Die Gefahren der Welt des Glücksspiels

Von: Sonja Essers
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Glücksspiel kann schnell zur Sucht werden.
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Mit der „Glüxxbox“ wollen Gabi Fischer (links) und Elke Koch von der Fachstelle für Suchtvorbeugung der Städteregion Aachen in Eschweiler auf das Thema Glücksspielsucht bei Kindern und Jugendlichen aufmerksam machen. Foto: Sonja Essers

Eschweiler/Städteregion. Wenn Pascal (Name von der Redaktion geändert) nach der Schule nach Hause kommt, dann gibt es für ihn nur einen Weg: an den Computer. Den nutzt er allerdings nicht um Hausaufgaben zu machen oder um sich im Chat mit Freunden zu verabreden.

Soziale Kontakte pflegt der Schüler kaum noch und auch sein liebstes Hobby – das Fußballspielen – hat der Schüler mittlerweile aufgegeben. Denn wenn Pascal am Computer sitzt, taucht er in eine andere Welt ein: die Welt des Glücksspiels. Pascals Verlangen nach Adrenalin, Spaß und Anerkennung hat sich zu einer Sucht entwickelt. Und damit ist er kein Einzelfall.

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die an Glücksspielen teilnehmen, steigt an. Innerhalb eines Jahres haben von 6000 befragten Schülern in Nordrhein-Westfalen 44 Prozent angegeben, dass sie schon einmal an einem Glücksspiel mit Geldeinsatz teilgenommen haben. Mehr als fünf Prozent zeigen bereits ein problematisches Glücksspielverhalten.

Damit sich daraus keine Sucht entwickelt, gibt es die sogenannte „Glüxxbox“. Mit ihr bieten Gabi Fischer und Elke Koch von der Fachstelle für Suchtvorbeugung der Städteregion Aachen in Eschweiler, die sich in Trägerschaft der Diakonie befindet, Fortbildungen rund um das Thema Glücksspiel an. Eine Veranstaltung fand bereits Ende des vergangenen Jahres statt und war sehr gut besucht. Eine weitere soll im Herbst dieses Jahres folgen. „Das Thema ist nicht neu, aber es ist ein Thema, das es so früher nicht gab“, sagt Gabi Fischer und fügt hinzu: „In den nächsten Jahren wird es aber mit Sicherheit ein immer größer werdendes Problem.“

Einer der Gründe dafür: das Internet. Wer spielen will, muss dafür längst nicht mehr das Haus verlassen. Oft werden die eigenen vier Wände dafür genutzt. Doch gerade das ist für Kinder und Jugendliche besonders gefährlich. Im Internet nutzen sie die Anonymität oft aus und geben ein falsches Alter an. Der Teufelskreis beginnt und dieser wurde auch Pascal fast zum Verhängnis.

Aber was fällt eigentlich unter den Begriff Glücksspiel? Von Glücksspiel spricht man, sobald Geld auf den Ausgang eines Zufallsereignisses gesetzt wird. Der Begriff Zufall spielt dabei eine entscheidende Rolle. „Viele Menschen reden sich ein, dass sich hinter diesen Spielen auch eine Strategie verbirgt“, sagt Fischer. Doch das sei ein Trugschluss. „Es geht dabei nur um den Zufall“, macht Fischer deutlich.

Unterscheiden müsse man auch zwischen den verschiedenen Arten des Glücksspiels. Nicht nur Roulette und Poker, sondern auch Geldspielautomaten, Sportwetten, Lotto, Black Jack und Rubbellose fallen darunter – vielen von ihnen sind auch im Internet möglich. „Ein besonders hohes Suchtpotenzial haben Internet-Poker und Sportwetten“, sagt Fischer. Das Glücksspiel im Internet dürfe man allerdings nicht mit der Internetabhängigkeit gleichsetzen. „Das ist etwas ganz anderes“, sagt Fischer.

Langeweile und Frustration

Die Gründe für die Glücksspielsucht können vielfältig sein. Die Hoffnung auf Gewinne, Neugier, Langeweile und Frustration sind nur einige davon. Nicht selten spielen auch andere Familienmitglieder wie die aktuellen Zahlen aus dem „Jahrbuch Sucht 2017“, das die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen in diesen Tagen veröffentlichte, zeigen. Demnach weisen in Deutschland 241.000 Menschen ein problematisches Spielverhalten auf. Zum Vergleich sind in Deutschland laut Studie 1,77 Millionen Menschen alkoholabhängig.

Parallelen zwischen den beiden Süchten gibt es im Verhalten der Betroffenen. „Wenn man spielsüchtig ist, taucht man in eine Parallelwelt ein. In den Spielhallen gibt es meistens kein Tageslicht. Bei Alkoholikern, die in ihre Stammkneipe gehen, ist es ähnlich“, sagt Fischer. Auch im Internet könne das passieren. „Dabei vergisst man oft Raum und Zeit“, so Fischer.

Und wie kann man den Betroffenen helfen? Unterstützung anbieten und sie darauf aufmerksam machen, dass sie als Ansprechpartner fehlen. „Sucht ist eine Beziehungskrankheit. Wer süchtig ist, pflegt seine sozialen Kontakte nicht mehr. Das können Eltern und Freunde demjenigen ruhig klar machen“, sagt Fischer.

Um mehr Menschen auf diese Erkrankung aufmerksam zu machen und ihr vorzubeugen, sind Gabi Fischer und ihre Kollegin Elke Koch mit der „Glüxxbox“ unterwegs, ein Präventionskoffer rund um das Thema Glücksspiel. „Wir möchten damit vor allem sensibilisieren und vorbeugen. Damit es nicht zum Problem wird. Schließlich kann davon jeder betroffen sein“, sagt Fischer.

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