Eschweiler - Die Eschweiler Stadtbücherei schwimmt gegen den Trend

Die Eschweiler Stadtbücherei schwimmt gegen den Trend

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
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Entwickelt mit ihrem Team immer neue Anreize, in die Stadtbücherei zu kommen: Michaele Schmülling-Kosel plant nun, ein Lesecafé mit einer flexiblen Lernzone einzurichten. Die Finanzierung ist dank Förderverein und Sponsoren gesichert. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Schock deinen Lehrer – lies ein Buch! Dieser Slogan beschreibt nicht nur die erfolgreichste Veranstaltung, den Sommerlese-Club, sondern auch die Entwicklung der Stadtbücherei. Auch im Zeitalter von Tablet, Smartphones und E-Book-Reader greifen viele Menschen gerne zum Buch.

Dies bestätigen die aktuellen Zahlen und die Leiterin der Stadtbücherei, Michaele Schmülling-Kosel. Im vergangenen Jahr zählte die Einrichtung in der Rathaus-Parterre 44944 Besucher. Eine Entwicklung, die viele vielleicht überrascht: Die Zahl der jungen Leser, also der bis 18-Jährigen ist von 1449 im Jahr 2014 auf 1635 gestiegen.

Viele Aktionen helfen mit, dass junge Menschen in die Stadtbücherei kommen, angefangen bei den Kleinsten, den „Lesewürmchen“ und den „Lesekröten“. Jugendliche und junge Erwachsene nutzen vor allem die umfangreiche Online-Recherche, die das Netzwerk der Bibliotheken bereithält. „Es kann zwar inzwischen jeder googeln, aber es ist nicht leicht, eine wissenschaftlich fundierte und seriöse Quelle im Internet zu finden“, berichtet Schmülling-Kosel. Spezielle Angebote widmen sich genau diesem Thema. Ohnehin ist der Kontakt zu den Schulen in der Stadt gut, denn viele Veranstaltungen finden in Kooperation statt.

Nach wie vor bleibt die Stadtbücherei ein dickes Zuschussgeschäft für die Stadt: Die Gesamtausgaben in Höhe von 352.000 Euro können nur zu einem geringen Teil mit Einnahmen gedeckt werden. Der Zuschuss der Stadt betrug im vergangenen Jahr 335.000 Euro. Mit knapp fünf Stellen fallen natürlich die Personalkosten ins Gewicht. Sie betrugen etwa 300.000 Euro im vergangenen Jahr. Rechnet man den Zuschuss der Stadt auf die Einwohner um, dann stieg er auf 5,95 Euro pro Jahr (2014: 5,75 Euro).

Dem Spardiktat zum Trotz

Dem Spardiktat zum Trotz will man auch in der Stadtbücherei weiter investieren. Als nächstes Projekt soll die „Chill-Lesezone 2.0“ eingerichtet werden. Dahinter verbirgt sich ein Lesecafé. Auch eine flexibel nutzbare Lernlandschaft soll eingerichtet werden. Dies kostet Geld. Möglich macht die Einrichtung ein Landeszuschuss. Auch der Förderverein der Stadtbücherei hilft, wo er kann: Die Mitglieder helfen bei der Abschlussparty des Sommerlese-Clubs, veranstalten den Bücherflohmarkt und finanzieren manche Veranstaltung mit.

Die Mitglieder des Kulturausschusses ließen keinen Zweifel daran, dass sie mit der Arbeit in der Stadtbücherei zufrieden sind. Der Zuschuss ist nicht nur in den Augen der Kommunalpolitiker gut angelegtes Geld. „Die Bücherei hat auch einen sozialen Auftrag, denn sie bietet mit ihren geringen Ausleihentgelten einen für jeden bezahlbaren Zugang zur Bildung“, formuliert Michaele Schmülling-Kosel das Ziel ihrer Arbeit. Diese gesellschaftliche Bedeutung dürfe man bei den Diskussionen um die sogenannten freiwilligen Leistungen nicht unterschätzen.

So ist die Stadtbücherei auch in die Flüchtlingsarbeit eingebunden. Neu im Programm der Stadtbücherei sind Online-Sprachkurse. 15 Linzenzen eines Anbieters für ein Jahr wurden mit Mitteln des sogenannten Belastungsausgleichs finanziert. Fünf Headsets stehen im Rathaus für die Kurse zur Verfügung. „Das Angebot richtet sich auch an Frauen, die traditionell nur geschützte Räume aufsuchen wollen oder dürfen“, sagt Michaele Schmülling-Kosel. Das Online-Programm bietet insgesamt 25 Sprachen als Grundlage für den Deutschkurs an.

„158 Veranstaltungen sprechen für sich“, sagt die Leiterin der Stadtbücherei. Auch der Terminkalender in diesem Jahr ist wieder prall gefüllt. Einer der Höhepunkte startet in den nächsten Wochen: Der Sommerlese-Club geht in Eschweiler in seine zehnte Auflage – landesweit findet er zum elften Mal statt. Zudem will die Bibliothek ihr Angebot erweitern: Tablets sollen die Möglichkeit eröffnen, Tablet-Rallyes und Biparcours durch die Bücherei zu veranstalten und Bildungs-Apps zu nutzen. Möglich macht die Anschaffung ein Zuschuss aus der Ausschüttung der Sparkassen-Kulturstiftung in Höhe von 8000 Euro. Der Förderverein greift ebenfalls finanziell unter die Arme.

Im Gegensatz zu anderen Bibliotheken im Land NRW bleiben die Ausleihzahlen in Eschweiler konstant. Dies verwundert umso mehr, wenn man bedenkt, dass die Umgebung im Rathaus in den vergangenen Monaten alles andere als ruhig und entspannt war. Die Stadtbücherei war und ist von allen drei Bauabschnitten der Fassadensanierung betroffen.

„Unsere treuen Besucher haben sämtliche Unannehmlichkeiten wie Baulärm, der veränderte Eingang und ausgelagerte Bestände überwiegend klaglos akzeptiert“, dankt Schmülling-Kosel. In der Folge der Bauarbeiten wurden zwar die Fenster vergrößert und das Tageslicht erhellt nun die gesamte Stadtbücherei, aber nach wie vor fehlt ein außen deutlich sichtbarer Hinweis auf die Stadtbücherei. Dies sei ein „dringender Wunsch“, sagt Michaele Schmülling-Kosel.

Bei allen finanziellen Schwierigkeiten der Stadt: Die Stadtbücherei wandelt sich mit der Medienlandschaft und öffnet sich für neue Lern- und Lesetrends.

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