Eschweiler - Drohende Obdachlosigkeit: Der Mindestlohn reicht nicht

Drohende Obdachlosigkeit: Der Mindestlohn reicht nicht

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Drohende Wohnungslosigkeit ist nicht sein einziges Thema: Sozialarbeiter Heinz-Dieter Hahn steht in der Beratungsstelle von Caritas und Wabe Menschen mit sehr komplexen Problemen zur Seite. Foto: Christoph Hahn

Eschweiler. Ganz nah an den Menschen dran – so ungefähr sieht Heinz-Dieter Hahn die Arbeit, die er von seinem kleinen Büro in unmittelbarer Nähe zum Talbahnhof aus leistet. Quasi im Ein-Mann-Betrieb berät der Sozialarbeiter in einem ehemaligen Ladenlokal an der Franzstraße 19 Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht werden oder dieses Problem schon meistern müssen.

Wobei es Hahn, der zwischen seiner Arbeit in Eschweiler und einem weiteren Schreibtisch in Aachen hin und her pendelt, bedeutend leichter ums Herz wäre, falls es bei diesem einzigen Minenfeld bliebe.

Denn wenn Hahn, dessen Stelle von der katholischen Caritas und der mit der (evangelischen) Diakonie verbundenen „Wabe“ getragen wird, in Aktion tritt, verknäueln sich die Probleme oft zu einem schier unentwirrbaren Ganzen. Im Klartext: Menschen, die mit Hahn Kontakt aufnehmen, sind nicht nur obdachlos oder stehen kurz davor, sondern schlagen sich zudem mit Schulden herum und müssen oft zu allem Überfluss noch eine Sucht loswerden. Kein Wunder, dass der Einzelkämpfer seinen Klienten oft bei einer ganz elementaren Bewältigung des alltäglichen Lebens beistehen muss.

60 Männer und Frauen in Not hat Hahn, der jetzt seinen Jahresbericht für 2016 vorgelegt hat, beraten. Von diesen Beratungen werden 16 in diesem Jahr weitergeführt. Dabei definiert Hahn die Wohnungslosigkeit als „Kerngeschäft“. Und das bereitet ihm ganz spezielle Sorgen: „Der Markt hier ist leergefegt.“ Mit dieser Konsequenz: „Ich habe immense Schwierigkeiten, Menschen zu einem neuen Dach überm Kopf zu verhelfen.“ Doch manchmal gelingt trotzdem was: Acht Singles oder Familien fanden 2016 ein neues Obdach: In fünf weiteren Fällen konnte Klienten der Beratungsstelle die vertraute Wohnung erhalten werden. Überdies wurde eine Familie vor der Sperre der Energieversorgung bewahrt.

Dass es für viele der Ratsuchenden kein Auskommen mit dem Einkommen gibt, und das hat etwas mit der Schul- oder Ausbildung zu tun: „Die, die zu mir kommen, haben oft keine Qualifikation.“ Das bedeutet: kein Zugang zu gut bezahlten Jobs. Und noch ein weiteres: Wer noch nicht einmal die Mittlere Reife oder gar einen Gesellenbrief, wird von der Arbeit nicht satt – so er überhaupt eine Beschäftigung findet. Darum muss Heinz-Dieter Hahn oft Schuldenberatung leisten oder gar mit dem Instrument der Geldverwaltung dabei helfen, die spärlichen Euros auch noch einzuteilen. Die mangelnde Bildung bleibt jedoch nicht der einzige wunde Punkt: „Fast die Hälfte hat auch ein Suchtproblem.

Darum muss Heinz-Dieter Hahn immer wieder sehr komplex ans Werk gehen und die verknäuelten Fäden eines aus der Bahn geratenen Lebens entwirren. Darum hat der Soziarbeiter aus der Franzstraße auch einen unverstellten, kritischen Blick auf politische Entscheidungen. Und er ist sich darum sicher, schon wegen der konkreten Erfahrungen mit den Ratsuchenden: „Der Mindestlohn – der reicht nicht.“

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