Eschweiler - Die etwas andere Karnevalsgesellschaft

Die etwas andere Karnevalsgesellschaft

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
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Sieht einfacher aus als es ist: Tanzpaar Julian Wahlen und Kathrin Schmidt.
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Gibt eine gute Figur ab: Jugendmariechen Gianna Schönen. Foto: Tobias Röber, privat (3)
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Sehr zur Freude von Melanie Mallmann, Norbert sowie Kerstin Bartz (v.l.). Foto: Tobias Röber, privat (3)
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Die Kleinsten brauchen eine große Bühne für ihren Auftritt.

Eschweiler. Sie ist das jüngste Mitglied und auch eine etwas andere Gesellschaft. Die Rede ist von der Löwengarde, im Mai 2007 gegründet und seit 2014 Mitglied des indestädtischen Karnevalskomitees. Von Beginn an gibt es auch bei der Löwengarde klassischen Karneval.

Eine Kostümsitzung wird ebenso jedes Jahr gefeiert wie auch eine Kindersitzung angeboten. In vielen Dingen unterscheidet sich die Löwengarde jedoch auch von den „klassischen“ KGs. Die Löwengarde steht vor allem für eins: Tanzsport.

Der Weg bis ins Komitee war mitunter etwas steinig. Gut, es gibt klare Regeln: Drei Jahre muss ein Verein existieren, drei weitere unter den Fittichen eines Patenvereins stehen. Pate der Löwen waren die Blauen Funken. Dann darf ein Antrag auf Aufnahme ins Komitee gestellt werden, und 75 Prozent der Stimmberechtigten müssen für einen Beitrag votieren.

Der erste Versuch der Löwengarde ging schief, im vorigen Jahr reichte es schließlich. Bei der Prinzenproklamation vor wenigen Tagen durfte die Große Garde der KG dann gleich einmal auf der Bühne ran. „Das war eine Ehre für uns“, betonen die Vorstandsmitglieder.

Auf den großen Bühnen

Auftritte auf großen Bühnen sind die Tänzer des Vereins gewohnt. Bereits im Jahr 2008 qualifizierten sich die Jugendgarde und die Gemischte Garde Ü15 für die Deutsche Meisterschaft im karnevalistischen Tanzsport. Am Ende sprangen die Plätze elf und acht raus. Bei der Deutschen Meisterschaft ein Jahr später gelang dem Tanzpaar Alina Klein und Christopher Albert gleich der ganz große Wurf: Platz eins in der Köpi-Arena in Oberhausen. Auch in den folgenden Jahren tanzten sich die Löwengardisten weit nach vorne. Mehr dazu gibt es in der Chronik auf der Homepage des Vereins.

Nun kommen diese Erfolge nicht von ungefähr. „Die Solisten trainieren beinah täglich“, sagt Trainerin Kerstin Bartz, selbst einst erfolgreiche Tänzerin. Ihr Vater Norbert ergänzt: „Das ist Hochleistungssport.“ Zwei- bis dreimal pro Woche trainieren alle Tänzer in der Regel. Die Aktiven investieren eine Menge Zeit in ihr Hobby. Neben den Mariechen und dem Tanzpaar (siehe Infobox) gibt es drei Tanzgruppen: die Jugendgarde, deren zehn Tänzerinnen und Tänzer sechs bis zehn Jahre alt sind, die Juniorengarde (bis 15 Jahre) mit derzeit 18 Aktiven sowie die Große Garde, in der gar 20 Mitglieder tanzen.

Im Tanzturniersport sind die Jugend- und die Juniorengarde derzeit aktiv. Und für die Norddeutsche Meisterschaft am 7. März in Suhl qualifiziert. Ziel ist jedoch die Deutsche Meisterschaft, die in diesem Jahr in der Kölner Lanxess-Arena stattfindet. Gianna Schönen und Leonie Berndt sind ebenfalls bereits für Suhl qualifiziert. Gianna Schönen darf sich auch berechtigte Hoffnungen auf mehr machen. Im vorigen Jahr wurde sie Sechste bei der Deutschen Meisterschaft.

„In diesem Jahr hat sie alle bis auf eine schon geschlagen“, sagt Kerstin Bartz. Vorher steht natürlich die Qualifikation an. Das Eschweiler Karnevalskomitee wird die Löwengarde wohl nach Köln begleiten.

Hinter den sportlichen Erfolgen, die für Zuschauer mitunter spielerisch leicht wirken, steckt eine Menge Arbeit. „Es ist extrem viel Arbeit, wenn man im Mittelfeld oder gar oben mittanzen will“, sagt Kerstin Bartz.

Natürlich ist es auch viel Arbeit, einen Verein zu führen. Nicht zuletzt wegen der vielen weiten Fahrten zu den Turnieren, die durch ganz Deutschland führen. Die Löwengarde hat ein wenig mehr als 100 Mitglieder und ist nach wie vor eine Art „Familienunternehmen“, das von Beginn an vor allem von Familie Bartz geprägt wird. Präsident Norbert Bartz erinnert sich noch gut an die Anfänge.

„Wir haben zu zehnt im Keller gesessen und Kostüme genäht. Oft auf den letzten Drücker“, blickt er zurück und lacht. Ein Vereinsheim oder ähnliches hat die KG nicht und auch nicht immer ausreichend Hallenzeiten. Fußballvereine etwa haben es da einfacher, wissen die Vereinsverantwortlichen. Sonntags sind die Eschweiler Hallen immer zu, gerade vor Wettkämpfen ist das problematisch. Ein Dankeschön gibt es von den Karnevalisten an dieser Stelle an die Bischöfliche Liebfrauenschule, die der KG sehr helfe.

Freunde aus Harsewinkel

Ab dem kommenden Sommer soll sich die Situation ein wenig entspannen. Kerstin Bartz baut eine neue Ballettschule, in der die Vereinsmitglieder dann auch immer tanzen können.

Die Löwengarde pflegt eine sehr gute Freundschaft zur Tanzsportgarde Harsewinkel, einem Aushängeschild des karnevalistischen Tanzsports in Deutschland. Dieser Verein habe zehn Jahre gebraucht, bis er an der Spitze angekommen sei, verrät Norbert Bartz. Einen Trend erkennen die Vereinsverantwortlichen nach einigen Jahren. So arbeiten einige ehemals Aktive inzwischen im Vorstand oder als Trainer mit.

Kerstin Bartz nennt in diesem Zusammenhang einen Unterschied zwischen der Löwengarde und den traditionellen Karnevalsgesellschaften. In diesen sei es meistens so, dass etwa das Tanzmariechen im Verein sei, weil irgendjemand aus der Familie dort bereits Mitglied sei. In die Löwengarde hingegen kämen die Kinder, um zu tanzen, und die Eltern hätten oft erst darüber überhaupt Kontakt zum Brauchtum Karneval.

Dennoch betont der Präsident, dass es auch bei der Löwengarde schon immer Sitzungskarneval gegeben habe. So auch am kommenden Samstag in der Weisweiler Festhalle. Das Problem: Als junge Gesellschaft hat die Löwengarde Probleme, viele Gäste zu akquirieren – trotz eines hochkarätig besetzten Programms. Und warum muss es dann eine Festhalle sein? Weil die Garden für ihre Tänze eine große Bühne benötigen. Für die Eltern ist das auch die einzige Möglichkeit, ihren Nachwuchs beim Tanzen zu filmen. Bei den Turnieren ist das nicht erlaubt und führt zur sofortigen Disqualifikation. Schließlich soll keiner etwas beim anderen abschauen.

Am kommenden Samstag heißt es übrigens auch Abschied nehmen: Die Blauen Funken entlassen die Löwengarde aus der Patenschaft. Die jüngste KG im Eschweiler Karnevalskomitee möchte nun auf komplett eigenen Füßen so richtig durchstarten. Erstmals mit eigener Standarte und eigenen Uniformierten...

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