Die Eschweiler FDP wird 60: Auf Durststrecke folgt Erfolgsstory

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Blättern in einem dicken Ordner voller Erinnerungen: Staatssekretär Dr. Michael Stückradt und die beiden „Macher” der Liberalen in Eschweiler, Konstantin Theuer und Ulrich Göbbels (von links).

Eschweiler. Das 50-jährige Bestehen wurde nicht gefeiert. Weil man vor zehn Jahren das Gründungsdatum nicht mehr genau wusste. Die Friedrich-Naumann-Stiftung half jetzt mit dem Datum aus: Im Mai 1950 ist der Ortsverband Eschweiler der Freien Demokratischen Partei entstanden.

Im Kaiserhof. Und zwar noch vor dem Kreisverband, der bildete sich erst im August 1950. Übrigens auch im Kaiserhof in Eschweiler. Historische Details, Anekdoten, Erinnerungen und viel gute Laune gab es am Mittwochabend im Talbahnhof. Dorthin hatte die FDP eingeladen, zu einer Geburtstagsfeier: 60 Jahre Freidemokraten in Eschweiler. Vorsitzender Ulrich Göbbels begrüßte viele Gratulanten „in der größten und schönsten Telefonzelle der Stadt” - eine Anspielung auf eine Glosse in unserer Zeitung, in der daran erinnert worden war, dass die FDP vor einigen Jahren ihre Ortsparteitage in einer Telefonzelle hätte durchführen können.

Derartige Spitzen können Ulrich Göbbels und das Liberalen-Urgestein Konstantin Theuer inzwischen mit humorvollem Augenzwinkern zitieren - die Eschweiler FDP hat nach langen früheren Durststrecken eine beeindruckende Erfolgsgeschichte hingelegt und ist heute mit vier Sitzen im Stadtrat vertreten. Wie sehr sie im politischen Spektrum der Stadt verwurzelt ist und wie gut die Zusammenarbeit mit allen politischen Kräften ist, zeigte die Geburtstagsfeier. Alle im Rat vertretenen Parteien, die SPD, Christdemokraten, Grünen, die UWG und die Linke, waren zugegen und gratulierten. Dazu viele Vertreter aus dem Bereich Wirtschaft und Finanzen.

Besonders herzlich konnte Göbbels zwei Freidemokraten begrüßen, die einst in der örtlichen FDP aktiv waren und heute in höheren Regionen Politik gestalten: Dr. Michael Stückradt, derzeit noch Staatssekretär im Innovationsministerium des Landes in Düsseldorf, und Staatsminister im Auswärtigen Amt Dr. Werner Hoyer, der mit etwas Verspätung eintraf - er hatte Deutschland beim Ostseerat in Litauen vertreten und war direkt vom Flughafen aus nach Eschweiler weiter gefahren.

Gefeiert wurde im Bistro und in Saal des Talbahnhofs mit kühlen Getränken, einem opulenten Büfett und vielen Erinnerungen. Im „offiziellen Teil” wurden keine großen Reden, sondern nur einige Eckdaten aus der Geschichte der FDP in Eschweiler geboten. Schon in den 50er und 60er Jahren waren die Freidemokraten im Stadtrat vertreten, damals unter anderem mit Alfred Waltermann, den Vater des heutigen UWG-Vorsitzenden Manfred Waltermann. 1964 aber begann die lange Durststrecke, in der die Liberalen immer und immer wieder an der 5-Prozent-Hürde scheiterten. Die Wahlergebnisse sackten bis auf 1,76 Prozent runter - das war bei der Kommunalwahl 1994. Man habe 1999 eigentlich gar nicht mehr zur Wahl antreten wollen, wurde am Mittwochabend erzählt. Tat es dann aber doch - und Konstantin Theuer kam als Einzelvertreter in den Stadtrat. Von da an ging es bergauf.

Länger als Theuer ist niemand in der Eschweiler FDP Mitglied. 46 Jahre lang erlebt er Höhen und Tiefen mit, ist ein Garant für sachliche und konstruktive Kommunalpolitik - und auch ein Schatzkästchen für Anekdoten. Einige gab es beim Jubiläum zum Besten. So erzählte er von dem Entsetzen, das die hiesige FDP 1969 ergriff, als klar wurde, dass Willy Brandt eine rot-gelbe Bundesregierung bilden würde. Die FDP gemeinsam mit den Roten? Unfassbar damals! „In einer Kneipe an der Neustraße haben wir zusammengesessen und uns überlegt, ob wir alle gehen sollen.” Sie haben sich dann aber doch entschlossen, die örtliche Partei nicht aufzulösen.

Herzlich belacht wurde Theuers Ameröllchen aus Wahlkampfzeiten. Wie man in den 70er Jahren Wahlplakate mit Hammer und Nagel an die Telefonmasten nagelte, nachts um 3 Uhr, und wie dann mal eine Wohnungstür aufging und Wahlkämpfer Dr. Hambloch die Beschwerdeführerin gleich abwiegelte: „Marie, jeh schloffe, mir hänge üch nur den Genscher vor die Tür!” Oder auch die Geschichte von einem „Panzerfritz” genannten Mitglied, der eines Tages im Wahlkampf beobachtet wurde, wie er an einer Autobahnunterführung hing, die Füße an der Brüstung verhakt, den Kopf nach unten, und so hängend munter Wahlplakate ankleisterte.

Viele Erinnerungen wurden auch wach beim Anschauen von zwei Stellwänden mit Fotos und Zeitungsausschnitten. Wer weiß schon noch, dass die Vorläufer der Grünen, die „Interessengemeinschaft Grüne Lunge Eschweiler”, dazu aufgerufen hat, FDP zu wählen? Oder dass Komödiant Didi Hallervorden in Eschweiler Wahlkampf für die Liberalen gemacht hat? Ein dicker Ordner mit Zeitungsausschnitten dokumentierte, auf wie vielen politischen Gebieten und mit wie vielen Menschen die Freidemokraten sich in den vergangenen Jahrzehnten engagiert haben. Dass die „Never ending story”, die Forderung der FDP (seit 1979!) nach einer eigenen Polizeiwache für Eschweiler, dabei einen prominenten Raum einnahm, verwunderte aber niemanden.
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