraße nutzten, aufnahm. Sie führte von Hehlrath kommend durch Dürwiß nach Weisweiler. Die Goethestraße hieß zu dieser Zeit noch Aachener Pfad.

An der Ecke Gasthausstraße/Jülicher Straße gab es früher Bauernhöfe (unter anderem von Aka Willms). An dieser Stelle stand einst das Gedenkkreuz, das jetzt an der Ecke Gasthaussstraße/Konrad-Adenauer-Straße zu sehen ist. Vom „Oberdorf“ – wie dieser Teil von Dürwiß hieß – aus, hat es in Richtung Drimbornshof zahlreiche Veränderungen gegeben. Neben der Apotheke gab es einst den Kohlenhandel Clermont, gleich nebenan einen Schuster.

Der Friseur hat den Besitzer gewechselt, hat aber weiter geöffnet. Früher war dort Fahrrad Tesch untergebracht. Auch die Metzgerei lockt weiterhin Kunden an. Neben der Metzgerei feierten die Dürwisser viele Jahre lang in der Gaststätte Schröteler. Wenige Meter weiter macht die Jülicher Straße eine scharfe Kurve. „An de Kiehr“ sagen die (älteren) Dürwisser. Eine Gaststätte gibt es dort noch, deren Name auf die frühere Nutzung der Gebäude hinweist. Die Postfiliale ist bereits viele Jahre Geschichte, die Dürwisser müssen nun bis zur Ecke Grünstraße/Zehnthofstraße.

Einst ein Busunternehmen

Ist „de Kiehr“ genommen, liegt auf der linken Seite eine Autowerkstatt, in der einst das Busunternehmen von Christian Schnitzler untergebracht war. Das Eier- und Milchgeschäft Esser, die Bäckerei Nepomuck, die Gaststätte nebst Saal Mandelartz, die Gaststätte Dürwisser Hof – alles Geschichte. Dafür gibt es wieder einen Laden für Accessoires an der Jülicher Straße. Und einen Versandladen, in dem einst eine Metzgerei war.

Gleich daneben (Foto links unten) befanden sich einst das Bürgermeisteramt und die Schule. An der Grünstraße befanden sich einst ebenfalls mehr Geschäft. Der Schuster hat gerade geschlossen (früher waren dort eine Metzgerei und eine Frittenbude), den Kiosk, der einst von „Kummers Annchen“, später von Familie Floßdorf betrieben wurde, gibt‘s ebenfalls nicht mehr. Dort, wo einst die Schusterei Nelles war, wird in Kürze ein neuer Laden eröffnet.

Neben der Bankfiliale stand einst der Zehnthof, der später einer Bade- und Waschanstalt, der Feuerwehr und einer Kinder-Bewahrschule weichen musste. Die Post ist inzwischen im Radio- und Fernsehladen untergebracht, direkt gegenüber befindet sich ein Fitnessstudio, das Dürwisser noch als Supermarkt und Videothek kennen.

Zurück zum Ausgangspunkt des Spaziergangs: Bleibt noch der Laden gegenüber der Raiffeisenbank, der „die Garaasch“ genannt wurde. Warum? Nach einer Auseinandersetzung war dort vor vielen Jahren ein Dürwisser einfach mit dem Auto in die Eingangstüre gefahren...

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