Eschweiler Bürger planen die soziale Zukunft der Stadt

Die Bürger planen die soziale Zukunft der Stadt

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
Letzte Aktualisierung:
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Im Stehen kommen die Ideen leichter: Viele gute Anregungen wurden bei der Stadtteilkonferenz in Bohl diskutiert und vorgeschlagen. Mitarbeiter der städtischen Planungsgruppe wie hier Eberhard Büttgen moderierten das Brainstorming und notierten die Anregungen ebenso wie die Kritikpunkte.
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Rustikales Brot aus dem Dorf-Backofen – das ist gesund, lecker und fördert die Gemeinschaft im Ort. Was anderswo funktioniert, sollte man auch im Eschweiler Stadtteil Bergrath hinkriegen, war eine der Anregungen bei der Stadtteilkonferenz.

Eschweiler. In drei Stadtteil-Konferenzen planen Bürger derzeit die soziale Entwicklung der Stadt. Das Interesse in der Bevölkerung ist groß, ebenso die Zahl der Ideen, Anregungen und Vorschläge. Am Erörterungstermin im Vereinsheim der Eefelkank in Bohl hatte einer der Besucher das letzte Wort.

Er freue sich, sagte er, dass bei den Planungen für die Zukunft in Eschweiler „der Bürger endlich einmal von der Stadt mitgenommen wird“. Die anderen Bürger klatschten ihm zustimmend Beifall.

Diesem Dank waren zweieinhalb Stunden konzentrierter und ideenreicher Arbeit voraus gegangen. Gut 60 Bürger aus den Stadtteilen Nothberg, Bergrath, Hastenrath, Bohl und Scherpenseel hatten – mal kritisch, oft lobend und stets konstruktiv – Ideen für die soziale Entwicklung ihrer Stadtteile zusammen getragen. Das reichte von „mehr Bänke am Omerbach“ bis zur Bildung von Hilfsgemeinschaften alter und junger Menschen. Und vom Bau eines Dorf-Backofens bis zu neuen Wohngebieten mit barrierefreien Mehr-Generationen-Häusern.

Der Anstoß dafür, die soziale Zukunft der Indestadt gemeinsam zu planen, kam vom Land Nordrhein-Westfalen. In Düsseldorf wurde ein Förderprogramm aufgelegt, es heißt „NRW hält zusammen – für ein Leben ohne Armut und Ausgrenzung“. Die Stadt Eschweiler bewarb sich mit ihrem Projekt einer Sozialberichterstattung. Der Titel: „Gemeinsam Zukunft gestalten – Teilhabe sichern“.

In diesem Sozialbericht sollen die Ideen der Bürger mit statistischen Daten aus 15 Stadtbezirken zusammenfließen, als Grundlage für eine sich ständig weiter entwickelnde Planung. Sie soll sich daran orientieren, was die Bürger in diesen Stadtbezirken tatsächlich wünschen und brauchen.

„Eschweiler ist eine wachsende Stadt, Gottseidank, und das wollen wir bleiben!“ versicherte bei der Begrüßung der Teilnehmer der städtische Beigeordnete Stefan Kaever. „Was müssen wir tun, damit wir in unserem ureigensten Umfeld“ – Kaever wandelte da lächelnd einen Wahlslogan der CDU ab – „gut und gerne leben?“ Und wer könne das schließlich besser wissen als die Bürger selber?

Vom Land gibt es für das Eschweiler Projekt 41.000 Euro. Im Rathaus bildete sich dazu eine Arbeitsgruppe mit Fachleuten aus mehreren Ämtern, geleitet von Jürgen Termath, dem Leiter des Jugendamtes. Sie wird unterstützt von zwei Planungsbüros, dem Aachener Büro Projektplan und dem Eschweiler B-Plan von Dr. Wolfgang Joussen.

Es sind zunächst drei Eschweiler Stadtbezirke, in denen die Bürger zu Wort kommen. In Dürwiß wurde der Anfang gemacht. Über 80 Besucher diskutierten in der Dürwisser Festhalle ihre Ideen zu drei Themenbereichen der sozialen Entwicklung. Die Themen heißen: Migration und Integration, Jugend und Bildung, Wohnen/Infrastruktur/Versorgung. Als einer der Schwerpunkte stellte sich in Dürwiß die Verkehrssituation heraus, mit dem intensiven Durchgangsverkehr auf der Jülicher Straße, der Parksituation dort und den Gefahren für Fußgänger.

Dann folgte in Bohl die Stadtteil-Konferenz für die Südost-Stadtteile. Auch dort war der Besucherandrang groß. Die dritte und zunächst letzte Konferenz wird am 8. Dezember um 18 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses für Bürger der Innenstadt sein. Im Lauf des nächsten Jahres sollen aber weitere Konferenzen in den übrigen Stadtteilen folgen.

Die Stadtteil-Konferenzen, so erläuterten Jürgen Termath als Leiter der Arbeitsgruppe und Johannes Burggraef vom Planungsbüro Projektplan in Bohl, sind bereits die zweite Stufe in der Entwicklung des Sozialberichts.

Repräsentative Umfrage

Bereits abgeschlossen ist eine repräsentative Umfrage. 2800 zufällig ausgesuchte Bürgerinnen und Bürger wurden im September gebeten, einen mehrseitigen Fragebogen zur sozialen Stadtentwicklung zu beantworten. 29 Prozent der Fragebögen wurden ausgefüllt zurück geschickt – das sei eine beeindruckende Menge.

Als dritten Teil wird es Anfang des nächsten Jahres Gespräche mit lokalen Experten geben, zum Beispiel Vertretern der Wohlfahrtsverbände und Wohnungsbau-Genossenschaften. Wobei das Wort Experte missverständlich sei, denn „Sie alle hier sind Experten für Ihren Stadtteil“, versicherte Jürgen Termath.

Gesprächsrunden im Stehen sind ein effektives Mittel, um schnell viele Ideen zu sammeln. An drei Thementischen notierten Mitarbeiter der städtischen Arbeitsgruppe die Anregungen, die von den Besuchern der Stadtteilkonferenz kamen. Nach jeweils einer halben Stunde wechselten die Gruppen. Großformatige Stadtteil-Pläne auf den Tischen halfen bei der Orientierung, man konnte mit dem Finger drauf zeigen: „An dieser Stelle wird zu schnell gefahren“ oder „Hier könnte man noch Bänke aufstellen“.

Im Frühjahr fertig

Alle Bürger, die sich an der Planung beteiligt haben, werden informiert, wenn der Sozialbericht fertig ist. Das wird im Frühjahr 2018 sein. Der Bericht wird auf der Internet-Seite der Stadt zur Verfügung gestellt. Es soll ihn auch in gedruckter Form geben. Der Sozialbericht soll Basis für Planungen in Eschweiler sein und ständig weiter entwickelt werden.

Wie die Infrastruktur sich auf die Entwicklung eines Stadtteils auswirkt, lässt sich am Vergleich der benachbarten Orte Nothberg und Bergrath erkennen. In Nothberg gibt es seit langer Zeit keine Grundschule mehr, es gibt auch keinen Supermarkt, und der letzte Bäcker hat inzwischen seinen Laden zugemacht.

Altersstruktur verschiebt sich

Für junge Familien, die sich neu ansiedeln wollen, ist besonders die fehlende Grundschule ein Argument, sich lieber für Bergrath oder Bohl zu entscheiden. Dort gibt es außerdem Angebote wie den Rewe-Markt, eine Apotheke und einen Bäcker. Die Folge ist, dass sich die Altersstruktur verschiebt, und das wiederum hat Auswirkungen auf das soziale Miteinander, zum Beispiel auf die Vereine.

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