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Digitale Medien in der Grundschule: Interaktiver Stift ersetzt die olle Kreide

Von: Anne Rossow
Letzte Aktualisierung:
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Schulleiterin Marianne Schneiders (links), Medienbeauftragte Gisela Feucht (Mitte) und Lehrerin Claudia Lengfeld (rechts) von der KGS Don Bosco in Eschweiler. Im Unterricht wird das Whiteboard gerne eingesetzt.

Eschweiler. Im Grundschulunterricht werden neue Medien immer häufiger eingesetzt. Dabei bieten unter anderem Computer und interaktive Whiteboards viele Möglichkeiten. Doch wie genau werden die neuen Medien in den Grundschulunterricht integriert und für welche Aufgaben werden sie dort eingesetzt?

Sowohl die Evangelische Grundschule Stadtmitte Eschweiler als auch die Katholische Don-Bosco-Grundschule in Eschweiler besitzen bereits digitale Tafeln, sogenannte interaktive Whiteboards. Bedient werden sie mit einem digitalen Stift oder aber mit der Hand. Die Lehrer der Grundschulen hatten bereits eine Fortbildung zu den neuen Tafeln und haben den Umgang mit den Geräten und den Programmen gelernt.

Die EGS hat derzeit ein elektronisches Whiteboard im Computerraum der Schule stehen. Dieses werde in verschiedenen Fächern eingesetzt. Im Unterricht können beispielsweise interaktive Tafelbilder aufgerufen werden, erzählt die Lehrerin und Medienbeauftragte der EGS Stadtmitte, Jutta Kaldenbach. Diese dienen zum einen der Veranschaulichung, zum anderen können die Kinder selber an die Tafel, um dort Aktionen auszuüben. Auch das Arbeiten in Kleingruppen sei damit gut möglich und sehr motivierend, ergänzt sie.

Die KGS Don Bosco besitzt momentan zwei interaktive Tafeln. Diese werden unter anderem für verschiedene Lernaufgaben im Mathematik- und Deutschunterricht oder für das Abspielen von Filmen eingesetzt. Mittlerweile gibt es zu den klassischen Schulbüchern auch die passenden Lernaufgaben für das Whiteboard.

Mit dem interaktiven Whiteboard können die Aufgaben im Unterricht gemeinsam bearbeitet, besprochen und abgespeichert werden. Ebenso können die Schüler Präsentationen über das digitale Whiteboard der Gruppe vorstellen, berichtet die Lehrerin und Medienbeauftragte der Don-Bosco-Schule, Gisela Feucht.

Grundlegende Funktionen

Jede Grundschule habe die Aufgabe, den Kindern den kompetenten Umgang mit den Medien beizubringen, erklärt Jutta Kaldenbach. Laut dem Lehrplan für Grundschulen in NRW sollten Grundschüler bis Ende des zweiten Schuljahres Texte am Computer schreiben und bearbeiten können, berichtet Gisela Feucht. Im dritten und vierten Schuljahr sollten die Kinder zudem verstärkt Recherche im Internet betreiben können, erläutert sie. Ebenso müssen die Schüler über die Gefahren im Internet informiert werden.

Beide Schulen verfügen jeweils über einen Computerraum. Man müsse den Kindern den „richtigen Umgang mit dem PC vermitteln“, sagt Jutta Kaldenbach. Das bedeutet, den Grundschülern nicht nur den Umgang mit den Lernprogrammen beizubringen. Es gehören genauso die grundlegenden Funktionen, wie das Anmelden am Computer, den Benutzernamen wählen, Texte schreiben und Dokumente speichern dazu, erläutert Gisela Feucht.

Die Kinder wachsen heutzutage mit Medien auf. Dementsprechend könne man vermuten, die Schüler besäßen bereits die nötigen Kenntnisse und Kompetenzen im Umgang mit den neuen Medien. Dies ist jedoch nur teilweise der Fall. Gisela Feucht erzählt, dass einige Schüler stolz sagen: „Wir kennen uns mit Computern aus.“ Dabei meinen die Kinder häufig das Spielen am Computer. Allerdings sollen sie auch kompetent mit den Medien lernen und arbeiten können.

Auch mit einem Tablet verbinden viele Kinder gleichzeitig Apps und Spielen, erklärt Jutta Kaldenbach. Man müsse den Schülern die pädagogisch interessanten Seiten der Mediennutzung zeigen. Die Kinder sollten die Medien auch zu Hause sinnvoll nutzen und wissen, welche Möglichkeiten beispielsweise ein Computer bietet, ergänzt die Lehrerin der EGS Stadtmitte.

Die Medien sind ein „ganz wichtiges Thema“ bei den Kindern, erzählt Jutta Kaldenbach. Auch an der Don-Bosco-Schule rede man mit den Schülern immer wieder über die Medien, betont Gisela Feucht. Obwohl die digitalen Medien vielfältige Möglichkeiten bieten, birgt die Nutzung auch ihre Gefahren. Es wäre „fahrlässig, sie damit alleine zu lassen“, so Jutta Kaldenbach. Auch Lehrerin Claudia Lengfeld von der Don-Bosco-Schule ist es wichtig, dass die Kinder „sensibilisiert werden“ für die möglichen Gefahren.

Beispielsweise erkläre sie den Schülern, dass sie ihre persönlichen Daten, wie ihre Handynummer oder Adresse, nicht einfach weitergeben sollen, erläutert sie. Aber auch das Thema Bildrecht sei im Zeitalter von Whatsapp und sozialen Netzwerken ein Thema, ergänzt Gisela Feucht. „Es gehört einfach zur heutigen Gesellschaft dazu“, sagt Claudia Lengfeld.

Hauptschüler als Paten

Die EGS Stadtmitte hat seit dem 2. Halbjahr ein gemeinsames Projekt mit der Hauptschule Eschweiler. Zwei Klassen der Grundschule arbeiten einmal in der Woche mit zwei Klassen der Hauptschule zusammen. Die Hauptschule habe einen gut ausgestatteten Computerraum, so dass das Treffen immer dort stattfindet. Im besten Fall gebe es für jeden der etwa 44 Grundschulkinder einen Hauptschüler als Paten.

Die Kooperation soll die Kinder in die Lernprogramme für verschiedene Fächer, zum Beispiel Deutsch und Mathematik, am Computer einführen. Die Grundschüler lernen von den Hauptschülern ebenso Grundkenntnisse. Beispielsweise wie man sich am Computer anmeldet, dass Passwörter benötigt werden und sie sich diese auch merken müssen, erläutert Jutta Kaldenbach das Projekt.

An der offenen Ganztagsschule der KGS Don Bosco wird eine Computer-AG sowie eine Schulheft-AG angeboten. In der Schulheft-AG arbeiten die Kinder beispielsweise an einem Hausaufgabenheft in Verbindung mit einer Schulzeitung, sagt Claudia Lengfeld. Die Schüler schreiben eigene Texte, führen Interviews und fügen Bilder ein.

Die Texte tippen sie am Computer selber ab und können die Schriftart und Schriftgröße individuell ändern. Nach Fertigstellung werden die gesammelten Beiträge zu einem gemeinsamen Schulheft zusammengefügt und anschließend gedruckt. Außerhalb der Schulheft-AG kreieren die Schüler des vierten Schuljahres zudem eine eigene Klassenzeitung zum Schulabschluss.

Die neuen Medien tragen zu der Motivation der Kinder bei. Die Motivation der Schüler sei zu Beginn ziemlich hoch, sagt Jutta Kaldenbach. Der Unterricht sei generell interessanter mit Medien und die „Motivation ist auf jeden Fall da“. Dies merke man vor allem bei den Lernprogrammen und dem Projekt mit der Hauptschule Eschweiler. Claudia Lengfeld, Lehrerin an der Don-Bosco-Grundschule, hat ebenfalls den Eindruck, dass die Kinder „wesentlich motivierter“ sind. Sie arbeiten und recherchieren gerne im Computerraum.

Individuelle Förderung

Die individuelle Förderung der Kinder sei ebenso wichtig wie das soziale Lernen. Beispielsweise können sich die Kinder bei Lernprogrammen auch gegenseitig helfen, indem sie ihren Mitschülern Funktionen erklären. Mit dem Einsatz interaktiver Bücher können die Grundschüler zudem individuell gefördert werden. Vor allem für Seiteneinsteiger und Kinder mit Lernschwierigkeiten sei diese Art des Lernens sehr hilfreich, berichtet Jutta Kaldenbach.

Auch an der Don-Bosco-Schule können ausländische Kinder oder Kinder, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, mit Hilfe von Computerprogrammen beispielsweise Deutsch lernen. Die Kinder können sich über Kopfhörer deutsche Wörter anhören und am Computer eintippen, bis das Wort entsteht, sagt die Schulleiterin der Don-Bosco-Schule, Marianne Schneiders.

Die Medien bieten also viele Möglichkeiten, die Kinder individuell zu fördern. Gisela Feucht bestätigt: Diese Art des Lernens ist „für Flüchtlingskinder ideal“. Die Leseförderung mit der Plattform „antolin“ wird ebenfalls an beiden Schulen umgesetzt. An dieser Förderung nehmen alle Kinder der Schulen teil.

Die Lehrer der EGS sind gegenüber den neuen Medien „grundsätzlich aufgeschlossen“. Auch die Lehrer an der Don-Bosco-Schule stehen dem Einsatz neuer Medien im Unterricht positiv gegenüber. Manche Lehrer kennen sich mit den neuen Medien bereits besser aus und unterstützen die anderen Kollegen. Kenne sich ein Lehrer beispielsweise mit bestimmten Programmen oder Funktionen der Medien aus, dann gebe er die Kenntnisse den anderen Lehrern weiter oder übernehme auch mal eine Aufgabe, erzählen die Lehrerinnen.

Technik muss funktionieren

Der entscheidende Punkt für einen gelingenden Unterricht mit Medien ist: „Man braucht gut funktionierende Technik“, sagt Jutta Kaldenbach. Das bedeutet, man brauche das nötige Equipment, „das einwandfrei funktioniert“, damit die Unterrichtszeit aktiv genutzt werden kann, ergänzt die Grundschullehrerin. Auch die Lehrerin und Medienbeauftragte der Don-Bosco-Grundschule in Eschweiler, Gisela Feucht sagt: „Wichtig ist, dass die Technik funktioniert.“ Wenn dies gegeben sei, biete der Einsatz von digitalen Medien im Unterricht viele Möglichkeiten, berichten beide Schulen.

Jedoch müsse man auch bedenken, dass Kinder viele Bedürfnisse haben und Aufmerksamkeit brauchen, erklärt Jutta Kaldenbach von der EGS Stadtmitte. „Viele Sinne müssen angesprochen werden“, ergänzt die Grundschullehrerin. Es müsse vernünftig überlegt werden, welcher Medieneinsatz wirklich sinnvoll ist. Medien sollten daher als Unterstützung dienen.

Kinder bräuchten ebenso die Erfahrungen in der Umwelt, und diese könne ein PC nicht ersetzen. Handlungsorientierter Unterricht sei demnach immer noch wichtiger Bestandteil. Die digitalen Medien haben ihren Stellenwert und ihre Berechtigung, sagt sie: „Aber alles in Maßen“. Die Kinder sollten mit verschiedenen Aufgaben an die Medien herangeführt werden, so dass ihre Medienkompetenz gestärkt und gefördert sowie ihre Motivation erhöht werde, erklärt Jutta Kaldenbach.

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