Dreieinigkeitskirche: Ein Ständchen für Verdi und Wagner

Von: jope
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Michéle Rödel (rechts) liegt das Liedhaft-Verträumte ebenso wie die glockenklar-hellen Partien. Natalia Schmidt überzeugte die Zuhörer am Klavier Foto: Jana Röhseler

Eschweiler. Da hatte sich offenbar etwas Herumgesprochen unter Freunden klassischer Musik in Eschweiler. Nämlich, dass einige vor einem Jahr etwas verpasst hatten, als die junge Sopranistin Michèle Rödel aus dem sächsischen Vogtland im „Westzipfel“ Deutschlands eine kleine Konzerttournee mit Zwischenstopp in Eschweiler gab.

Beim diesjährigen Konzert in der Dreieinigkeitskirche, das von Kantor Gerhard Behrens anmoderiert wurde, waren die Reihen doch besser gefüllt.

Während die damals Ferngebliebenen mit Arien des Programms „Gebete in der Kirche“ entschädigt wurden, erfreuten sich Rödel-Premierengäste an den hinzugekommenen Liedern des aktuellen Projekts „Schweb‘ empor am Himmel“.

In himmlische Höhen schien auch manchmal der Gesang der 25-Jährigen Michèle Rödel zu entschweben. Der hat gegenüber dem Vorjahr neben dem schon damals erstaunlichen Volumen an Reife gewonnen. Ebenso wie ihre Gestik, die vielleicht doch einmal auf eine spätere Opernlaufbahn hinweist? Die Sängerin wiegt im Gespräch mit unserer Zeitung ab: „Vielleicht, im Moment noch nicht...“

Womöglich gefällt ihr aber auch derzeit die Vielseitigkeit ihrer Solo-Auftritte in Deutschland und Europa besser als ein Engagement an einem Opernhaus, das sie frühzeitig auf einen Typ festlegen könnte.

Dieser ist noch nicht auszumachen: Michèle Rödel liegt das Liedhaft-Verträumte ebenso wie die glockenklar-hellen Partien. Und in „Träume“ – einem der vier Wesendonk-Liede – ließ die Bayreuth-Stipendiatin durchscheinen, dass ihr Weg auch einmal ins schwerere Wagner-Fach gehen könnte. Neben Wagner wurde auch Verdi vor 200 Jahren geboren.

Mit großer Hingabe

Michèle Rödel brachte ihm gleich mehrere Geburtstagsständchen. Steigerte sie im Gebet der Desdemona aus der Oper „Othello“ den frommen Sprechgesang in kantable Höhen (hier war das „Schweb‘ empor am Himmel“ fast greifbar), begeisterte sie beim Gebet der Fenena aus „Nabucco“ mit ihrem Stimmvolumen und bei der Arie „Pace mio Dio“ der Leonora aus „Die Macht des Schicksals“ mit erkennbar großer innerer Hingabe. Eine Hommage an die Kunst des italienischen Belcanto wurde das bis zum langanhaltenden Schlusston mit gleichbleibend hohem Niveau vorgetragene Gebet der Norma („Casta Diva“) aus der gleichnamigen Oper.

Ein weiterer Programmteil traf, sensibel vorgetragen, die Stimmung im März zwischen hinausgezögertem Winterabschied und übermächtig werdender Frühlings-Sehnsucht: von „Der Mond kommt still gegangen“ von Clara Schumann über Schuberts Wiegenlied und „Ave Maria“ bis hin zum mehrstrophigen und damit die Stimmung des „Wann endlich?“ abbildenden Liedes „Der Winter mag scheiden“ aus Griegs „Peer-Gynt-Suite“.

Die „Erlkönig-Ballade“

Sehr wichtig für das Gelingen der Liedbeiträge und die atmosphärische Stimmung eines solchen Lieder-Projekts ist der Klavierpart. Die Konzertpianistin und Musikpädagogin Natalia Schmidt aus Kreuzau wurde dieser Aufgabe gerecht. Dezente Zurückhaltung und virtuoses Hervortreten hielten sich in der Balance – wie etwa bei der innnigen Begleitung des „Ave Maria“ oder bei der dramatisch-bewegten Ummalung der „Erlkönig-Ballade“.

Mit Impromptus von Schubert und Chopin setzte Natalia Schmidt auch mit viel Beifall bedachte virtuose „Tupfer“, die zudem ihrer Liedpartnerin Michèle Rödel nötige Atempausen verschafften. Immerhin bestritt die junge Künstlerin nach Auftritten in Kreuzau und Büsbach in Eschweiler ihr drittes Konzert innerhalb von drei Tagen – Respekt!

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