Eschweiler - Die Zivis sind weg, die Bufdis sind da

Die Zivis sind weg, die Bufdis sind da

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
Alexandra Reiche und ihr Kolle
Alexandra Reiche und ihr Kollege Lukas Friese: Die beiden 20-Jährigen absolvieren bei der Feuerwehr den Bundesfreiwilligendienst. Dort sind sie in erster Linie für Krankentransporte zuständig. Foto: Andreas Gabbert

Eschweiler. Das hatte sich Alexandra Reiche schwieriger vorgestellt. Anfangs hatte sie noch Bedenken, wie die Kollegen sich wohl verhalten würden und ob sie als einzige Frau im Kreis der Feuerwehrmänner akzeptiert würde. „Hier sind alle locker und lieb”, sagt sie heute.

Die junge Frau fühlt sich im Kreis ihrer männlichen Kollegen auf der Feuerwache Eschweiler angenommen und akzeptiert. „Ich finde es nicht schlimm, allein unter den Jungs zu sein. Eigentlich ist es ganz angenehm. Ich habe das Gefühl, ich bring hier etwas Ruhe rein”, verrät sie mit einem Lächeln im Gesicht.

Bislang hatten sich nur einige Praktikantinnen in die Feuerwache verirrt. Alexandra ist die erste Frau, die längere Zeit bei der Eschweiler Feuerwehr arbeitet. Wehrleiter Axel Johnen hat sie bereits von ihren Fähigkeiten und ihrem Einsatzwillen überzeugt. Dabei war ihr neuer Chef zunächst skeptisch, ob sie die Anforderungen erfüllen könne und wie sie sich in das Leben auf der Wache integrieren würde. „Ich bin sehr positiv überrascht. Sie steht hier ihren Mann”, sagt Johnen.

Die 20-Jährige leistet den Bundesfreiwilligendienst, der nach dem Wegfall der Wehrpflicht und des Zivildienstes auch Frauen und älteren Menschen die Möglichkeit gibt, sich außerhalb von Schule und Beruf für einen Zeitraum zwischen sechs und 24 Monaten zu engagieren. Viele Aufgaben, die vorher von Zivis geleistet wurden, werden jetzt von den so genannten Bufdis übernommen.

Extreme Situationen

Nachdem Alexandra im Sommer ihr Fachabitur in der Tasche hatte, war sie erstmal ratlos. Sie wusste nicht, was sie tun, welche Richtung sie einschlagen sollte. Etwa zeitgleich startete der Bundesfreiwilligendienst. „In den Medien war überall die Rede davon, da hab ich mir die Internetseite mal angesehen”, erinnert sie sich. Dort fand sie verschiedene Angebote in der Region. Wobei ihr klar war, dass sie nicht im Pflegebereich oder mit Kindern arbeiten möchte. Für sie stand fest: „Ich will zur Feuerwehr.” Dort könne man anpacken und erlebe auch extreme Situationen, in denen man gefordert werde. „Ich mag mehr Aktion”, sagt Alexandra und grinst dabei. Die Feuerwehr hatte eine Stelle für Krankentransporte ausgeschrieben, und da Alexandra sich, seit sie zwölf Jahre alt war, beim Deutschen Roten Kreuz engagiert, dachte sie, das ist etwas für mich. „Ich hab so ein Helfer-Syndrom - typisch Frau halt.”

Seit dem 1. September fährt die junge Frau aus Jülich-Mersch nun in der Indestadt Krankenwagen. Ein erfahrener Kollege ist immer dabei. Einer fährt, und der andere kümmert sich um den Patienten. Manchmal werden die Bufdis auch als so genannte First-Responder eingesetzt. Das heißt, wenn bereits alle Rettungswagen im Einsatz sind, werden sie losgeschickt, damit der Patient nicht lange warten muss.

Im Gegensatz zu Lukas Friese, dem anderen Bufdi der Eschweiler Feuerwehr, ist sie bei solchen Blaulichteinsätzen schon öfter mitgefahren. Von schlimmen Erlebnissen ist sie aber bislang verschont geblieben. Aber auch die würde sie nicht scheuen. „Ich würde schon gerne alles erleben, dafür bin ich ja hier”, sagt sie. Lukas ist da etwas zurückhaltender: „Geht nicht, gibt es nicht. Aber man muss auch nicht alles haben”, sagt der junge Mann.

Er hatte sich im Sommer auf mehrere Studienplätze beworben, wurde aber erst im Nachrückverfahren berücksichtigt. Also suchte Lukas eine Alternative und wurde wie Alexandra auf der Internetseite des Bundesfreiwilligendienstes fündig. „Das ist eine gute Sache, weil man die Möglichkeit hat, Zeit zu überbrücken und dabei etwas Sinnvolles zu machen”, sagt der 20-Jährige. Mittlerweile hat der junge Eschweiler die Zusage für einen Studienplatz im Bereich der Luft- und Raumfahrtechnik in Aachen. Lukas will sich aber auch noch für den Studiengang Rettungsingenieurwesen in Köln bewerben.

Erfüllt sich der Traum?

Neben den Krankentransporten werden die Bufdis auch für Arbeiten auf der Wache eingesetzt und lernen so den Betrieb kennen. Als Entlohnung erhalten sie ein Taschengeld in Höhe von 336 Euro, hinzu kommen Zuschüsse für Kleidung, Unterkunft und Verpflegung. Alexandra und Lukas sind damit zufrieden. Um ein Jahr zu überbrücken, halten sie die Bezahlung für angemessen. „Das ist besser als zu Hause rumzusitzen, da bekommt man gar kein Geld”, sagt Alexandra.

Für sie hat sich ihre zwölfmonatige Verpflichtung bereits ausgezahlt. Sie weiß jetzt ganz genau, was sie machen möchte. „Ich will Feuerwehrfrau werden.” In ihrem Heimatort will sie nun der Freiwilligen Feuerwehr beitreten. Noch in diesem Monat wird sie in Düsseldorf an einem Sporttest teilnehmen, um ihre Eignung für die Berufsfeuerwehr unter Beweis zu stellen. Wenn der Test gut verläuft, entscheidet sich anschließend im Bewerbungsgespräch, ob sich ihr Traum erfüllt.

Axel Johnen würde sie am liebsten gleich auf „seiner” Wache halten. Früher habe man auch viele Zivis übernommen, der Zivildienst sei oft der Einstieg in den Dienst bei der Feuerwehr gewesen. „Da lernt man die Leute kennen und kann sie besser beurteilen. Für beide Seiten ist das eine gute Kennenlernmöglichkeit”, erklärt er. Leider kann Alexandra ihre Ausbildung aber nicht in Eschweiler absolvieren. Hier dauert sie 18 Monate und Voraussetzung ist eine handwerkliche Ausbildung, die Alexandra nicht vorweisen kann. Deshalb hat sie sich in Düsseldorf beworben, wo die Ausbildung drei Jahre dauert, aber keine abgeschlossene Lehre vorausgesetzt wird. „Wenn wir danach eine Stelle frei haben, ist sie gerne wieder willkommen”, sagt Johnen.

Beim Bundesfreiwilligendienst sind für Eschweiler folgende Einsatzstellen gemeldet: Astrid-Lindgren-Schule (2), Senioren- und Betreuungszentrum der Städteregion (2), St.-Antonius-Hospital (1), Kinder- und Jugendtreff Oase (1), Städtische Feuerwache (3), Wohnhaus Kolpingstraße (1).
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