Die Eschweiler Wochenmärkte sind im Wandel

Von: Naima Wolfsperger
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Endlich wieder Platz: Stephanie Lucassen hat vor vielen Jahren noch mit Sonnenschirmen auf dem Markt verkauft. Heute betreibe sie eher die Luxusversion mit einem großen Wagen, sagt die 39-Jährige. Vor dem Rathaus sei kaum ein Durchkommen gewesen. Foto: Naima Wolfsperger
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Josefine Schröder ist überzeugt, dass der Wochenmarkt den Kunden mehr bietet als der Supermarkt. Foto: Naima Wolfsperger
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Die Bauarbeiten auf dem Marktplatz stören Leni Stempin (unten rechts). Sie freue sich aber um so mehr, wenn sie dann vorbei sind. Foto: Naima Wolfsperger

Eschweiler. Die Wochenmärkte in Eschweiler befinden sich derzeit im Wandel. In der Innenstadt zogen die Marktstände am gestrigen Mittwoch nach sieben Monaten vom Rathausvorplatz wieder auf den Marktplatz. Der Umbau ist dort fast abgeschlossen – wenn auch noch nicht ganz. Und der Markt in Weisweiler, der von der Familie Johnen betrieben wird, ist besorgt um seine Zukunft.

Zum einen wird dienstags nicht mehr aufgebaut, zum anderen muss der Stand bald umziehen, wenn das neue Zentrum Weisweiler auf dem Gelände der St.-Sebastianus-Bruderschaft gebaut wird.

Auf dem Marktplatz in der Innenstadt sind die meisten Beschicker zufrieden, dass sie wieder an gewohnter Stelle verkaufen können. Nur, dass am Zugang über die Wollenweber Straße noch gebaut wird, das stört einige. „Dann hätten wir lieber noch zwei Wochen vorm Rathaus verkauft“, sagt Stephanie Lucassen (39) von Blumen Lucassen.

Die Monate vor dem Rathaus hätten zwar 25 bis 30 Prozent Einbußen mit sich gebracht, aber da am Markt noch gebaut werde, habe am gestrigen Morgen beim Marktaufbau ein „heilloses Durcheinander“ geherrscht. „Wie soll das erst am Samstag werden? Da kommen ja noch mehr Beschicker.“

Problem der Kleinunternehmen

Sebastian Pajunk (43) hat die Zeit vorm Rathaus nicht viel ausgemacht. „Unsere Kunden kommen überall hin, egal wo wir stehen“, sagt er und nickt, um seine Worte zu bekräftigen. Wochenmärkte hätten vor allem deshalb ein Problem, weil es Kleinunternehmern in Deutschland so schwer gemacht werde – mit all dem Papierkram und den hohen Steuerleistungen.

„Dass die Wochenmärkte in der Region unter Druck geraten, liegt nicht an der Konkurrenz. Die Bürokratie und die Abgaben sind schuld.“ Seit 19 Jahren verkauft er mittwochs und samstags sein Frischfleisch.

Auch Josefine Schröder (64) steht mit dem frischen Geflügel vom Hof Bongartz seit etwa einem Vierteljahrhundert auf dem Marktplatz in Eschweiler. Sie freue sich sehr, wieder auf dem Marktplatz zu verkaufen: „Da unten vor dem Rathaus gab es einfach zu wenig Platz. Mit Rollstuhl, Kinderwagen oder Rollator gab es dort einfach kein Durchkommen.“

Sicherlich stehen die Wochenmärkte in Konkurrenz zu den Supermärkten, „aber die Kunden wollen frische, gesunde Ware und auch mal ein Schwätzchen halten.“ Die persönliche Atmosphäre, die mache den Einkauf auf dem Markt zu etwas Besonderem. Auch deshalb sei es vor dem Rathaus nicht so gut gewesen. „Da gab es keinen Platz, um mal in Ruhe stehen zu bleiben und sich zu unterhalten.“

„Vor dem Rathaus war es vor allem laut. Mit den vielen Autos und den Bussen“, sagt Leni Stempin (57), die seit 22 Jahren Gemüse verkauft. Trotzdem sei es auf dem Marktplatz noch lauter. „Der Marktplatz hätte vor dem Umzug des Wochenmarkts ganz fertig sein müssen.“ Denn eines der Probleme, das vor dem Rathaus bestand, gebe es jetzt auch hier: „Durch die Baustelle können die Kunden nicht an den Markt heranfahren und anständig parken.“

Klaus Nittschalk (58) ist Stammkunde auf dem Wochenmarkt. Er freue sich sehr darüber, ihn wieder an gewohnter Stelle anzutreffen. „Zum Marktbesuch gehört auch genügend Platz zum Schlendern und Cafés, aus denen man Leute beobachten kann.“ Mittwochs wünsche er sich aber ein größeres Angebot. „Ich kaufe immer Blumen. Und die dürfen auf einem Markt auch nicht fehlen.“ Aber auch einen Brotstand wünsche er sich – und frischen Fisch.

Dass mit der Neugestaltung des Marktes mehr Beschicker kommen, das sei nicht der Fall, sagt Edmund Müller, Leiter des Ordnungsamts Eschweiler. „Wir erhalten immer wieder mal Anfragen. Aber derzeit gibt es keine.“ Dabei gebe es genug Platz. Auch schon vor den Bauarbeiten seien alle Anfragen in der Regel angenommen worden.

„Wer vor Ort produziert, verkauft aber meist schon auf dem Markt“, sagt Müller. Immer wieder hätten sich auch Beschicker von weiter weg in Eschweiler versucht, meist gäben sie aber nach wenigen Wochen oder Monaten den Stand wieder auf. Müller zeigt sich verständnisvoll, „die Beschicker haben in den Supermärkten eine große Konkurrenz. Wer weite Strecken anreist, für den muss sich der Markt schon richtig lohnen.“

Und es dauere eben auch, bis sich ein Stand eine eigene Stammkundschaft aufgebaut habe. Um den etablierten Standbetreibern so weit wie möglich entgegenzukommen, wurde an den Standorten so wenig wie möglich verändert. „Das ist den Beschickern wichtig, damit die Stammkunden sie auch leicht wiederfinden“, sagt Müller.

Nicht nur um ihre Stammkunden fürchtet Gerda Vleugel, die seit Jahren als einzige in Weisweiler durchhält. Sie ist sich nicht einmal sicher, ob es in einigen Monaten überhaupt einen Platz für sie gibt. Vleugel und ihre Kollegin Anne Klapperich verkaufen auf dem Platz vor Schützenheim und -halle der St.-Sebastianus-Bruderschaft. In diesem Jahr soll mit dem Bau einer Seniorenresidenz begonnen werden, die auch Räume für Arztpraxen, einen Supermarkt und ein Café eingeplant hat. Mit dem Bau des fünfstöckigen Gebäudes sei aber kein Platz mehr für den Marktstand, sagt Vleugel.

„Mir ist von der Stadt ein gutes Fleckchen versprochen worden“, sagt sie. Aber wo das genau sein soll, das wisse sie noch nicht. Samstags den Markt zu machen, das wolle sie sich aber auch nicht nehmen lassen. „Vor zehn Jahren waren das noch sehr viele Stände. Nach und nach haben alle aufgegeben.“ Nach einer Besprechung auf dem Langendorfer Hof kam man zum Entschluss, dienstags nicht mehr aufzubauen.

Seit Anfang des Jahres habe sie darüber nachgedacht. „Der neue Supermarkt in Weisweiler, der macht richtig Konkurrenz. Immer wieder heißt es, die deutschen Kartoffeln direkt vom Acker, das seien die besten“, aber dann kaufe doch jeder die internationalen im Supermarkt. „Einmal hin, alles drin“, sagt Vleugel mit einem bitteren Ton in der Stimme. Besonders aber stört sie die Unsicherheit wegen des neuen Standorts. „Wir wollen durchhalten und frische Waren anbieten, so lange es geht.“

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