Die Metaller sehen wieder Anzeichen einer neuen Krise

Von: mic
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Gruppenbild mit Dame: Der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Stolberg, Helmut Wirtz (links), und die Sekretäre Martin Peters und Georg Moik (rechts) hießen Bezirkssekretärin Elin Dera im Eschweiler Talbahnhof willkommen. Foto: Michael Cremer

Eschweiler/Stolberg. Wenn Märkte einbrechen und Regierungen milliardenschwere Rettungsschirme aufspannen, während Finanzjongleure weltweit weiter Roulette spielen, dann ist Gefahr im Verzug. Das weiß Helmut Wirtz.

Und er weiß, dass Krisen ganz schnell unten ankommen können. In Eschweiler, in Stolberg und anderswo. Der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Stolberg nutzte die Delegiertenversammlung am Donnerstag, um die Kollegen auf ein mögliches Szenario vorzubereiten, das die große Krise 2008/2009 noch in den Schatten stellen könnte.

Mehrere Faktoren hat (nicht nur) Wirtz ausgemacht, aus denen „die Unsicherheit an den Kapital- und Rohstoffmärkten” resultiere. Zum einen seien dies die „politischen Instabilitäten in der Eurozone” selbst. „Die Schuldenkrisen in vielen Ländern sind nicht bewältigt.” Und in Bezug auf das jüngste Beispiel Griechenland stelle sich „unser Land in der Führung uneinheitlich dar”.

Ein zweiter Punkt sei die nachlassende wirtschaftliche Dynamik in wichtigen Nationen wie China und den USA. Sinkende Exporte in diese Länder bedeuteten zwangsläufig auch „weniger Beschäftigung an unseren Standorten”. Zu alldem gesellen sich laut Wirtz „die ungelösten politischen Krisen in vielen Erdöl exportierenden Ländern”. Zusammengenommen werde all dies „in nächster Zeit auch Auswirkungen auf unsere Wirtschaft und somit unsere Beschäftigten haben”.

Helmut Wirtz betonte im Talbahnhof, dass die IG Metall zurzeit Vorschläge erarbeite, die man im Fall des Falles der Bundesregierung unterbreiten werde. Als wichtigstes Instrument nannte er das verlängerte Kurzarbeitergeld, „jenes Instrument, um das uns alle beneidet haben”. „Politisch unfassbar” sei es deswegen, dass der aktuelle Kabinettsentwurf der Bundesregierung vorsehe, das Programm „Kurzarbeit plus” zum Jahresende ersatzlos zu streichen: „Das Beste, was wir haben, geben wir aus der Hand.”

Auch im Bereich der Verwaltungsstelle Stolberg, die rund 50 Betriebe der Metall- und Elektroindustrie sowie des Handwerks vornehmlich in Eschweiler, Stolberg und der Eifel betreut, seien Anzeichen einer Krise zu spüren. So blieben in Unternehmen die Nachfolgeaufträge aus. Eine ihrer Kernaufgaben, der Einsatz gegen Leiharbeit und für unbefristete Arbeitsverhältnisse, habe die IG Metall auch im zurückliegenden Quartal wahrgenommen. Wirtz nannte Beispiele aus Unternehmen, in denen die Gewerkschaft in Zusammenarbeit mit den Betriebsräten Arbeitnehmerinteressen vertreten habe. So habe man etwa die Geschäftsführung von KME Stolberger Metallwerk überzeugen können, von „überzogenen Produktivitätssteigerungen” abzusehen.

Eine weitere Herausforderung ist der von der Stolberger CAE angekündigte Abbau von 145 Stellen. Erklärtes Ziel der IG Metall sei es, möglichst viele dieser Arbeitsplätze zu erhalten und für Betroffene sozialverträgliche Lösungen zu finden. Seit vergangenem Herbst betreuen Gewerkschaftssekretär Martin Peters und Bezirkssekretärin Elin Dera den dortigen Betriebsrat. Wie sehr das Engagement der Gewerkschaft dort geschätzt wird, lässt sich daran ablesen, dass laut Dera im laufenden Jahr über 20 Ingenieure von CAE der IG Metall beigetreten sind. Dass dies keine Einzelfälle sind, belegte die Sekretärin des Bezirks NRW im Vortrag „Ingenieure und Technische Experten - Die unbekannten Wesen?”.

Landauf, landab bemüht sich die IG Metall um Angestellte und insbesondere um Ingenieure, eine Berufsgruppe also, die nicht zum traditionellen Klientel von Gewerkschaften zählt. Offenbar tragen die Bemühungen Früchte. Über Zulauf freut sich speziell die IG Metall Stolberg. Die Zahl der Mitglieder stieg auf 5350, darunter sind etwa 3100 Vollzahler.
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