Die Hygiene-Ampel kommt: „Mit Rot muss man sowieso zumachen“

Von: Naima Wolfsperger
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Die Hygiene-Ampel: Auf einer Skala von Grün über Gelb nach Rot können Unternehmen in Zukunft von Lebensmittelkontrolleuren bewertet werden. In drei Jahren muss diese Sichtbar ausgehängt werden. Foto: dpa
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Michael und Rosemarie Birfeld in dem traditionellen Eschweiler Familienunternehmen. Sie haben die Einstufung schon hinter sich. Foto: Naima Wolfsperger
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Anita Kloth vom Best Western Hotel de Ville setzt auf Kontrolllisten. Foto: Naima Wolfsperger

Eschweiler. Große Verunsicherung herrscht in vielen Unternehmen, die mit Lebensmitteln arbeiten. Die Hygiene-Ampel wurde im Landtag NRW beschlossen und ist seit dem 22. März in Kraft. Anhand der Kriterien, mit denen bisher auch schon kontrolliert wurde, prüft die Lebensmittelüberwachungsbehörde Restaurants, Hotels, Imbissbuden, Bäcker und viele mehr.

In Eschweiler gibt es etwa 520 Betriebe, die kontrolliert werden. Für zwei Drittel von ihnen, also für knapp 350, gilt die neue Gesetzgebung.

„Die Kontrolleure haben Listen, die sie abarbeiten“, sagt Dr. Mathias Boese von der Lebensmittelüberwachung der Städteregion. Diese Kriterien werden sich auch erst mal nicht ändern, bestätigt der Experte.

In die Bewertung des Unternehmens fließt die Hygiene zum Zeitpunkt der Kontrolle, aber auch das schriftliche Festhalten, was wann von wem geputzt wurde, bauliche Gegebenheiten oder etwa ob das Personal seine Arbeitskleidung zu Hause wäscht oder der Betrieb die Reinigung übernimmt.

Für jeden Mangel in einem Unternehmen gibt es Punktabzug. Schließlich wird das Geschäft auf einer Skala von Grün über Gelb bis Rot eingeordnet. Die Skala und die Positionierung können in den kommenden drei Jahren freiwillig am Fenster des Betriebs ausgehängt werden. Danach wird die gut sichtbare Ampel aber Pflicht.

Bauliche Aspekte

Viele Betriebe scheinen vor allem die baulichen und die bürokratischen Anforderungen zu verunsichern. „Hinzu kommt, dass es eine Brandmarke ist“, sagt Konditormeister Michael Birfeld, von der Konditorei & Café Birfeld in Eschweiler. In dem Familienbetrieb hat die Kontrolle bereits stattgefunden und das Geschäft wurde Grün eingestuft. „Darüber freut man sich natürlich.“

Aber allein um alle bürokratischen Anforderungen zu erfüllen, mussten die Birfelds zwei bis drei Tage am Computer verbringen. „Für zehn unserer Angebote mussten wir etwa 30 Seiten Text verfassen“, sagt Birfeld. Je nachdem wie groß die Aushänge-Ampel ausfalle, stellt er sie vielleicht ins Schaufenster. „Wenn das aber ein riesiges Schild ist, dann mache ich das nicht, bevor ich muss. Dann ist mir die Farbe egal.“

Rosemarie Birfeld findet vor allem kritisch, dass die Ampel nichts über die Qualität der Produkte aussagt. „Über die Kontrollen wird nicht beurteilt, was wir hier genau machen, wie gut unsere Brote und Kuchen sind.“ Das helfe dem Kunden nur bedingt.

„Anfangs war ich auch sehr verunsichert“, gesteht Anita Kloth vom Best Western Hotel de Ville. Inzwischen habe sie sich ein wenig beruhigt. „Wahrscheinlich wird es ähnlich wie mit dem Nichtrauchergesetz – große Aufregung am Anfang und dann wird es doch irgendwie gehen“, sagt die Hoteldirektorin. Die bürokratische Arbeit ist für sie weniger ein Problem. Kontroll-Listen sind im Hotelbetrieb Alltag.

„Wir haben Check-Listen für Putzbereiche und wir machen auch regelmäßig Kontrollgänge.“ Das Hotelpersonal sei aber sehr gut und aufmerksam, so dass es kaum Probleme gebe. „Die Arbeit steckt viel mehr darin genug engagiertes Personal zu finden.“

Für den Gast seien außerdem die Hygienevorschriften in der Küche und die Frische der Ware interessanter als bauliche Aspekte oder Listenführung. Bauliche Mängel etwa, könnten auch beim Hotel de Ville verzeichnet werden. „Das Haus ist denkmalgeschützt, die Maßnahmen, die wir durchführen können, haben also eine Grenze.“ Einige Läden werde die Ampel sicherlich in den Ruin treiben.

„Für mich würde es mehr Sinn ergeben, wenn Geschäfte mit einer roten Einstufung noch einmal verwarnt werden und dann einfach schließen müssten, anstatt die Ampel auszuhängen.“ Wer Rot bekommt, der könne sowieso zumachen, davon ist Kloth überzeugt: „Wer geht denn noch in den Laden mit dieser Einstufung?“

Kloth rät allen Betroffenen, sich an die Lebensmittelüberwachung und die Kontrolleure zu wenden. „Die Verunsicherung ist derzeit so groß. In solchen Fällen kann man immer bei der Behörde nachfragen, um was es genau geht, und kann gut mit den Kontrolleuren zusammenarbeiten.“

Der Inhaber einer Imbissbude in Eschweiler ist froh, dass sein Laden entsprechend ausgebaut ist. Viele Fliesen – also wenig Gelegenheit, wo man Schmutz übersehen oder nicht mehr wegbekommen würde. „Kontrollen sind wichtig. Es gibt sicherlich einige Imbisse, da könnte ruhig öfter kontrolliert werden“, sagt der junge Mann, der nicht genannt werden möchte.

Probleme mit der Lebensmittelüberwachung hätte er bisher keine gehabt. Die Ampel halte er aber für überflüssig.

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