Die Kunst lässt sie einfach nicht mehr los

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
11173042.jpg
Die Eschweiler Galeristin Hanni Jantzen präsentiert in ihren Räumen Dreiers Gärten 3 derzeit die spannenden und interessanten Werke von Professor Frank Popp unter dem Titel „Das Übliche und 99 Engel“. Foto: Patrick Nowicki/Veranstalter

Eschweiler. Ich wähne mich in einer Zeitreise. Damals, vor 22 Jahren, berichtete ich über eine Ausstellung im Haus Pumpe 2. Das Gebäude, eigentlich ein simples Ladenlokal mit großen Schaufenstern, war bis 1998 eine der beliebtesten Kunstadressen in der Region. Im September 1993 stellte dort Dietmar Schröter seine „Zerrbilder“ aus. Bei dieser Gelegenheit lernte ich Hanni Jantzen kennen.

„Kunst ist mein Lebensinhalt“, sagte sie damals. Und dieser Satz gilt immer noch: Vor wenigen Tagen eröffnete sie die Ausstellung „Das Übliche und 99 Engel“ von Professor Frank Popp. Und so sitzt mir die bekannte Eschweiler Kunstliebhaberin wieder gegenüber – wie vor 22 Jahren.

In der Tat hat sich wenig verändert, so als hätte sich Hanni Jantzen nie eine Auszeit als Galeristin genommen. Einige Jahre hat sie in Südfrankreich etwas zurückgezogen gelebt. Der Kontakt und die Verbindungen zu Eschweiler, wo ihr Sohn Thomas Jantzen die Firma Kordt leitet, ist jedoch nie abgebrochen. Und mit Freude hat sie beobachtet, wie die Kulturszene an der Inde aufblühte. „Der Kunstverein hat sich sehr gut entwickelt, die Ausstellungen dort haben ein hohes Niveau erreicht“, sagt sie.

Als sie ihre Galerie auf Pumpe eröffnete, galt sie noch als Exotin. Etwas verwundert, vielleicht auch argwöhnig schaute mancher auf die Mutter von fünf Kindern, die kulturelle Akzente setzen wollte. Es folgte jedoch eine Erfolgsgeschichte, die 22 Jahre überdauerte und erst endete, als das Haus Pumpe 2 verkauft wurde. Seitdem war es ruhig geworden um Hanni Jantzen.

„Mein Mann hat mich damals immer unterstützt“, beschreibt sie ihren inzwischen verstorbenen Gatten Dr. Othmar Jantzen. Der Ingenieur teilte die Liebe seiner Frau für kulturelle Genüsse, legte seinen Schwerpunkt allerdings auf die Musik und gründete 1982 die Franz-Liszt-Gesellschaft in Eschweiler. Auch die Kinder halfen mit und waren bei fast jeder Ausstellungseröffnung dabei. Somit spannt der neue Ausstellungsort im Hause Jantzen in Dreiers Gärten 3 einen Bogen: Die Werke von Frank Popp stehen in den ehemaligen Kinderzimmern der Familie.

Wer Gelegenheit hat, mit Hanni Jantzen durch die Räume zu schreiten und sich die Kunstwerke Popps anzuschauen, der spürt sofort die Begeisterung für die Exponate. Das handwerkliche Geschick auf der einen Seite, aber auf der anderen Seite auch die schier grenzenlose Kreativität des in Hannover wirkenden Kunstprofessors machen den Besuch der Galerie zu einem Erlebnis. Seit Jahren sammelt er Gegenstände in der ganzen Welt und gestaltet daraus Skulpturen, Objekte und Bilder. Aus Schraubenziehern, Löffeln und Gabeln, Flaschenöffnern, Nussknackern und Metallkelchen entstehen roboterähnliche Eulen und Engel. Bei der Wahl der Materialien ist Popp nicht wählerisch – er verarbeitet das, was er findet.

Im Mittelpunkt der Ausstellung in Eschweiler stehen die 99 Engel-Bilder, die ihr auch den Titel gaben. Auf den kleinformatigen Kollagen widmet sich der Künstler dem Thema in verschiedenen Variationen. Die einzige Gemeinsamkeit: Alle Engel sind weiblich und nackt. „Der alternde Künstler widmet sich offen dem ewigen, erotischen Thema Frau“, heißt es in der Ausstellungsbeschreibung dazu. Hanni Jantzen schmunzelt, wenn sie die Bilder betrachtet. Vor allem die Geschichten hinter den Werken interessieren sie.

Diese sind mitunter sehr interessant. Ein Beispiel: Das Arrangement „La Maison de Quinson“ entstand 1990 nach zwei Aufenthalten Frank Popps in der Haute Provence. In der Nähe seines Wohnortes befanden sich noch viele wilde Müllkippen. Dort besorgte er sich die Materialien, die er für sein allegorisches Haus mit den sieben Bewohnern des zweiten Aufenthalts in Quinson verwandte.

Stopp vor 17 Jahren

Vor 17 Jahren stoppte der Verkauf des Hauses die Ausstellungsserie, diesmal führte ein ähnlicher Grund zum Aufleben. Die ehemaligen Kinderzimmer wurden so umgestaltet, dass sie als eigenständige Wohnung genutzt werden können – mit eigenem Bad und separatem Eingang. Da sich jedoch so schnell kein Mieter fand, kam Hanni Jantzen auf die Idee, dort Kunstwerke auszustellen.

Schon bei der Premiere war die Resonanz groß: „Es waren an die 100 Gäste zur Ausstellungseröffnung da“, sagt sie. Klaus Eichenberg führte in die Ausstellung ein. Dazu führte er ein Gespräch mit Frank Popp. Beide studierten schließlich an der RWTH Aachen. Galeristin Hanni Jantzen ist begeistert: „Frank Popp ist ein Künstler, dem man gerne zuhört und der auch sehr sympathisch ist.“ Dies sei ihr von zahlreichen Besuchern bestätigt worden.

Der Start scheint also geglückt. Als Galeristin sieht sie sich sowohl als Kunstliebhaberin, aber auch als -förderin. „Man ist irgendwie beides, schließlich zeigt man die Werke und macht den Künstler damit bekannter“, sagt sie. In den 80er und 90er Jahren lud sie bis zu vier Mal im Jahr zu einer Vernissage in die Galerie Pumpe 2 und bot damit zahlreichen Künstlern ein Sprungbrett. Ob der Ausstellung von Frank Popp weitere folgen werden, lässt Hanni Jantzen allerdings offen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert