Die emotionale Seite des Tagebaus Inden

Von: Patrick Nowicki
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Arthur Oster vor dem Plan des
Arthur Oster vor dem Plan des Tagebaus Inden in Weilerswist. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Wenn ein Chef bei seiner Verabschiedung zu Tränen gerührt ist, dann kann es nicht schlecht stehen um das Verhältnis zu seinen Mitarbeitern. Arthur Oster erging es so. Der Leiter des Tagebaus Inden geht jetzt in den Ruhestand. Mittwochabend trifft er sich nochmal mit langjährigen Wegbegleitern, dann räumt er seinen Schreibtisch in der 1. Etage des Verwaltungsgebäudes an der Ausbildungswerkstatt.

Wer den 60-Jährigen in diesen Tagen erlebt, der weiß: Der Mann ist mit sich im Reinen. Nichts ist davon zu spüren, dass die vergangenen zwölf Jahre die wohl turbulentesten in der Geschichte des Tagebaus waren. Zudem hatte Oster sofort eine hohe Hürde zu nehmen, als er zum Jahrtausendwechsel das Ruder von Dr. Dieter Gärtner übernahm, der in den Tagebau Hambach wechselte.

Die Öffnung des Strommarktes hat die Preise purzeln lassen: „Wir machten im Westrevier eine Millionen Euro Miese jeden Tag, da mussten wir das Ruder umlegen”, erinnert sich Oster. Gemeint ist damit, dass man nicht nur die Kosten um 30 Prozent senken musste, sondern auch ein Drittel des Personals auf der Streichliste stand. Ein schmerzhafter Schnitt für viele Menschen.

„Das war eine Riesenherausforderung, die wir aber gemeistert haben”, sagt Oster nicht ohne Stolz. Inzwischen sei der Tagebau Inden profitabel und könne dem internationalen Vergleich Stand halten. Die derzeit 850 Mitarbeiter schaffen nämlich das, wozu 1978 noch 1700 Bedienstete benötigt wurden: Sie fördern jährlich über 20 Millionen Tonne Kohle.

Dies ist aber nur die wirtschaftliche Seite. Es gibt auch eine andere, eine menschliche und tief emotionale. Arthur Oster musste nämlich einigen Mitarbeitern erklären, dass sie im Zuge der Umstrukturierung gehen müssen.

„Wir haben dadurch natürlich viel Know-How verloren, aber es gab einfach keine Alternative”, betont der 60-Jährige. Er habe den Kontakt zu den Betroffenen gesucht. „Man kann es natürlich nicht allen recht machen, aber für Verständnis werben.” Dennoch ist er davon überzeugt, dass dieser Wandel gelungen ist.

Nicht überall wurde der Bergbau-Ingenieur in seinem Berufsleben mit offenen Armen empfangen. Mitte der 90er Jahre, als er als Chef der Planung den Tagebau Garzweiler II und die damit verbundenen Umsiedlungen in Erkelenz verteidigen musste, stießen er und seine Kollegen auf deutliche Ablehnung. „Wir saßen teilweise stundenlang mit Menschen an einem Tisch, die uns anschließend noch nicht einmal die Hand gegeben haben”, berichtet er.

„Man muss Menschen mögen”

Einen so deutlichen Gegenwind spürte er wenige Jahre später in Inden und Pier nicht. Diese Orte mussten dem Tagebau Inden ebenfalls weichen, was mit vielen emotionalen Momenten verbunden war. „Ich bekomme heute noch eine Gänsehaut, wenn ich an die letzte Messe in der Pierer Pfarrkirche denke”, lässt auch Oster das Schicksal nicht kalt.

Die Umsiedlung sei eben nicht nur ein technischer Vorgang, sondern auch von den unterschiedlichsten Gefühlen geprägt. Dem Zugang und der Nähe zu den Menschen misst Arthur Oster eine große Bedeutung bei. „Man muss als Leiter eines Tagebaus Menschen mögen”, meint er. So wie die Arbeit mit Kohle.

Letzteres war Arthur Oster in die Wiege gelegt. Als Sohn eines Transportunternehmers in Uersfeld in der Vulkaneifel geboren, wuchs er in unmittelbarer Nähe einer Schwerspatgrube auf. Fahrten ins Bergwerk machten die Kinder damals einfach mit. Es folgten das Abitur in Mayen und der Dienst bei der Bundeswehr, ehe er ein Praktikum im Bergwerk Emil-Mayrisch in Siersdorf absolvierte.

Als Student an der Technischen Hochschule Aachen kam er auch mit dem Tagebau Zukunft-West in Kontakt. Nach seinem Diplom ging es schnurrstraks in die Hauptverwaltung der Rheinbraun AG, wo er zum Leiter der Tagebauplanung aufstieg und schließlich zum Tagebau Inden wechselte.

Nach zwölf Jahren folgt nun der Abschied. Wie es weitergeht? Arthur Oster lächelt: „Ich weiß noch nicht, was ich mache, aber ich habe so viel Glück gehabt in meinem Leben, da möchte ich den Menschen etwas zurückgeben.” Er plant, mit Jugendlichen zu arbeiten. Bange vor dem Rentnerdasein ist ihm nicht. Lachend ergänzt er: „Da hat meine Frau mehr Angst als ich.”
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