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Die richtigen Worte fehlen: Bei Bedarf „Freie Rednerin“ buchen

Von: ran
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Sie bietet Menschen Alternativen, außergewöhnliche Momente zu wirklich unvergesslichen Augenblicken werden zu lassen: Sabine Leisten hat als „freie Rednerin“ bei diversen Anlässen ihre Berufung gefunden. Foto: privat

Stolberg/Eschweiler. Den im wahrsten Sinne des Wortes perfekten Ton in außergewöhnlichen Momenten zu treffen, ist nicht jedermanns Sache. Für Sabine Leisten ist es Berufung! Die in Aachen-Burtscheid stammende Indestädterin ist als „freie Rednerin“ tätig und hat es sich zur Aufgabe gemacht, alternative Hochzeiten, Willkommensfeiern oder spezielle Jubiläen zu unvergesslich schönen Stunden werden zu lassen.

Doch die zweifache Mutter begleitet Menschen nicht nur in den „sonnigen“ Augenblicken des Lebens: Die würdevolle Gestaltung von Trauerzeremonien zählt ebenso zum Repertoire von Sabine Leisten. Dabei bedient sie sich warmherziger Worte und/oder mitfühlender Lieder. Denn auch und nicht zuletzt der Gesang zählt zu den Leidenschaften und den Talenten der Rückkehrerin, die nach 15 Jahren, die sie in der Umgebung von Hamburg verbrachte, seit Januar 2015 mit ihrer Familie in Hastenrath lebt.

 

„Ich liebe meine Arbeit!“, lässt die freie Rednerin keinerlei Zweifel zu, wenn es um ihren Traumberuf geht, den sie seit nunmehr vier Jahren ausübt. Wobei der Weg dorthin nicht vollkommen gerade verlief. Zehn Jahre lang war der Schreibtisch der Hauptarbeitsplatz der gelernten Bürokauffrau, die als Sängerin aber für viele Hochzeiten gebucht wurde. Und dort für sich feststellte: „Viele Menschen, die kirchlich heiraten, haben darüber hinaus keine Verbindung mehr zur Kirche und tun dies mangels Alternative. Und genau eine solche möchte ich zur Verfügung stellen.“

Recht schnell wurde aus dem Gedanken, traditionelle Feste alternativ zu gestalten, ein konkreter Berufswunsch. Dieser verfestigte sich noch, als sie im Jahr 2011 an einem Treffen freier Redner in Hamburg teilnahm. Kurz darauf folgte ihre erste Rede während der Hochzeit ihres Bruders.

Zu ihren „Hochzeitskunden“ zählen inzwischen selbstverständlich auch geschiedene und gleichgeschlechtliche Paare sowie Menschen mit unterschiedlichen Glaubensrichtungen oder Nationalitäten. Schließlich gehört zum Angebot der ehemaligen Liebfrauenschülerin auch, die Zeremonie der Hochzeit komplett in englischer Sprache auszurichten.

„Mein Ziel ist es, dass während der Zeremonie aller Stress vom Hochzeitspaar abfällt und sich völlige Entspannung einstellt. Deshalb nehme ich das Zepter in die Hand. Wobei alles andere als ein Monolog meinerseits stattfindet. Vielmehr soll sich ein Gespräch zwischen dem Paar und mir, aber auch zwischen den Gästen und mir entwickeln“, erläutert Sabine Leisten. „Wichtig ist mir auch, dass sich das Brautpaar und die Gäste anschauen können!“, ergänzt sie. Im Mittelpunkt ihrer Ausführungen stehe natürlich die „Love-Story“ zwischen den beiden Hauptpersonen des Tages.

„Doch auch grundsätzliche Gedanken zu den Themen Liebe, Ehe und Beziehung kommen während der Zeremonie, die in den meisten Fällen zwischen 45 und 60 Minuten dauert, zur Sprache. Ist der letzte Satz gefallen, sollten die Zuhörer das Paar besser kennen als zuvor“, nennt die freie Rednerin einen ihrer Grundsätze. So sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt: „Jeder darf sich einbringen. Die Schwester der Braut, die virtuos Blockflöte spielt, genauso wie die 14-jährige Tochter des künftigen Ehepartners mit einer Klavier- oder Tanzeinlage.“ Und welche Hochzeiten stachen bisher besonders heraus? „Es gab die Heirat eines Paares, dass sich nach 25 Jahren Partnerschaft mit drei Kindern traute, sich zu Ehren ihres Lieblingskinofilms „Fluch der Karibik“ im Piratendress das Ja-Wort zu geben.

Sehr emotional war die Zeremonie, während der der Bräutigam auch seinen Kindern als Zeichen der Liebe und Verantwortung, die er für sie empfindet, Ringe überstreifte“, erinnert sich Sabine Leisten unter anderem an sehr individuelle Rituale.

Der Verantwortung, die sie trägt, ist sich Sabine Leisten absolut bewusst: „Meine Kunden vertrauen mir einen Tag an, der im Falle von Hochzeiten oder Willkommensfeiern (alternative Taufen) zu den hoffentlich schönsten, im Falle eines Trauerfalls aber wohl auch zu den schwersten ihres Lebens zählt“, weiß die 37-Jährige. Deshalb lautet ihr Credo, sich Zeit zu nehmen.

„Vor einer alternativen Hochzeit finden zwei Gespräche mit dem Paar statt. Das erste dauert ein bis zwei Stunden, das zweite wesentlich länger, wobei der Rekord bei bisher sechs Stunden liegt. Für die Ausarbeitung der Rede stehen in der Regel dann noch einmal vier bis sechs Stunden zu Buche.“ In den Blickpunkt rücke dabei, das Einzigartige an den Menschen, denen sie ihre Rede widmet, herauszuarbeiten.

Dies gelte nicht zuletzt auch für Trauerzeremonien: „Im Idealfall gelingt es, den Hinterbliebenen zu vermitteln, auch glücklich darüber zu sein, was war, statt ausschließlich darüber nur traurig, was nicht mehr ist“, so Sabine Leisten, auf die in absehbarer Zeit eine sogar für sie ungewöhnliche Rede wartet. „Meine Eltern haben vor 45 Jahren kirchlich geheiratet und wollen nun ihr Treueversprechen wiederholen!“

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