Eschweiler - Die Kirchen freuen sich über Zulauf

Die Kirchen freuen sich über Zulauf

Von: Vivien Nogaj
Letzte Aktualisierung:
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In seiner Gemeinde St. Peter und Paul ist Michael Datené seit 2015 tätig. Und freut sich über jeden, der den Weg in die Gemeinschaft der Kirche findet. Foto: Rudolf Müller/Robert Stiller
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In seiner Gemeinde St. Peter und Paul ist Michael Datené seit 2015 tätig. Und freut sich über jeden, der den Weg in die Gemeinschaft der Kirche findet. Foto: Rudolf Müller/Robert Stiller

Eschweiler. Dieses Jahr sind 132 Kirchenmitglieder der Indestadt aus ihren Gemeinden ausgetreten. Pfarrer Michael Datené ist als Geistlicher für die Gemeinden in Eschweiler-Mitte zuständig und schreibt jedem, der austritt, einen Brief. Im Gespräch erzählt er von Gründen der Aussteiger, den Folgen und wie Wiedereintritte möglich sind.

Die meisten Menschen, die aus der Kirche austreten, täten dies aus finanziellen Gründen. Michael Datené muss es wissen. Er ist seit August 2015 Pfarrer in der Indestadt. Die Gesamtstatistik sei für ihn keine Überraschung mehr, er ist sich über den stetigen Rückgang der Kirchengänger bewusst: „Dass die Besucherzahlen in den Sonntagsgottesdiensten schon seit Jahren geringer werden, ist kein Geheimnis.“ Das Bistum Aachen verzeichnet in den letzten Jahren dennoch einen leichten Rückgang der Austritte: 2015 hatten noch mehr als 6300 Menschen der katholischen Kirche im Bistum den Rücken gekehrt, 2016 hat sich die Zahl um rund 13 Prozent auf 5498 reduziert.

In Eschweiler sind im Jahr 2014 381 Kirchenanhänger ausgetreten, 2015 waren es 329, im Jahr 2016 noch 243 und in diesem Jahr sind bis jetzt 132 Austritte verzeichnet. Thomas Heibey vom Amtsgericht Eschweiler erklärt, wie reibungslos ein Kirchenaustritt funktioniert: „Das ist ein einfacher Schritt. Die Personen müssen keinen Grund angeben, sondern nur zum Amtsgericht kommen und dann einmalig 30 Euro für die Beurkundung zahlen. Wir reichen die Daten danach ans Einwohnermeldeamt und an die Kirche weiter. Fertig.“

Gemeinschaft und Verantwortung

So ein Bescheid landet dann bei Pfarrer Datené. Er schreibt dem Gemeindemitglied daraufhin einen Brief mit einer Einladung zum persönlichen Gespräch; manchmal folgen die Ausgetretenen diesem Angebot: „Sie erzählen dann ihre Gründe auf und halten an ihrer Meinung fest. Es ist nicht so, dass jemand nach dem Gespräch direkt wieder überzeugter Kirchenanhänger ist.“

Nach einigen Jahren Pause käme ein Wiedereintritt aber vereinzelt vor: Zehn bis zwanzig Prozent kehren nach Jahren in die Kirche zurück. „Grund dafür ist häufig, dass die Menschen Taufpate werden wollen oder heiraten“, sagt Datené. Dieser Prozess sei aber nicht so einfach wie das Austreten: Zuerst müssen die Interessenten zwei bis drei Gespräche mit dem Pfarrer führen, in denen sie zeigen, dass sie bereit dazu sind, wieder Mitglied der Glaubensgemeinde zu sein. „Abgelehnt wird aber keiner“, sagt Datené. „Wer wieder zu Kirche dazugehören möchte, wird mit offenen Armen empfangen“. Durch die Taufe bleibe man sowieso immer im Bund Gottes.

Trotzdem sei die Kirche für jeden Christen eine wichtige Unterstützung über den Glauben hinaus: „Um das Evangelium in Fülle zu Leben, ist Gemeinschaft wichtig und Verantwortung füreinander. Diese gibt es innerhalb der Gemeinde.“ Umso mehr bedauert Datené es, wenn jemand sich dennoch entschiedet auszutreten: „Ich bete für jeden einzelnen“, sagt er.

50 Austritte, 66 Taufen

Besondere Austrittswellen gebe es dann, wenn ein Skandal in der katholischen Kirche vorkommt. So ist es beispielsweise nach Bekanntwerden von Kindesmissbrauchsfällen oder dem Skandal um Bischof Tebartz-van-Elst im Jahr 2013 gewesen. „Leider gibt es umgekehrt keinen positiven Effekt, beispielsweise, dass mehr Leute eintreten, weil der Papst große Beliebtheit erfährt“, sagt Datené. Deshalb freut es den Pfarrer umso mehr, dass seine Gemeinde Peter und Paul auch positive Zahlen verzeichnet: „Auf 50 Austritte aus unserer Gemeinde kamen letztes Jahr 66 Taufen.“

Im gesamten Bistum Aachen empfingen im vergangenen Jahr 7130 Menschen die Taufe, darunter waren 154 Erwachsenentaufen (+ 54 Prozent). Damit ist die Zahl der Taufen und Aufnahmen (7496) höher als die der Austritte.

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