Die Franzosen, die Deutschen und Komiker Alfons

Von: jlm
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Der gebürtige Franzose Alfons versucht in seinem Programm die Deutschen und ihre Eigenarten zu verstehen und machte sich daher auch im Eschweiler Talbahnhof Notizen über die Reaktionen der Indestädter. Foto: Julia Meuser

Eschweiler. „Ich bleibe solange in Deutschland, bis ich die Deutschen verstehe“, habe Alfons seinen Freunden in Frankreich geantwortet, als sie ihn fragten, warum er immer noch hier sei. „Seit 24 Jahren bin ich jetzt in Deutschland.“

Der Reporter mit dem Plüschmikrofon fühlte nun am Samstagabend das erste Mal den Indestädtern auf den Zahn, als er mit seinem Programm „Mein Deutschland“ auf der Bühne des ausverkauften Talbahnhofs stand. Eigentümlichkeiten der Deutschen, die Unterschiede zwischen Deutschen und Franzosen, aber auch die deutsch-französische Freundschaft standen im Fokus.

„Wir arbeiten nicht gern“

Dabei räumte er auch gleich ein Vorurteil der Deutschen aus dem Weg: Es stimme nicht, dass die Franzosen die Deutschen hassen würde, das sei „kompletter Quatsch“. „Die Franzosen hassen alle“, so Alfons vereinfachend. Die Deutschen seien in vielem sehr gut, so der Wirtschaft oder auch dem Sport. Daher ein kleiner Tipp von dem gebürtigen Franzosen: „Ihr könntet unbeliebt werden. Ihr könntet mal versagen. Die Franzosen lieben Versager, wir mögen auch die Griechen.“

Die Franzosen hätten immer versucht, zu verstehen, warum die Deutschen so gut sind, doch die Erklärung habe ihnen nicht gefallen. Zahlreiche Experten seien zu dem Schluss gekommen, dass die Franzosen schlichtweg mehr arbeiten müssten, um genauso gut zu werden. „Okay, dann nicht“, habe der Franzose nachgegeben. „Wir arbeiten nicht so gerne“, versuchte Alfons zu erklären.

Ein großer Unterschied sei auch, dass man in Deutschland einen Grund haben müsse, um zu streiken. Bei ihnen entwickle sich der Grund während des Streikens. Auch sei in Deutschland alles vorgeschrieben. Sogar die Stöcke der Transparente dürfen auf einer Demonstration eine bestimmte Länge nicht überschreiten. Man müsse die Demo sogar im Voraus anmelden, so der Franzose bestürzt.

Um diese Eigenart der Deutschen darzustellen, hatte Alfons einen Film über Schrebergärten gedreht. Jeder Besitzer müsse sich hier an ein Bundeskleingartengesetz halten. „Wir haben nicht mal eine Straßenverkehrsordnung!“ So dürfe in jedem Garten genau ein Drittel Blumen, ein Drittel Gemüse und ein Drittel Rasen gepflanzt werden.

Am Tag vor dem Dreh sei etwas Schlimmes geschehen: Ein Gartenzwerg war spurlos verschwunden. In Frankreich gebe es eine Vereinigung, die Gartenzwerge entführe und ihren Besitzern Fotos des Gartenzwerges in London oder anderen Städten schickt. Er sei der festen Überzeugung, dass dies nun auch in Deutschland passiere: „ein deutsch- französisches Projekt, das funktioniert. Fantastisch.“

Frau mit nacktem Po

Doch auch die Franzosen haben ihre Eigenarten. So hänge in jedem Café Frankreichs ein Foto einer Frau mit nacktem Po. Als Kind sei ihm das ganz peinlich gewesen, mittlerweile kenne er jedoch den Grund. Wenn nämlich jemand 0:13 im Boule verliert, muss er den „Arsch von Fanny“, so Alfons, küssen. Eine Tradition, die sehr ernstgenommen werde. Im Boule gebe es keine Korruption.

„Apropos Arsch“, schweifte er daraufhin ab und kam auf die Fifa zu sprechen. Die habe sogar eine Ethik-Kommission. Das sei so, als wenn in Guantanamo ein Wellness-Bereich wäre. Handball werde immer attraktiver, schloss er sein Fazit, nachdem er sich über Franz Beckenbauer geärgert hatte, der sagte, es gebe keine Sklaven in Katar, die Arbeiter würden alle frei herumlaufen. „Das gehört nicht zum Programm – jetzt hab ich mich total vergaloppiert“, musste Alfons daraufhin bekennen, erntete jedoch Verständnis und schallenden Applaus.

Kurz darauf war wieder als Reporter mit seinem Plüschmikrofon auf der Leinwand zu sehen: Eine ältere Frau habe sich auf dem Wochenmarkt beschwert, dass auf ganz vielen Bahnhöfen keine Schalter, sondern nur noch Automaten stünden. Die Senioren könnten diese jedoch nicht richtig bedienen. Kein Wunder, so gehe es nicht nur den Senioren, die Automaten seien „unter Koks“ programmiert worden, so Alfons.

Ein ganz wichtiges Thema sei auch die Religion. In seiner Klasse seien immer Kinder verschiedenster Religionen gewesen, das sei nie ein Problem gewesen, man habe immer miteinander gespielt. In Philosophie hätten sie schließlich das Thema Hass besprochen und die Lehrerin habe ihnen die Aufgabe gegeben, den Hass auf ihren Schulzahnarzt zu überwinden und hierfür in ihren Religionen zu suchen.

Das Problem: Jedes Kind hasste den Arzt, da er veranlasst hatte, dass der Süßigkeitenautomat so hoch gehängt wurde, so dass kein Kind mehr daran kam. Und weder in der Thora, noch dem Koran oder der Bibel ließe sich etwas finden, das ihnen helfen könnte. Eines Tages hätten sie jedoch eine Idee gehabt: Sie hätten die Thora, die Bibel und den Koran übereinander getürmt, sich vorsichtig daraufgestellt und hätten so den Automaten bedienen können. Der Hass war verflogen. „Wenn Religionen sich zusammentun, dann gibt es für alles eine Lösung“, lautete das Fazit, das zum Nachdenken anregt.

Alfons erntete mit seinem Programm schallenden Applaus, bescherte den Indestädtern einen tollen Abend und kam schließlich zu dem Schluss, dass es zwar Unterschiede gebe, „aber wir sind Freunde und das ist das Wichtigste“.

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