Eschweiler - Drei Zentimeter fehlen zur Katastrophe

Drei Zentimeter fehlen zur Katastrophe

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Gesperrt: Feuerwehr und THW schotteten die Brücke Grabenstraße ab, während Mitarbeiter einer Baufirma mit schwerem Gerät Treibgut aus der Inde baggerten, um den Durchfluss der Wassermassen zu gewährleisten.

Eschweiler. Als sich am Morgen die Wasserstandsmeldungen der Inde nahezu überschlugen, befürchteten alle das Schlimmste: Wie zuletzt im Katastrophenjahr 1966 könnte die Inde ihr Bett verlassen und als reißender Strom durch die Innenstadt wüten, ungezählte Keller unter Wasser setzend und immense Schäden verursachend.

Schon am Mittag hatten Beobachter der anschwellenden Wildwasserszenerie ein erstes Todesopfer ausgemacht: ein ausgewachsenes Pferd, das tot die Inde heruntergeschwemmt wurde - am Rathaus vorbei mitten durch die City. Bis zum Abend wusste niemand, wo der Kadaver geblieben ist - wohl aber, dass das Todesopfer kein Hochwasseropfer war: Der Besitzer hatte das Pferd hatte bereits am Morgen leblos auf einer Wiese bei Stolberg vorgefunden - als er es später abholen wollte, war das Tier bereits verschwunden...

Derweil stieg der Pegel der Inde zusehends: um zehn Zentimeter pro Stunde. Der Krisenstab gab Großalarm. 115 Leute der Feuerwehr, 30 Männer des Technischen Hilfswerks und 20 Mitarbeiter der Verwaltung stürzten sich in die Arbeit, besetzten Brücken, kontrollierten neuralgische Punkte der Inde, lieferten 300 Sandsäcke ins absaufende Vicht, wiesen Hausmeister in Schulen und Kindergärten an, die Keller zu kontrollieren, und informierten Firmen, sich für den Fall des Falles bereitzuhalten.

Ein besonderes Augenmerk hatten die Männer diesmal auf Hücheln, wo erst vor wenigen Tagen ein verstopfter Bachlauf 16 Keller unter Wasser gesetzt hatte und diesmal ein Reiterhof als besonders gefährdet galt. Eine Annahme, die sich erfreulicherweise nicht bestätigte: „Wir sind den ganzen Tag über nur präventiv tätig gewesen”, bilanzierte Axel Johnen am Abend. „Nirgendwo hat es einen Wassereinbruch gegeben.”

Gegen Mittag griffen Männer der Feuerwehr zum Flatterband und erklärten die Brücke Grabenstraße, deren Unterkante sich die herantosenden Wassermassen immern bedrohlicher näherten, behördlicherseits zum Sperrgebiet. Hier hatten nur noch Einsatzkräfte von Wehr und THW Zugang. Und Mitarbeiter einer Baufirma: Die rückte mit schwerem Gerät an. Mit einem Baggergreifarm holten die Männer Treibgut aus dem Flussbett, das sich vor dem mittleren Brückenpfeiler staute und so den Wasserdurchfluss behinderte.

Während die Fußgängernbrücken Kochsgasse und Patternhof vorsorglich ebenfalls gesperrt wurden, blieben die Brücken Bergrather und Neustraße frei zugänglich. Vor allem Letztere profilierte sich den ganzen Tag über als beliebter Aussichtspunkt von „Hochwassertouristen”, die die reißenden Fluten möglichst nah erleben wollten.

Dankeschön vom „Chef”

Derweil patroullierten Streifenwagen der Polizei durch die nahe Fußgängerone und über die Indestraße, die Anlieger - soweit die noch nicht gemerkt hatten, was sich da tat - per Megaphon zu warnen und sie aufzufordern, ihre Keller zu kontrollieren. Anlieger krempelten die Ärmel hoch und schulterten Lkw-weise angekarrte Sandsäcke, um ihre Häuser und Keller mit Sandsackbarrieren zu schützen.

Die Mitarbeiter des Wasserverbandes Eifel-Rur waren die ganze Zeit vor Ort. Am Messpunkt in der Nähe des Gewerbegebietes An der Wasserwiese wurde der Pegel der Inde von der Freiwilligen Feuerwehr beobachtet. Höchststand: 2,37 Meter kurz nach 14 Uhr, ab 2,40 Meter tritt die Inde über die Ufer. Normalerweise beträgt der Pegel 40 Zentimeter. Am Nachmittag schnauften alle etwas durch, denn das Wasser sank leicht.

Gegen 18.30 Uhr stellte Wer-Einsatzleiter Axel Johnen, Mitglied des Krisenstabs, der seit dem Morgen in der Feuerhauptwache tagte und dem auch Bürgermeister Rudi Bertram angehörte, fest, dass bis dahin kein einziger Keller voll Wasser gelaufen war. Und Rudi Bertram dankte allen, die den ganzen Tag über mit angepackt hatten: „Einfach Klasse, wie alle sofort mit an Bord waren!” Entwarnung allerdings gab er noch nicht.
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