Eschweiler - Dr. Linden: Griechenland ist wohl nicht zu retten

Dr. Linden: Griechenland ist wohl nicht zu retten

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
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Treff für Juristen: Nicht nur Reden standen gestern auf der Tagesordnung im Gerichtssaal an der Kaiserstraße, sondern auch der Austausch stand anschließend im Mittelpunkt.

Eschweiler. Das Thema Europa lässt die Menschen nicht los. Auch in Eschweiler nicht. Vielleicht, weil die Stadt, wie Amtsgerichtsdirektor Dr. Gisbert Fuchs jetzt beim Neujahrsempfang an der Kaiserstraße meinte, mitten in Europa liegt.

Vielleicht auch, weil sich die Menschen sorgen, dass sich die noch nicht fassbare Euro-Krise irgendwann auch einmal in der eigenen Geldbörse bemerkbar macht. Wie dem auch sei, wie schon beim Neujahrsempfang im Rathaus stand auch beim inzwischen traditionellen Treffen der Juristen ein anerkannter Europa-Kenner am Mikrofon: Dr. Jürgen Linden, Aachens ehemaliger Oberbürgermeister, beleuchtete seine Sicht auf die Krise.

Große Sorgen

Als Prophet wolle, ja könne er nicht auftreten, schränkte der Sozialdemokrat sogleich ein. Aber das Bild, das Dr. Linden von der Krise in Europa zeichnete, war ein durchaus düsteres. Denn er ist davon überzeugt, dass „es Griechenland nicht schaffen wird”. Aber das sei auch nicht entscheidend dafür, ob der Euro scheitere. Die großen Wirtschaftsnationen bereiten ihm viel größere Sorgen, also konkret nannte er Italien, Spanien und Frankreich. „Sollte einer dieser Nationen auf die Rettungsschirme der Europäischen Union zurückgreifen müssen, dann werden die 900 Milliarden schnell aufgebraucht sein”, schilderte er ein mögliches Szenario.

Nein, ein Patentrezept gebe es nicht, wie die Krise zu bewältigen sei, ist sich Dr. Linden sicher. Dennoch forderte er, dass die politische Einigung nach vorne gebracht werde, was in den 90er Jahren gescheitert sei. Zudem plädiert er für einen Art Marshallplan, der die Wirtschaft wieder in Gang bringe. Denn für Dr. Linden steht fest: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass das Geld weniger Wert sein wird.” Eine Rezession sei nicht mehr zu vermeiden, deswegen müsse ein geeigneter Strukturplan erstellt werden. Sparen allein genüge nicht mehr.

Dennoch: „Zur Europäischen Union und zum Euro gibt es keine Alternative.” Warum? Weil man in Deutschland über viele Jahre hinweg von ihr profitiert habe. „Wenn ich mich selbst betrachte, ich habe in Frieden in einem freien Land und in einem gewissen Wohlstand gelebt”, argumentierte der ehemalige Verwaltungschef Aachens. Vielleicht habe man das schon zu sehr als selbstverständlich erachtet. „Wir sollten deswegen in die Krise tragen, was uns diese Errungenschaften wert sind”, weckte er den Kampfgeist.

Wer sich den gesamten Globus anschaue, der müsse erkennen, dass Europa nur ein kleiner Fleck sei. „Deswegen müssen wir die Kräfte bündeln und ein Mehr an Europa wagen”, so Dr. Linden. Damit könne man Fragen wie diese beantworten: Ist mein Arbeitsplatz noch sicher? Dies hänge alles mit der Bewältigung der EU-Krise zusammen, der größten Krise seit bestehen des Staatenbundes.

Der Amtsgerichtsdirektor und Hausherr Dr. Gisbert Fuchs war anschließend voll des Lobes für den Vortrag Dr. Jürgen Lindens: „Wäre ich noch nicht von der europäischen Idee begeistert, ich wäre es spätestens jetzt.” Trotz der düsteren Szenarien, die Dr. Linden zeichnete, hatte er seinen Humor keineswegs verloren. „Wenn der Europäische Gerichtshof einen Ableger bräuchte, ich würde Eschweiler vorschlagen.”

Der Hintergrund der Zusammenkunft war jedoch keineswegs die Euro-Krise, sondern der Plausch der im und mit dem Amtsgericht arbeitenden Menschen. Eingeladen hatte zum sechsten Mal nicht nur das Amtsgericht selbst, sondern auch der Anwaltsverein Aachen. Zu den Gästen zählten Dr. Fuchs Vorgänger Ulrich Conzen, Markus Jentgens (Rechtsanwaltskammer Köln), Aachens Landgerichtspräsident Dr. Stefan Weismann, Vertrauensanwältin Katrin Leusch-Jacquemain und Mitorganisator Roland Wunderlich. Ebenfalls dabei waren Bürgermeister Rudi Bertram (Eschweiler) und die stellvertretende Bürgermeisterin Karina Wahlen (Stolberg) für die zum Amtsgerichtsbezirk zählenden Städte.
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