Die Europaschüler sehen Lyrik nun mit ganz anderen Augen

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Langerwehe/Eschweiler. Hoher Besuch an der Europaschule Langerwehe: Der Lyriker Jürgen Nendza kam auf Einladung der Leistungskurse der Q1 und Q2 (Jahrgangsstufe 12 und 13) zu einer Lesung an die Gesamtschule.

Jürgen Nendza, der in Aachen lebt, arbeitet auch als Lehrer an einem Gymnasium. Seine Fächer sind Philosophie und Literatur. Die Lyrik von Nendza geht über die reine Naturlyrik hinaus. Seine Gedichte enthalten zugleich menschliche Wahrnehmungen, Empfindungen und Erinnerungen, die in das natürliche Interieur eingewoben werden. Die Süddeutsche Zeitung zählt Nendza „zu den interessantesten Lyrikern seiner Generation.“

Zu Beginn der Veranstaltung ging Nendza direkt, aber behutsam, mit allen Schülern auf Tuchfühlung, fragte nach ihren Vorkenntnissen zu Lyrik, Poesie und poetischen Mitteln und dem, was ihrer Auffassung nach Lyrik überhaupt wolle.

Danach las er aus seinen Gedichten und besprach gemeinsam mit den Jugendlichen, was sie darin wahrgenommen haben. Allen wurde klar, dass poetische Texte, die sich direkt und unkompliziert dem Leser erschließen, in dem Moment dann auch bearbeitet, verstanden sind und abgehakt werden können, wohingegen Lyrik, die sich mit ihren eventuell völlig ungewohnten Bildern einem unmittelbaren Verstehen verschließt, ihre Wirkung im Nachklang ausübt, darin, dass den Leser etwas über sein gewohntes bisheriges Denken und Wahrnehmen hinaus beschäftigt. Irritationen, die moderne Lyrik auslöst, gehören also ganz selbstverständlich zum Rezeptionsprozess und sind deutliche Anzeichen dafür, dass die Wirkungen eines Gedichts da sind.

Im Verlauf mehrerer weiterer Vortrags- und Besprechungsphasen, in die auch Kritikerstimmen zu Jürgen Nendzas Lyrik einbezogen wurden, öffneten sich die Schüler immer deutlicher mit ihren Fragen: Wie lange denn durchschnittlich der Schaffensprozess für ein Gedicht dauere? Ob er auch Gedichte habe, die ihm nach Jahren selbst nicht mehr gefielen? Wo er seine Ideen finde? Ob ihm auch Gedichte aus einem Schaffensguss gelängen? Ob er auch Phasen kenne, in denen er sich leer und ohne lyrische Bilder fühle? Nendza ging sensibel und offen auf all diese Fragen ein und das offenkundig so gut, dass alle Schüler über mehr als drei Zeitstunden aufmerksam, konzentriert und aktiv bei der Sache blieben.

Im abschließenden Feedback bekundeten mehrere Jugendliche, dass ihnen diese Veranstaltung viel gebracht habe, weil sie jetzt Lyrik und das Schreiben lyrischer Texte auch einmal aus einer völlig anderen Perspektive erfahren hätten, die ihnen in der Schulrealität schon aus der Erfordernis, in Klausuren auch messbare Ergebnisse zu produzieren, nur schwer vermittelt werden könnten. Am Ende der Veranstaltung bedankten sie sich bei Nendza dafür mit einem lange anhaltenden Applaus.

Jürgen Nendza, der nach dem Abitur ein Studium der Germanistik und Philosophie an der RWTH Aachen mit der Promotion abschloss, verfasst Lyrik, Prosa, Hörspiele, Radio-Features und Funkerzählungen für Kinder und ist Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland. 1992 debütierte er mit dem Gedichtband „Glaszeit“. Gedichte, Essays und Features wurden in zahlreichen Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht. 2005 gab Nendza mit Eduard Hoffmann das Buch „Verlacht, verboten und gefeiert. Zur Geschichte des Frauenfußballs in Deutschland“ heraus und 2014 zusammen mit Hajo Steinert die Lyrikanthologie „Stadtlandfluss“.

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