Eschweiler - Die Spannung über den 25 Brettern wird fast unerträglich

Solo Star Wars Alden Ehrenreich Kino Freisteller

Die Spannung über den 25 Brettern wird fast unerträglich

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
Letzte Aktualisierung:
Entschied das Turnier klar fü
Entschied das Turnier klar für sich: Elisabeth Pähtz, Deutschlands Schach-Ass Nr. 1. Foto: Ebbecke-Bückendorff

Eschweiler. „Der Schachclub Eschweiler hat sich achtbar geschlagen!” hieß das Resümee, das Schachsammler und Mitorganisator Siegfried Tschinkel nach fünf anstrengenden Turnierstunden zog.

Das Simultanschach-Turnier des Eschweiler Schachclubs von 1921, bei dem am Sonntag Deutschlands beste Schachspielerin Elisabeth Pähtz gegen die 25 besten Eschweiler Schachspielerinnen und Schachspieler antrat, gewann die Internationale Meisterin mit 20,5 zu 4,5 Punkten.

Schach ist ein leiser Sport. Auch wenn die Luft vor Spannung knistert. Spieler und Zuschauer unterhalten sich nur flüsternd. Kein Freudenschrei bei einem Sieg, nur ein Handschlag zwischen den Gegnern. Als Eschweilers Spitzenspieler Marcel Singh als Erster ein Remis gegen die frühere Juniorenweltmeisterin schafft, signalisiert er seinen Erfolg nur mit einem Lächeln und zwei gekreuzten Fingern als Antwort auf den fragenden Blick eines Mitspielers. Aber bei aller Zurückhaltung: Die Spannung im Konferenzraum der Eschweiler RaiffeisenBank ist fast unerträglich. Joszef Acs, Kantor an St. Peter und Paul und Hobby-Schachspieler, muss zwischendurch einmal aufspringen: „Das ist so aufregend, ich werd noch verrückt!”

Beim Simultanschach tritt ein hochrangiger Spieler (oder wie in diesem Fall eine Spielerin) gegen mehrere Gegner gleichzeitig an. In diesem Fall gleich gegen 25. Das steigert die Chancen der Gegner, denn die Matadorin muss die Stategien und Kombinationen für viele Spiele gleichzeitig im Kopf haben und sich immer wieder schnell neu einstellen. Die kleinste Unachtsamkeit kann ein Spiel kippen. Deshalb bauen Simultanspieler bevorzugt sichere Stellungen auf und erarbeiten sich aus ihrer großen Strategiekenntnis heraus Vorteile.

Nicht so die junge Erfurterin. „Sie spielt enorm aggressiv!” staunt Gerd Hüskens, der Vorsitzende des Eschweiler Schachclubs, und das bestätigen viele andere Teilnehmer. „Man kommt kaum dazu, sich eine Stellung aufzubauen, schon greift sie an.” Manchmal sogar mit Opferkombinationen. Einigen Spielern steht Schweiß auf der Stirn.

Runde um Runde dreht Elisabeth Pähtz durch den Raum, geht von Brett zu Brett. Bei manchen Gegnerinnen oder Gegnern bleibt sie kaum stehen, zieht fast im Vorbeigehen eine Figur. Bei anderen stützt sie sich auf der Tischkante auf, blickt ernst und konzentriert auf die hellen und dunklen Felder, legt den Zeigefinger an die Lippen. Einer der Gegner, bei denen sie schon nach den ersten Zügen immer wieder nachgrübelt, ist Tobias Schüller. Er fixiert die Meisterin wie bei einem Duell, wenn sie vor sein Schachbrett tritt. Am Ende wird er einer der beiden Spieler sein, die gegen Elisabeth Pähtz gewinnen.

Der erste Eschweiler, der nach immerhin anderthalb Stunden und 19 Zügen aufgibt, ist Frank Enders. Mit einem „Ich möchte mich nicht länger quälen lassen” reicht er der 26-jährigen Star-Schachspielerin die Hand. Die nächsten Niederlagen folgen schnell. Aber bei einer Handvoll Spielern muss Pähtz immer wieder nachgrübeln. Sie dreht beim Denken eine bereits geschlagene Figur in der Hand, lässt die andere Hand lange über der Figur schweben, die sie ziehen möchte. Ihre Gegner haben den Vorteil, dass sie länger überlegen können, auch wenn die Runde nach den ersten Niederlagen kürzer wird.

Als kurz vor 16 Uhr, fast fünf Stunden nach dem Turnierstart, die letzten Figuren auf den Schachbrettern gezogen werden, haben fünf Spieler des Schachclubs ein Remis erreicht: Marcel Singh, Josef Kaluza, Nils Henrotte, Marc Wagemann unf Stephan Rinner. Und zwei haben die stärkste deutsche Schachspielerin besiegt: Ulrich Spies und Tobias Schüller.

Mit dem Simultan-Turnier beschenkte der Eschweiler Schachclub zu seinem 90-jährigen Bestehen sich selbst und seine Mitglieder. Für die Raiffeisen-Bank als Mitausrichter und Sponsor hatte Bankvorstand Bernd Schendzielorz Elisabeth Pähtz und die anderen Turnierteilnehmer begrüßt. Er ließ sich keine Minute des Schachsportereignisses entgehen.

Pähtz selber hat das Turnier in Eschweiler „einen Riesenspaß gemacht”. Noch am Sonntagabend reiste sie nach Erfurt zurück. Für ein paar Stunden. Denn am Montag flog sie zu einem Turnier nach Peking.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert