Die Linke: Von christlichen Werten und dem Grundeinkommen

Von: Patrick Nowicki
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In der ehemaligen Kapelle findet er einen Rückzugsort: Der Landtagskandidat Albert Borchardt der für die Partei Die Linke antritt. Foto: Patrick Novicki

Eschweiler. Zwischen den zahlreichen Farbtöpfen, Pinseln und bemalten Leinwänden im Atelier von Albert Borchardt stehen die letzten Wahlplakate. „Die müssen noch verteilt werden“, sagt der Eschweiler Künstler, der zum zweiten Mal als Bewerber der Linken für den Landtag kandidiert.

Der Raum mit seinen Säulen und dem Gewölbedach diente einst als Kapelle im Haus Palant, einem ehemaligen Rittergut in Eschweiler-Weisweiler. Dorthin zieht sich Borchardt gerne zurück, auch „um über politische Dinge nachzudenken“.

Dass er fest mit seinem Wohnort verwurzelt ist, unterstreicht die Wahl seines Lieblingsortes. Zudem sitzt er für die Partei im Rat der Stadt Eschweiler. Die Kommunalpolitik liege ihm sehr am Herzen, betont er. „Ich bekomme vor Ort schließlich mit, welche Folgen die Entscheidungen in Bund und Land für eine Stadt haben.“

Den Weg nach Düsseldorf hat er für sich allerdings nicht eingeplant – trotz Kandidatur. Auf die Landesliste ließ er sich nicht setzen. 2,3 Prozent erreichte er bei den Landtagswahlen vor fünf Jahren, „diesmal soll es mehr sein“. Die Linken litten dabei auch unter dem Wahlerfolg der Piratenpartei. Im Wahlkreis Albert Borchardts erreichte sie 8,3 Prozent.

Zurück zur ehemaligen Kapelle: Borchardt hat herausgefunden, dass sie der heiligen Brigida von Kildare gewidmet war. Als bekennenden Christen habe ihn das interessiert. Einen Teil des Jakobswegs hat der 55-Jährige absolviert und seine Eindrücke in Gemälden festgehalten. Kirche und Linke – wie passt das? „Christliche Grundwerte widersprechen nicht der grundsätzlichen Haltung meiner Partei“, sagt der Kommunalpolitiker, der ein Grundeinkommen für jeden als ein vorrangiges politisches Ziel deklariert.

Das Studium an der Fachhochschule Aachen führte den in Hitzhof geborenen Borchardt in die Region. Zahlreiche Auslandaufenthalte und Ausstellungen in den 90er Jahren folgten. Erst spät kam er dann zur Politik. „Ich stand vor der Frage, ob ich Probleme hinnehme, mich nur beschwere oder selbst handele“, berichtet er.

So führte sein Weg vor etwa zehn Jahren zur Partei Die Linke, die gerade erst aus einer Fusion von PDS und WASG entstanden war. Der erste Wahlkampf, den er aktiv mitgestaltete, startete in seinem Atelier. „Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie viele Interessengruppen in der jungen Partei Einfluss nehmen wollten“, sagt er.

Bei seinen ersten Kommunalwahlen ergatterte er einen Sitz im Rat der Stadt Eschweiler, inzwischen zählen die Linken zwei Vertreter im Stadtparlament und haben ein eigenes Büro im Rathaus. Eine Anlaufstelle für Bürger zu haben, sei von Vorteil. „Ich habe Menschen kennengelernt, die frustriert waren, weil es nicht einfach ist, an die Leistungen zu gelangen, die einem gesetzlich zustehen“, schildert er. Dann habe er bei den Behördengängen geholfen. Genau diese Begebenheiten seien es, die ihn motivieren. „Politik ist Arbeit, macht aber auch Spaß“, lautet sein Credo.

Viel Arbeit bis zum Wahltermin wartet noch, denn noch stapeln sich Flyer und Plakate zwischen den Farben und Gemälden. Und nach dem 14. Mai? „Dann sitzen die Linken hoffentlich im Landtag“, sagt er.

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