Die Grippewelle wird erst Mitte Dezember anrollen

Von: Laura Laermann
Letzte Aktualisierung:
13212169.jpg
Richtige Zeit für Grippeimpfung: Herbst. Foto: Imago stock&people

Eschweiler. Die kalte Jahreszeit beginnt, die Temperaturen rutschen in den Keller und mit ihnen manch ein Immunsystem, dem die Kälte zu schaffen macht. Wer dann in Kontakt mit Erregern kommt, dem könnte eine Erkältung oder gar eine Grippe bevorstehen.

Bisher ist es noch ruhig in den Wartezimmern der Eschweiler Hausärzte. Wenn Mitte Dezember die Grippewelle wieder losrollt, kann sich das bis zum Frühjahr ändern. „Erfahrungsgemäß erhöht sich die Zahl der Grippe-Patienten noch einmal im Februar“, erklärt Dr. Jürgen Küpper, Allgemeinmediziner und Hausarzt.

„Das hängt hier in Eschweiler und im Rheinland mit Karneval zusammen. Wenn die Leute eng zusammen in Zelten feiern, reicht ein Niesen, um viele anzustecken.“ Denn sowohl eine Erkältung als auch eine Grippe sind Tröpfcheninfektionen mit Viren, bei denen ausgehustete Erreger eingeatmet werden oder über die Hände auf die Schleimhäute von Mund, Auge und Nase gelangen.

Was einigen nicht bewusst ist: Erkältung und Grippe sind zwei unterschiedliche Erkrankungen, die ähnliche Symptome, aber einen anderen Verlauf aufweisen.

Eine Erkältung, die auch als grippaler Infekt bezeichnet wird, verläuft eher schleichend, beginnt mit leichtem Schnupfen oder Halskratzen und kann sich hartnäckig über mehrere Wochen hinziehen. Mehr als 200 verschiedene Viren können zu einer Erkältung führen.

Eine „echte“ Grippe dagegen, die sogenannte Influenza, kann ausschließlich durch Viren der Gattung Influenzavirus A oder B ausgelöst werden. Sie kann also nicht die Folge einer schweren Erkältung sein. Die Symptome einer Grippe kommen schlagartiger und heftiger als bei einer Erkältung. Plötzliches Fieber und Abgeschlagenheit sind typische Zeichen.

Anders als bei einem grippalen Infekt, gibt es eine Schutzimpfung gegen Grippe. Wissenschaftler des Rober-Koch-Instituts schätzten für das Jahr 2013 über 20.000 Todesfälle an Influenza in Deutschland. „Eine Impfung kann Leben retten“, betont Küpper „und viele Menschen vor einer Erkrankung bewahren.“

Grippeviren treten ständig in neuen Virusvarianten auf, die das Immunsystem noch nicht kennt. Daher reicht eine Grippeschutzimpfung immer nur für ein Jahr. „Forscher der Pharmazie entwickeln jährlich einen geeigneten Impfstoff, der vor den Viren der nächsten Saison schützt“, weiß Küpper. Der Eschweiler Hausarzt ist selbst immer wieder erstaunt: „Schon Monate vorher werden die Virenstämme für den neuen Impfstoff festgelegt und fast immer lag die Forschung richtig.“

In der Saison 2014/15 war das nicht der Fall: Der Grippe-Impfstoff zeigte keine Wirkung, da sich andere Viren, als von der Forschung erwartet, verbreiteten. Eine Fehlprognose, die sich sicherlich nicht positiv auf den Ruf der Grippeimpfung ausgewirkt hat.

Auch in Eschweiler merkt Jürgen Küpper einen deutlichen Rückgang von Grippeimpfungen. „Die Schweinegrippe polarisierte so sehr in den Medien, dass sich viele Menschen aus Angst impfen ließen. Nachdem diese ausgestanden war, legte sich das Interesse an einer Grippeimpfung deutlich.“

Viele Menschen bleiben skeptisch, „dabei werden die Impfstoffe immer besser.“ Auch auf das stark kritisierte Thiomersal auf Quecksilberbasis, das als Konservierungsstoff in Impfstoffen eingesetzt wurde, wird längst verzichtet. Hühnereiweiß dagegen bleibt ein winziger Bestandteil des Impfstoffes, führt aber in den seltensten Fällen zu lokalen Reaktionen.

Wer sich gegen eine Grippeschutz-Impfung entscheidet, kann sich nur mit einem starken Immunsystem schützen. Eine gute Ernährung, Aktivitäten an der frischen Luft oder auch Saunabesuche kurbeln die Abwehrkräfte an. Auch der Vitamin-D-Spiegel spielt eine wichtige Rolle: „Vitamin D wird unter Einwirkung der Sonne in der Haut produziert und aktiviert die Abwehrkräfte“, erklärt Dr. Jürgen Küpper. „Da wir einen langen Sommer hatten, sind unsere Vitamin-D-Speicher noch für einige Wochen gut gefüllt.“

Wenn die Grippe einen nun doch einmal erwischt, können die guten alten Hausmittel helfen. Der Hausarzt empfiehlt viel Wasser zu trinken, zu inhalieren, einen Spaziergang zu machen, aber auf keinen Fall Sport zu treiben. „Im Regelfall ist eine Grippe nach einer Woche Schonung ausgestanden. Ein Grippemedikament kann diese Zeit um drei Tage verkürzen.“ Auch können Medikamente symptomatisch unterstützen, zum Beispiel bei Schnupfen, Husten oder Halsschmerzen.

Jürgen Küpper warnt vor der Behandlung mit Antibiotika bei Grippe und grippalen Infekten. „Wenn es zu bakteriellen Komplikationen kommt, kann ein Infekt zwei bis drei Wochen dauern. Viele Patienten fragen dann nach Antibiotika. Doch diese wirken nur gegen den geringen Anteil von Bakterien, nicht aber gegen die Viren. Ein Antibiotikum bringt also nichts.“ Im Gegenteil: Es führe nur zu befürchteten Resistenzen gegen Antibiotika.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert