Die ersten Pointen müssen gelernt sein

Von: Sonja Essers
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Die Gestik stimmt schon einmal: Manuel Wilkens will in die Bütt‘ steigen. Foto: Sonja Essers
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Vorbilder für jeden Büttenredner in Eschweiler: (von links) Scharwachmüssje René Külzer, Alfred Wings, Josef Körfer, Jupp Sieberichs und Peter Deutschle.

Eschweiler. Ein Witz folgt dem nächsten. Das Publikum hält sich vor Lachen den Bauch, und dem ein oder anderen Zuhörer kullern die Tränen über die Wangen. Am Ende folgt tosender Applaus. Eschweiler Büttenassen wie Alfred Wings, René Külzer, Michael Henkel und Guido Streusser ist diese Situation nur zu gut bekannt.

Wenn sie in der Karnevalssession die Bühnen betreten, ist beste Unterhaltung garantiert. Doch hinter dem, was bei den Profis so leicht und locker wirkt, steckt viel Arbeit. Für die Aktiven beginnen die Vorbereitungen auf die kommende Session bereits kurz nach Aschermittwoch. Schließlich muss das Programm bis ins kleinste Detail sitzen, um die Jecken während der Karnevalszeit bestens unterhalten zu können.

Doch wie präsentiert man die fertige Rede auf der Bühne? Und woher kommen eigentlich die Witze? Mit diesen und vielen weiteren Fragen setzen sich Michael Henkel und Achim Schall in der Rednerschule auseinander. Dort lernen Talente, wie man Reden aufbaut und seine Rednerrolle durch Outfit, Mimik und Gestik unterstützt. „Die Idee eine Rednerschule zu gründen, habe ich schon vor einigen Jahren gehabt, da es in Eschweiler immer weniger Büttenredner gab“, erzählt Michael Henkel und fügt hinzu: „Auch die Eischwiele Mullejaane, der Stammtisch der Eschweiler Büttenredner, hatten seit ihrer Gründung im Jahr 2000 immer das Ziel, den Rednernachwuchs zu fördern.“

Büttenasse geben Tipps

Mit Michael Henkel und Achim Schall werden die Teilnehmer von zwei Profis betreut, die schon seit vielen Jahre als Redner im Karneval unterwegs sind. „Labbes & Drickes“ nennt sich das Duo von Michael Henkel und Guido Streusser, mit dem die beiden Indestädter in ganz Nordrhein-Westfalen auftreten. Auch Achim Schall kennt sich bestens in dieser Branche aus. Zusammen mit Harald Quast tourt er als „Achim & Harry“ durch die karnevalistischen Hochburgen. Um den Nachwuchstalenten in Sachen Büttenreden mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, kommt Schall aus Köln in die Inde­stadt. Obwohl der Elfte im Elften noch in weiter Ferne liegt, trifft man sich regelmäßig in der Realschule Patternhof, um die kommende Session vorzubereiten.

Hoffentlich viele feiern dann Premiere: Manuel Wilkens wird in der kommenden Session zum ersten Mal den Schritt auf die große Bühne wagen. Für den Anfang möchte der 26-Jährige sich jedoch nicht zu viel vornehmen. „Ich möchte mit meiner Rede rechtzeitig fertig werden und gut beim Publikum ankommen“, meint Wilkens, dessen große Vorbilder Dieter Nuhr, Otto Waalkes und Fred van Halen sind. Die Idee, Büttenredner zu werden, kam dem 26-Jährigen erst durch Michael Henkel. Als er im vergangenen Jahr Mitglied bei der KG Rote-Funken-Artellerie wurde, sollte er dem Publikum einige Witze vortragen. „Michael hatte gehört, dass ich gerne Blödsinn mache und Spaß daran habe, die Leute zu unterhalten.“ Da sein Auftritt beim Publikum sehr gut ankam, war der Weg zur Bütt‘ geebnet.

Ein wichtiger Auftritt für den 26-Jährigen könnte die Ordensverleihung der Eischwiele Mullejaane im kommenden Jahr werden. In der Vergangenheit nahmen immer mehr Karnevalsgesellschaften die Möglichkeit wahr, Eigengewächsen der Rednerschule bei ihren ersten Bühnenerfahrungen zuzuschauen. „Wenn man bedenkt, dass wir mit 50 Besuchern angefangen haben und in diesem Jahr fast 200 Gäste bei Flatten waren, ist dies schon eine tolle Steigerung“, sagt Henkel. Doch es gibt noch einen weiteren Ansporn für die jungen Talente. Komitee-Präsident Norbert Weiland wählt in jedem Jahr einen Redner aus, der das Publikum auf der Prinzenproklamation mit seiner Rede begeistern darf. In diesem Jahr hatte Thomas Schlenter das große Los gezogen und wurde für seinen Auftritt mit Ovationen belohnt.

Dies will auch Manuel Wilkens eines Tages erreichen. Doch bevor es soweit ist, steht dem Rechtsanwaltfachangestellten noch eine Menge Arbeit bevor. In den vergangenen Wochen hat er bereits Ideen gesammelt und präsentiert Henkel, Schall und den anderen Teilnehmern die erste Rohfassung seiner Rede. Bereits während seines Vortrages steigen manchem vor Lachen die Tränen in die Augen, und am Ende spenden alle Applaus. „Das Material ist schon ganz stark“, meint Henkel, „daraus kann man schon etwas Gutes machen.“ Dass gute Ideen jedoch keine Garantie für eine erfolgreiche Rede sind, wissen erfahrene Redner nur zu gut: „Man muss das Publikum mit seiner Rede fesseln.“ Zudem sei die Rollenfindung sehr wichtig. „Wenn man eine Type darstellt, muss diese erst erarbeitet werden.“

Über seine Figur hat sich Manuel Wilkens bisher noch keine Gedanken gemacht, doch er wird auch in dieser Hinsicht von Henkel und Schall bestens beraten. Beide haben Freude daran, mit den jungen Talenten zu arbeiten. „Es ist einfach schön zu sehen, was am Ende dabei herauskommt“, erzählt Henkel und fügt hinzu: „Bereits in der vergangenen Session konnte man sehen, dass sich alle Teilnehmer innerhalb kürzester Zeit sehr weiterentwickelt haben.“

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