Dr. Andreas Frick: „Bild Europas derzeit kein Ruhmesblatt“

Von: ran
Letzte Aktualisierung:
12480656.jpg
Anschauliche Interpretation vor interessierten Zuhörern: Generalvikar Dr. Andreas Frick brachte den Mitgliedern der „Gesellschaft Erholung Eschweiler“ Gedankengänge von Papst Franziskus näher. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Am 13. März 2013 wurde aus Jorge Mario Bergoglio Papst Franziskus. Seitdem weht ein neuer, viele Menschen sagen, ein frischer Wind durch die römisch-katholische Kirche. Doch wer ist Franziskus wirklich? Wie denkt der 266. Bischof von Rom tatsächlich über Entwicklungen auf diesem Planeten?

Fragen, mit denen sich viele Gläubige der Region Aachen, aber auch zahlreiche Menschen, die der Kirche und der Religion im allgemeinen nicht sehr nahe stehen, anlässlich der Verleihung des Karlspreises an das erste nicht-europäische Oberhaupt der katholischen Kirche ausführlich beschäftigten.

Dies gilt nicht zuletzt auch für die Mitglieder der „Gesellschaft Erholung Eschweiler“. Die Verantwortlichen der 135 Jahre alten Vereinigung luden mit Dr. Andreas Frick den Ständigen Vertreter des Diözesanadministrators des Bistums Aachen in das Bistro de Ville ein, wo der ehemalige Pfarrer der indestädtischen Gemeinde St. Peter und Paul, der die Karlspreisverleihung in Rom miterlebte, unter der Überschrift „Der Papst, der Karlspreis und die Erneuerung Europas“ seinen Zuhörern die Gedankengänge von Papst Franziskus näherbrachte.

Gegenwärtige Situation

„Nach dem Ausstieg Großbritanniens aus der Solidargemeinschaft der Europäischen Union ist die Frage nach der Zukunft und der Erneuerung Europas natürlich aktueller denn je“, betonte Dr. Andreas Frick gleich zu Beginn seines Vortrags den konkreten praktischen Bezug des Themas zur gegenwärtigen Situation, der weit über theologische Theorien hinausgehe. Doch bevor der Generalvikar seine Zuhörer auf die geistige Reise in den Vatikan mitnahm, rekapitulierte er die Verstehenshinweise des emeritierten Kurienkardinals Walter Kasper, einem engen Vertrauten des Papstes, der am 8. April im Krönungssaal des Aachener Rathauses im Rahmen des Vorprogramms zur Karlspreisverleihung einen Vortrag gehalten hatte: Als Papst, der dem fernen Lateinamerika entstamme und durch seine Herkunft sehr geprägt sei, halte Franziskus den Europäern den Spiegel vor.

Die Welt verändert

Europa habe mit seiner auf Menschenwürde aufgebauten Kultur die Welt verändert und dürfe sich nun den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft nicht verschließen. „Wer Franziskus als Papst verstehen will, muss bedenken, dass dieser sich nach wie vor in erster Linie als Pastor sehe, als Hirte, spirituell erfahrener Seelsorger und Beichtvater“, zitierte Dr. Andreas Frick den emeritierten Kurienkardinal.

Nicht übersehen werden dürfe, dass Franziskus der erste Papst sei, der nach dem 2. Vatikanischen Konzil zum Priester geweiht wurde und somit die Konzilstheologie quasi mit der „theologischen Muttermilch“ aufgesogen habe. „Franziskus ist kein liberaler, sondern ein radikaler Reformer, der von der Wurzel des Evangeliums ausgeht. So fordert er die Bekehrung nicht des einzelnen Christen, sondern der Kirche, des Klerus, des Episkopats und des Papsttums“, interpretierte Dr. Andreas Frick. Den Papst beschäftige der Skandal der Armut in der Welt, den eine dienende Kirche zu bekämpfen habe. Solidarität zwischen den Menschen, die Rechte jedes Einzelnen sowie die Rechte der Völker, ganz besonders der Völker, deren Angehörige in Armut lebten, stünden im Zentrum seines „Prinzips der Barmherzigkeit“. Angesichts des geistigen Weltkulturerbes Europas sei das gegenwärtige Erscheinungsbild Europas aber kein Ruhmesblatt. Der Papst fordere die Europäer auf, Vielfalt nicht als Schwäche zu begreifen, sondern als Reichtum. Entscheidend für die Identität Europas sei daher, sich auf seinen Geist und seine Kultur zu beziehen.

Anschließend blickte der Referent auf die Rede des Papstes zurück, die dieser während des Festakts zur Verleihung des Karlspreises am 6. Mai in der Sala Regia hielt. Dort habe der Papst insistiert, die Idee Europas müsse aktualisiert werden hin zu einem Europa, das imstande sei, der Welt einen neuen Humanismus zu bringen. Die europäische Identität sei, geschuldet der Integration verschiedenster Kulturen, immer dynamisch und multikulturell gewesen.

Die Erkenntnis laute: Das Ganze ist mehr als ein Teil oder die Summe seiner Teile. Die Fähigkeit zum Dialog sei unabdingbar: „Der Frieden wird in dem Maße dauerhaft sein, wie wir unsere Kinder mit den Werkzeugen des Dialogs ausrüsten und sie den guten Kampf der Begegnung und der Verhandlung lehren“, zitierte der Generalvikar das Oberhaupt der katholischen Kirche.

Vor allem durch die Verkündigung des Evangeliums solle die Kirche ihren Beitrag zum Wiederaufblühen Europas leisten. Abschließend ging Dr. Andreas Frick auf die vielbeachteten Äußerungen des Papstes ein, der in Anlehnung an Martin Luther King seine Träume formulierte. Diese beinhalten beispielsweise die Hoffnung auf ein Europa, das das Leben achtet, Hoffnung bietet, den alten und kranken Menschen Wertschätzung entgegenbringt, in dem das Migrantsein kein Verbrechen, sondern eine Einladung darstellt, in dem die Schönheit eines einfachen Lebens nicht von den endlosen Bedürfnissen des Konsumismus beschmutzt wird, das die Rechte des Einzelnen fördert und schützt und in dem der Einsatz für die Menschenrechte nicht an letzter Stelle seiner Visionen steht.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert