Dressurreiten: Eschweilerin trainiert mit Isabell Werth

Von: Anna Fitscher
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Nicole Kugel mit ihrer Spring-Nachwuchshoffnung Call me Number One, kurz Kalle Foto: Anna Fitscher

Eschweiler. Dem Wechsel von einer Disziplin in die andere unterziehen sich wohl die wenigsten Reiter - Nicole Kugel schon. Die 22-jährige ist von Haus aus Springreiterin. Inzwischen arbeitet sie jedoch für Dressurqueen Isabell Werth.

Doch der Reihe nach. Nicole lebt mit ihrer Familie auf der Röthgener Burg, auf der Vater Heinz-Peter und Mutter Kirsten eine Reitanlage betreiben. Klar, dass Nicole und ihre Schwester Lea schon seit frühester Kindheit pferdefasziniert sind. Angefangen hat alles mit Ferdinand. Das grade mal ein Meter kleine Shetlandpony brachte Nicole am Anfang ihrer reiterlichen Karriere jedoch des Öfteren zur Verzweiflung.

„Immer wenn Ferdinand keine Lust mehr hatte, ist er mit mir durchgegangen und unter dem Zaun vom Reitplatz durchgelaufen. Er passte da ja gut durch. Ich hab mich dann immer an der obersten Zaunlatte festgehalten und baumelte dann da rum, ohne Pony unterm Hintern, während Mama und Papa Ferdinand wieder einsammelten“, erzählt sie schmunzelnd, während sie alte Fotos von ihrem kleinen Frechdachs Ferdinand ansieht.

Es folgten zwei weitere Ponys, Annabelle und Alissia. Mit den zwei Schimmelstuten und Unterstützung von Vater Heinz-Peter gelang es Nicole bereits im zarten Alter von 10 Jahren erste kleine Springprüfungen für sich zu entscheiden. Als Nicole 13 war, kam Condor in den Stall der Kugels. „Dieses Pferd hat mein Leben verändert“, sagt Nicole heute. „Von ihm habe ich alles gelernt. Mit ihm bin ich mein erstes E-Springen gegangen und wir haben uns zusammen bis M hochgearbeitet.“ Sogar ein Start bei den Rheinischen Meisterschaften gelang dem Paar.

Neben der Realschule ritt Nicole dann Pferde für Helena und Tim Stormann mit. Mit einem Pferd von ihnen gelang dann auch die erste Platzierung in einem Springen der schweren Klasse, bei dem die Hindernishöhe zwischen 135 und 145 cm liegt.

Langsam entwickelte sich bei Nicole der Wunsch, das „Hobby“ zum Beruf zu machen. Nach der Realschule entschied sie sich allerdings vorerst dafür, ihr Fachabitur zu absolvieren. Nach dem Fachabitur war für Nicole dann klar: Sie möchte ihre Ausbildung zur Pferdewirtin in einem Springstall machen. Doch da machte Vater Heinz Peter, selbst Springreiter, ihr einen Strich durch die Rechnung. „Mein Vater hat dann gesagt, ich könnte die Ausbildung machen, aber nur in einem Dressurstall. Dressur sei die Grundlage für alles weitere. Und jeder guter Springreiter müsste seine Pferde auch dressurmäßig arbeiten können.“

„Man sagt, der Wechsel vom Spring- in den Dressursattel ist für einen Springreiter die Höchststrafe“, erzählt die 22-jährige lachend. Warum, das merkte Nicole schnell in den ersten Wochen der Ausbildung, die sie im Zucht- und Ausbildungsstall Hans Rueben in Würselen absolvierte: Da in der Dressur andere Muskelpartien der Reiter stärker beansprucht werden als beim Springreiten, quälte sie tagelanger Muskelkater. Doch nach einiger Zeit hatte Nicole sich an die etwas „andere Reitweise“ gewöhnt – und es begann ihr Spaß zu machen.

Nicoles Hauptaufgabe im Stall Rueben war es, junge Dressurpferde anzureiten. Eine Arbeit, die ihr immer viel Spaß bereitete. „Es ist toll zu sehen, wie schnell junge Pferde einem Vertrauen schenken und sich weiterentwickeln“, schwärmt sie.

Im Juni bestand Nicole die Abschlussprüfung mit Bestnoten und verdiente sich damit die Stensbeck-Plakette. Diese Plakette ist eine Auszeichnung für Auszubildende zum Pferdewirt mit Schwerpunkt klassische Reitausbildung, die bei der Abschlussprüfung ein Gesamtergebnis von 2,49 oder besser haben. Während der zeitintensiven Ausbildung blieb für Nicoles eigentliche Leidenschaft – Springreiten – kaum Zeit. Das Training ihrer Pferde Lucatoni und Nachwuchshoffnung Call me Number One (kurz Kalle) übernahm Vater Heinz Peter.

Man könnte meinen, dass Nicole nach Beenden ihrer Ausbildung nun endlich zurück in den Springsattel wollte. Doch es kam anders: Ein Job in Rheinberg war frei. Genauer gesagt ein Job bei Isabell Werth. Isabell Werth ist die wohl erfolgreichste Dressurreiterin aller Zeiten. Die 46-jährige ist mehrfache deutsche Meisterin, Europa- und Weltmeisterin, sowie Weltcup-Siegerin.

Zuletzt gewann sie in diesem Jahr Mannschaftsbronze bei der Europameisterschaft in Aachen. „Ich dachte, ich versuch es einfach mal“, erzählt Nicole. Tatsächlich bekam sie den Job – und ist restlos begeistert von ihrem Job bei der Dressurqueen. „Es ist toll dort zu arbeiten! Das Team ist unglaublich nett und harmoniert untereinander. Und Isabell ist, wenn sie nicht grade auf Turnieren unterwegs ist, ständig im Stall. Sie hilft, unterstützt und trainiert uns ständig.“

Die Zeit bei Isabell Werth sieht Nicole vor allem als Chance „noch ganz viel zu lernen“. Zwei Jahre möchte Nicole in jedem Fall dort verbringen, denn zwei Jahre Berufserfahrung sind Voraussetzung für die Meisterprüfung die Nicole anstrebt. Natürlich am liebsten wieder mit Auszeichnung.

Auch wenn Nicole zuhause ist, hat sie nicht genug von ihren vierbeinigen Sportpartnern. An freien Wochenenden fährt sie dann doch nochmal zu dem einen oder anderen Springturnier – sei es als Unterstützung und Coach für „ihre Mädels“ oder um selber noch eine Runde über den Parcours zu drehen. „Das klappt zwar nicht immer ganz so gut, denn ich habe ja, mit Glück, einen Tag Zeit zur Vorbereitung. Das klappt manchmal – manchmal aber auch nicht“, erzählt die 22-jährige lachend. Große Erfolge stehen hier auch momentan nicht im Vordergrund – es geht eher darum, nicht alles zu verlernen, so Nicole.

Irgendwann möchte Nicole die Burg und die Reitanlage übernehmen. Sich längerfristig irgendwo anders niederlassen oder arbeiten? Für die gebürtige Indestädterin kommt das nicht infrage. „Zuhause ist es halt immer noch am schönsten!“, sagt sie und lächelt.

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