Dort fehlt dem Thunfisch das „h“: Wigald Boning im Talbahnhof

Von: Andreas Röchter
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Präsentierte auf der Bühne des Talbahnhofs Erkenntnisse aus 16 Jahren intensivster Forschungsarbeit: Wigald Boning. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Es ist eine noch sehr junge Wissenschaftssparte. Und so wahnsinnig viele Forscher forschen auf diesem Gebiet auch (noch) nicht. Obwohl es vor drei Jahren in Paris zum ersten „Paneuropäischen Einkaufszettel-Sammlerkongress“ mit immerhin zwei Teilnehmern gekommen sein soll.

Dies berichtete zumindest Wigald Boning, Pionier und führender Experte der „Einkaufszettelogie“, der am Dienstagabend auf der Bühne des Talbahnhofs unter der Überschrift „Butter, Brot und Läusespray“ zahlreichen Wissbegierigen die Erkenntnisse aus 16 Jahren intensivster Forschungsarbeit präsentierte.

Dabei wurde mehr als deutlich, dass es weder eine richtige noch eine falsche Rechtschreibung gibt, sondern nur individuelle Schreibweisen. Die Frage, ob es sich bei „Dadeln“ um die wohlschmeckenden Früchte der „Dadelpalme“ handelt, musste allerdings unbeantwortet bleiben. Es ist nichts weniger als der tiefe Blick in die Psyche der Menschheit.

Etwa 1720 Einkaufszettel („Ich muss gestehen, dass ich den Überblick ein wenig verloren habe.“) ihm vollkommen unbekannter Personen hat Wigald Boning seit 1999 in seinen Besitz gebracht. Warum? „Warum nicht?!“, könnte die Reaktion lauten! Doch Wigald Boning hält eine bessere Antwort bereit: „Ich bin 1999 in das Ostallgäu gezogen. Während einer Schlechtwetterperiode und nachdem ich Neuschwanstein bereits gesehen hatte, wurde mir bewusst, dass es dort gar nicht so viel zu tun gibt, wenn man dort wohnt. Als ich dann einen Supermarktleiter aus dem Nachbarort kennenlernte und in Erfahrung brachte, dass das Thema Einkaufszettel marktforschungstechnisch noch gar nicht ergründet ist, kam ich auf die Idee, diese Aufgabe zu übernehmen!“

16 Jahre später ist es nun an der Zeit, Resultate zu präsentieren: So sind Einkaufszettel in die unterschiedlichsten Kategorien einzuteilen! Wigald Boning hat Zettel analysiert, die von Sommer- oder Winterreifen überfahren wurden, Exemplare, die in ihrem Minimalismus bestechen, andererseits aber auch Beispiele, die durchaus unter der Überschrift „Autobiografien“ eingeordnet werden können. Ein Einkaufszettel erweckt auf Grund einiger „wandmalereiähnlichen“ Zeichnungen den Anschein, etwa 30000 bis 40000 Jahre alt zu sein. Weitere Indizien: „Der Inhalt könnte mit Fleisch, Fleisch, Fleisch übersetzt werden, was auf die damals durchaus typische, eher unausgewogene Ernährung schließen lässt. Darüber hinaus lässt sich der Zettel nicht knicken. Dies macht aber gar nichts, schließlich war die Hosentasche noch gar nicht erfunden“, argumentierte der Wissenschaftler schlüssig.

Natürlich lassen Einkaufszettel auch ganz eindeutig auf die Milieus schließen, aus dem die Verfasser stammen. So fand Wigald Boning ein Exemplar mit dem Schriftzug der ehemaligen Deutschen-Angestellten-Gewerkschaft (DAG), auf dem das Wort „Tunfisch“ notiert worden war. „Hierbei handelt es sich um einen jungen Gewerkschaftsfunktionär, der sich auf das Wesentliche konzentriert und das für manche womöglich überflüssige h bereits der Arbeitgeberseite überlassen hat“, so die Schlussfolgerung des Komikers Wigald Boning.

Weitere Tatsachen: Wenn Einkaufszettel nicht für sich selbst, sondern für andere Zeitgenossen verfasst werden, schreiben immer und ausschließlich Frauen für Männer und niemals umgekehrt. Im oberen rechten Eck sind „Kulifunktionstests“ mehr als häufig. Und steht auf dem Zettel der Hinweis „was Wurst“, muss der Schreiber Rheinländer sein, wie ein Fund Wigald Bonings auf einem Supermarktparkplatz in Düren eindrucksvoll unter Beweis stellt. Keine Frage, die eine Hälfte des in den 90er Jahren erfolgreichen Erfolgsduos „Die Doofen“ kennt sich mit den Einkaufszetteln der Republik bestens aus.

Doch in Extremfällen scheitern selbst die fundierten Experten an der Entschlüsselung: Was „2 Fund Gypz für Opa“ bedeuten soll, muss wohl die nachfolgende Generation Einkaufszettelforscher genaustens ergründen.

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