„Die Könige von Köln“: Tilman Röhrigs jüngstes Werk spielt 1794

Von: ran
Letzte Aktualisierung:
8939913.jpg
Auch heute noch Schmuckstücke: Mittelalterliche Wohnhäuser am Fischmarkt, Frankenwerft, dahinter die Kirche Groß St. Martin in der Kölner Altstadt. Foto: Stock/Imagebroker
8939858.jpg
Las aus seinem jüngsten Werk „Die Könige von Köln“: Bestsellerautor Tilman Röhrig fesselte in der Realschule Patternhof seine Zuhörer. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Könige in Köln? Wurden Kaiser und Könige nicht in Aachen gekrönt? Das schon, doch seit dem Jahr 1164 spielten und spielen drei in der christlichen Welt unter den Namen Caspar, Melchior und Balthasar bekannte „heilige“ Könige auch in der Domstadt am Rhein eine gewichtige Rolle. Deren Gebeine werden nämlich seitdem im sogenannten „Dreikönigenschrein“ im Dom zu Köln aufbewahrt und als Reliquien verehrt.

Doch im September des Jahres 1794 sind die Reliquien, der Schrein und weitere Kunstschätze in erheblicher Gefahr. Denn unaufhaltsam schiebt sich die französische Revolutionsarmee in Richtung der Reichsstadt Köln. Aachen, Düren und Bergheim sind gefallen und von den Franzosen besetzt.

Das Grollen der näher rückenden Kanonen ist bereits zu hören. Die Zeit drängt!

Der gelehrte Geistliche Ferdinand Franz Wallraf, Rektor der Universität, und einige weitere besonnene Männer setzen sich zum Ziel, die Kunstschätze der Stadt Köln, die drohen, für immer verloren zu gehen, zu retten. Ihnen zur Seite steht mit dem Tagelöhner Arnold Klütsch ein junger Mann, der zwar weder lesen noch schreiben kann, dessen Herz aber am rechten Fleck schlägt. Und der darüber hinaus über eine fast sagenhafte Körperkraft verfügt...

Vor zahlreichen Zuhörern las am Freitagabend der Bestsellerautor Tilman Röhrig auf Einladung des Fördervereins der Realschule Patternhof, der Rektorin Michaela Silbernagel sowie der Buchhandlung Oelrich & Drescher in der Mensa der Schule aus seinem neuen Roman „Die Könige von Köln“.

Dabei befand sich der Schriftsteller auf bekanntem Terrain, denn Tilman Röhrig ist seit Jahren Stammgast in der Realschule Patternhof. Regelmäßig besucht der ausgebildete Schauspieler die Schüler der zehnten Jahrgangsstufe, die sich im Rahmen des Religionsunterrichts mit seinem Roman „In 300 Jahren vielleicht“, für den Tilman Röhrig im Jahr 1984 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, beschäftigen, um aus diesem emotional berührenden Werk zu lesen und mit den Schülern zu diskutieren.

Am Freitagabend war das Durchschnittsalter der Zuhörer, die den Ausführungen des Autors aufmerksam lauschten, ein wenig höher. Doch ungeachtet dessen hingen die Gäste der Lesung förmlich an den Lippen Tilman Röhrigs, der einmal mehr auch sein schauspielerisches Talent nutzte, um die Figuren seines jüngsten Romans zum Leben zu erwecken und sein Publikum zusätzlich mit historischen und handwerklichen Informationen zu versorgen: „Zweieinhalb Jahre habe ich am Roman Die Könige von Köln´ gearbeitet, davon diente ein Jahr der Recherche.“

Diese verlief allerdings unter erschwerten Bedingungen. „In Köln hatte sich nämlich ein Erdschlund aufgetan“, spielte er auf den Einsturz des Kölner Stadtarchivs an. „Unzählige Quellen gingen verloren. Eine Katastrophe!“, machte er deutlich.

Doch auch Dank der Mitarbeiter des Kölner Domarchivs gelang es Tilman Röhrig, der in Hürth bei Köln lebt, sein Werk fertigzustellen. „Dazu bin ich viel gereist, um die Orte, die im Roman eine Rolle spielen, mit eigenen Augen zu sehen. Ich war in Aachen, Arnsberg, Frankfurt, Darmstadt, Basel, Mainz, Koblenz, Bonn, Brühl sowie Neuss. Und schließlich sogar in Düsseldorf“, so der Schriftsteller augenzwinkernd, bevor er im ersten Teil seiner Lesung die unter recht dramatischen Umständen stattfindende erste Begegnung von Ferdinand Franz Wallraff und Arnold Klütsch schildert. „Nach der Pause lassen wir dann die Franzosen kommen“, machte Tilman Röhrig seinen Zuhörern den Mund beim Ausblick auf den zweiten Teil der Lesung wässrig.

Denn am 6. Oktober 1794 übergibt Bürgermeister Reiner Josef Klespé dem französischen General Jean-Étienne Championnet symbolisch den Stadtschlüssel. Eindringlich schildert der Autor die Angst der meist adligen französischen Immigranten, die während der Revolution flüchteten und auch in Köln Unterschlupf fanden, vor der „Bürgerarmee“ ihrer Landsleute.

„Die Besatzungszeit war für die Menschen in Köln eine Zeit der Drangsal. Wieviel Mut und Witz nötig sein werden, um diese zu überstehen und ob die Könige von Köln gerettet werden können, wird sich im weiteren Verlauf des Romans zeigen“, schloss Tilman Röhrig, um anschließend zahlreiche Bücher zu signieren.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert