Dürwiß ist gut versorgt, der Rest nicht

Von: Daniel Gerhards
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Werner Kurth kommt mit seinem
Werner Kurth kommt mit seinem Verkaufswagen regelmäßig nach Röhe, St. Jöris und Hehlrath. Dort hat er eine Menge Stammkunden, die regelmäßig bei ihm einkaufen. Ihnen bringt er seine Produkte bis vor die Haustür. Besonders ältere Menschen freuen sich über das Angebot. Foto: Daniel Gerhards

Eschweiler. Wenn Werner Kurth mit seinem Verkaufswagen nach Röhe fährt, dann weiß er, dass dort schon viele Leute auf ihn warten. Kurth liefert regelmäßig frische Lebensmittel bis vor die Haustür. „Ich fahre gezielt in die Dörfer, in denen es keine Lebensmittelgeschäfte mehr gibt”, sagt Kurth.

Das freut viele Leute in Röhe, St. Jöris und Hehlrath, wo Kurth liefert. Denn ohne diesen Service fiele es vielen schwer, sich mit all dem, was man täglich zum Leben braucht, einzudecken.

In vielen kleinen Ortsteilen von Eschweiler ist es schwierig geworden, ohne fahrbaren Untersatz einzukaufen. Das mobile Konzept von Kurth ist dabei sehr hilfreich. An Bord hat er Brot, Brötchen, Käse, Frischfleisch, Wurst, Milchprodukte, Kaffee, Eier, Marmelade, Saft und Honig. Einfach „das, was man für den täglichen Bedarf braucht”, sagt Kurth. Dabei fährt er von Haus zu Haus. Wenn seine Stammkunden seine Klingel hören, kommen sie direkt raus. „Meine Kundschaft ist gemischt. Es sind schon überwiegend ältere Leute, aber es sind auch Mütter mit kleinen Kindern dabei”, sagt Kurth.

In Hehlrath gibt es gar kein Geschäft mehr. Der kleine Dorfladen schloss Mitte des Jahres. Jetzt sind die Schaufenster bereits zugemauert. Arnold Ripphausen baut den ehemaligen Laden zum Wohnraum um. Seine Frau Hedwig hat das Geschäft von 1964 bis 2005 geführt. Doch mit 63 Jahren war für sie Schluss. Danach gab es noch eine weitere Besitzerin, die bis zum vergangenen Mai weitermachte. „Das lohnt sich einfach nicht mehr”, sagt Arnold Ripphausen. „Die jungen Leute sind heute alle mobil. Und die Älteren lassen sich ihre Einkäufe mitbringen. Dann kamen die Leute nur noch, wenn sie etwas vergessen hatten. Und von einem Tütchen Pfeffer kann keiner existieren”, sagt Arnold Ripphausen. Dabei hatte der Laden in den 1970er Jahren „geboomt”. Und: „Das hat uns immer Spaß gemacht”, sagt der ehemalige Ladenbesitzer.

Nun gibt es in Hehlrath gar kein Lebensmittelgeschäft mehr. Auch im benachbarten Kinzweiler sucht man vergeblich. Lediglich einen Getränkemarkt gibt es dort. Inhaber Albert Vossenberger versucht die Nahversorgungslücke mit seinem Sortiment zumindest zum Teil aufzufangen. Er verkauft Getränke „und alles, was damit zu tun hat”. Außerdem hat er Konserven, Kaffee, Würstchen, Brötchen und Süßigkeiten im Angebot. „Ich versuche auch alles zu besorgen, wenn die Kunden einen besonderen Wunsch haben”, sagt Vossenberger. Den Getränkemarkt hat er im Mai übernommen. Ihm ist der „persönliche Kontakt” mit seinen Kunden und eine „familiäre Atmosphäre” - anders als in großen Supermärkten - dabei wichtig.

Frische Kartoffeln sind in Kinzweiler ebenfalls zu bekommen. Hermann-Josef und Sibille Johnen verkaufen ihre Speisekartoffeln direkt im Bauernladen auf ihrem Hof. Die Kartoffeln bekommt man bei Familie Johnen entweder klassisch mit Schale oder schon geschält und abgepackt. Darauf legt der Landwirt den Schwerpunkt. „Heute ist der Spezialist gefragt. Das ist wie in einem Handwerksbetrieb”, sagt Hermann-Josef Johnen. Aber neben Kartoffeln verkauft er auch Obst und Gemüse, Salat, Nudeln und Weine.

Indes ist Werner Kurth mit seinem Verkaufswagen weitergefahren - der nächste Kunde wartet. Franz-Peter Schauergans kommt gleich raus, als er Kurths Klingel hört. Kurth hat ihm auch einige Zeitschriften für seine Frau mitgebracht. „Der Verkaufswagen ist eine super Sache. Wir haben ja fast keine Geschäfte mehr im Ort. Ich bin damit sehr zufrieden”, sagt er. Zeitschriften, Waschmittel, Toilettenpapier - all solche Dinge, bringt Kurth auf Bestellung mit. „Wenn die Leute mal was brauchen, was ich nicht im Wagen habe, besorge ich das”, sagt er.

Kurth ist schon seit 1997 mit dem Verkaufswagen unterwegs. Seit zehn Jahren ist er selbstständig. Er selber stammt aus Röhe, deshalb verbindet ihn etwas mehr, als nur das Geschäftliche mit dem Ortsteil. Er liefert zudem jeden Morgen Brötchen nach Hause. 900 Euro Benzinkosten habe er als fahrender Händler jeden Monat. Dafür könnte man auch ein Ladenlokal mieten, meint er. Aber Kurth ist mit dem zufrieden, was er hat: „Mir geht es darum, zu den Leuten zu kommen, bis vor die Haustür.”

In St. Jöris gab es nach einer Bürgerversammlung sogar eine Initiative, die sich für die Nahversorgung stark machte. Man habe sich darum gekümmert, dass nun ein rollender Supermarkt in den kleinen Ort kommt, sagt Willi Bündgens, Vorsitzender des CDU-Ortsverbands Kinzweiler/Hehlrath. „Viele ältere Leute nehmen das sehr gut an”, sagt Bündgens. Jeden Freitag kommt der Wagen der Firma „Heiko” nach St. Jöris. Mit an Bord sind rund 450 Artikel. „In St. Jöris funktioniert das sehr gut”, sagt „Heiko”-Inhaber Dr. Reinhard Steinkamp. Am mobilen Supermarkt kaufen allerdings nicht nur ältere Leute. „Unsere Zielgruppe sind alle, die tagsüber zu Hause sind”, erklärt Steinkamp.

Ob es in näherer Zukunft wieder kleine Lebensmittelgeschäfte auf dem Dorf geben wird, ist fraglich. Rewe-Sprecher Raimund Esser betonte zwar, dass seine Firma weiterhin auf Märkte in kleinen Ortschaften setze, allerdings muss man heute schon mindestens 500 Quadratmeter Verkaufsfläche haben, damit sich ein Markt rechnet. „Den Tante-Emma-Laden auf 120 Quadratmetern wird es nicht mehr geben. Das ist nicht rentabel”, sagt Esser. Schließlich müsse jeder, der als selbstständiger Kaufmann einen Rewe-Markt führt, davon leben können. „Wenn das Einzugsgebiet zu klein ist, dann macht der zu”, sagt Esser. Das Unternehmen versuche mit „Rentabilitätsberechnungen” vorab zu ergründen, ob sich ein Laden lohnt oder nicht.

Verkaufsflächen erweitern

Gut versorgt ist der Stadtteil Dürwiß. Dort gibt es sogar Pläne die Verkaufsflächen am Ortsausgang zu erweitern. Bisher gibt es dort einen Edeka- und einen Netto-Markt. Der Edeka wird verlegt und vergrößert zudem seine Verkaufsfläche (maximal 1500 Quadratmeter), zusätzlich soll es einen weiteren Discounter (maximal 1100 Quadratmeter Verkaufsfläche) und einen Drogerie-Markt (maximale Verkaufsfläche 635 Quadratmeter) geben. Außerdem sollen noch mehr Parkplätze für die Kunden geschaffen werden. „Wir hätten das lieber im Ortszentrum von Dürwiß gesehen. Aber dort gib es keine ausreichend großen Flächen”, sagt Hermann Gödde, Technischer Beigeordneter der Stadt Eschweiler. Doch die Lage am Rand von Dürwiß sei besser, als ein Standort „auf der grünen Wiese”.

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