Donnerberg-Kaserne: Auch ein Traumjob ist nichts für die Ewigkeit

Von: Rudolf Müller
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Wachwechsel in der Donnerberg-Kaserne: Am kommenden Mittwoch übergibt Jürgen Werner (links) die Verantwortung für Kaserne und Lehrgruppe A an Thomas Menikheim. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Dass Berufssoldaten in ihren Verwendungsorten ins gesellschaftliche Leben außerhalb ihrer Kasernen bestens integriert sind, das findet man nur selten. Soldaten sind Zugvögel. Alle zwei bis drei Jahre flattert ihnen in der Regel ein Versetzungsbefehl ins Haus.

Und dann heißt´s wieder Koffer packen und andernorts neu anfangen.

Jürgen Eugen Werner ist da eine Ausnahme. Seit 1981 ist der Oberstleutnant und Diplom-Ingenieur auf dem Donnerberg so gut wie zu Hause. Mit Unterbrechungen. Bis 1984 war er hier Hörsaalleiter, von 1990 bis 1992 Hörsaalleiter und Chef der Unterstützungskompanie der Kaserne, von 1995 bis 1999 Inspektionschef. Am 13. Mai 2003 wurde er Kasernenkommandant.

Bis Oktober 2007 fungierte Werner zudem als Kommandeur der Lehrgruppe C - bis zur Umstrukturierung der Schule: Die Technische Schule des Heeres und Fachschule des Heeres für Technik wurde 2007 zur Technischen Schule Landsysteme und Fachschule des Heeres für Technik. Von den Lehrgruppen A, B und C blieben noch die beiden erstgenannten.

Ihre Aufgaben: Aus- und Weiterbildung aller Instandsetzungskräfte, Weiterentwicklung der Instandsetzungsdienste und der Instandsetzungstruppe, Beteiligung in allen Phasen des Rüstungsprozesses, Abnahmen und Durchführung von Einsatzprüfungen, Weiterentwicklung der Instandsetzungstruppe hinsichtlich Materialerhaltung.

Zu den Aufgaben der Lehrgruppe A, die Jürgen Werner unterstellt ist, gehören Führeraus- und -weiterbildung, Arbeitssicherheit und DV-gestützte Betriebsorganisation, Feldwebelausbildung, Feuerwerker- und Kampfmittelbeseitigungsausbildung. Die Lehrgruppe B befasst sich mit Instandsetzung von Fahrzeugen und Gerät der Kampftruppen, Kampfunterstützungstruppen, Truppengattungen der Logistik und querschnittlichen Waffen des Heeres.

Der Diplom-Ingenieur aus der Nähe von Neustadt an der Weinstraße erwies sich als beinahe hellsichtig, als er und seine Frau sich 1990 in Eschweiler ein Haus kauften. „Dass ich so lange an dieser Schule bleibe, war eigentlich nicht vorgesehen”, verweist er auf den üblichen Versetzungsturnus. „Und dass ich auf dem Donnerberg in den Ruhestand treten würde, das habe ich nie erwartet”, sagt Werner heute. Inzwischen weiß er´s besser: Der 8. Dezember - der kommende Mittwoch - ist sein letzter Tag in „seiner” Kaserne.

Das Ende einer Karriere, wie Jürgen Werner sie sich gewünscht hatte: „Hier oben haben sich meine beruflichen Zielvorstellungen erfüllt. Ich empfinde das hier als einen Traumjob.” Einen Job, in dem er stets Wert auf die Einbindung der Kaserne und ihrer Mitarbeiter in die Gesellschaft gelegt hat: „Bei uns gibt es kein Verstecken hinter Kasernenmauern. Ich habe deshalb jede Gelegenheit genutzt, Kontakte herzustellen und zu pflegen.”

Tausende von Lehrgangsteilnehmern hat er kommen und gehen gesehen, sein Stammpersonal hat nicht nur deutsches, sondern auch befreundetes Militärpersonal ausgebildet: Franzosen und Niederländer, Rumänen, Tunesier und Türken, ja sogar Chilenen und Mongolen.

Seit 1990 wohnt Jürgen Werner nicht nur in Eschweiler; er ist hier zu Hause. Ein Pfälzer im Rheinland - das geht ohne Probleme: „Wenn Winzer Durscht haben, trinken die auch Bier”, lacht er.

Dass der engagierte Oberstleutnant, der stets für alle Anliegen ein offenes Ohr hatte, nach seiner Verabschiedung in das gefürchtete „Schwarze Loch” fallen wird, daran ist nicht zu denken: „Mich fit halten und auch etwas für die Birne tun”, lautet sein Vorhaben.

Jürgen Werner ist nicht nur passionierter Heimwerker, sondern will auch seinen sportlichen Leidenschaften mehr Zeit einräumen. Das aber ist nicht alles: Werner, lange Jahre aktiv in der Gemeinschaft katholischer Soldaten und seit sechs Jahren Mitglied der Gesellschaftspolitischen Bildungsgemeinschaft in Eschweiler, war vom vor Lebensfreude nur so strotzenden Behinderten-Jugendcamp der Malteser unter Federführung der quirligen Freifrau von Heeremann vor wenigen Jahren in der Donnerberg-Kaserne so begeistert, dass er sich in Zukunft selbst bei den Maltesern engagieren will. Und der Bundeswehr will er seine Erfahrungen auch als Jungruheständler weiter zu Verfügung stellen. Nicht auf dem Donnerberg, sondern bei Reserve-Verwendungen im Bereich Köln-Bonn-Bad Neuenahr.

Vielseitig erfahren: der „Neue”

Auf dem Donnerberg hat künftig ein anderer das Sagen: Oberstleutnant Diplom-Ingenieur Thomas Menikheim. Der 45-Jährige war zuletzt zweieinhalb Jahre lang Kommandeur eines Instandsetzungsbataillons in Volkach bei Würzburg und hatte zuvor alle wichtigen Verwendungen als Offizier der Instandsetzungastruppe absolviert: Zugführer, technischer Offizier, Kompaniechef, Brigade-Ingenieur, Ausbilder an der Technischen Schule Landsysteme und Fachschule des Heeres für Technik - sprich: in der Donnerberg-Kaserne.

Dass er wie sein Vorgänger nach Eschweiler zieht, das steht nicht zur Debatte. Sein Haus steht seit 15 Jahren im Tauberfränkischen - und das soll auch so bleiben: Dass Menikheim ebenso lange wie Werner dem Donnerberg erhalten bleibt, ist äußerst unwahrscheinlich. Nicht nur, weil sich die von Verteidigungsminister zu Guttenberg angekündigte Verkleinerung der Bundeswehr und die damit einhergehende Umstrukturierung auch schicksalhaft auf die Zukunft der Donnerberg-Kaserne auswirken kann.

Deshalb setzt der „Neue” sich lieber auf sein Motorrad und fährt am Wochenende die 400 Kilometer nach Hause - zu Frau und zwei Kindern, zu seinen Freunden in örtlichen Sportvereinen, mit denen er Fuß- und Volleyball spielt. Und zu den Sportschützen. Empfinden die es nicht als unfair, wenn ein soldatischer „Profi” mit ihnen in Wettstreit tritt? „Ganz und gar nicht”, lacht Menikheim: „Den Sportschützen habe ich mich angeschlossen, weil ich bei der Bundeswehr im Schießen so schlecht war...”

Seine neue Aufgabe als Kasernenkommandant und Kommandeur der Lehrgruppe A der Donnerberg-Kaserne sieht er als „interessante Tätigkeit: Ich habe viele Soldaten in den Einsatz geschickt - jetzt sehe ich es als meine Aufgabe an, meine Erfahrungen aus den Einsatzländern hier in die Lehre einfließen zu lassen.”

Die Lerninhalte stehen fest, die Art des Unterrichtens aber kann durchaus variieren. Einig ist sich Thomas Menikheim mit Jürgen Werner, dass auch die Ausbildung und Lehre in der Bundeswehr sich in den zurückliegenden Jahren gründlich gewandelt haben: „Vor dem Befehl muss heute ein gutes Stück Arbeit in Erziehung investiert werden. Die Soldaten müssen zur Einsicht gebracht werden, warum bestimmte Dinge so und nicht anders erfolgen müssen.”

Thomas Menikheim wünscht sich für „seine” Soldaten, dass der Standort Donnerberg ohne Einschränkungen erhalten bleibt. Gleichwohl ist er offen für Neues: „Was den Karneval in Eschweiler angeht - da muss mich jemand an die Hand nehmen.”
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