Erdmännchen Freisteller

Die Brille gibts im Baumarkt

Von: anka
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Stellte sein neues Buch „Je o
Stellte sein neues Buch „Je oller, je doller” vor: Kabarettist Bill Mockridge nahm sein Publikum mit auf eine Reise ins Seniorenland. Foto: Karduck

Eschweiler. „Je älter sie werden, desto genialer sind sie.” Bill Mockridges eigene Übersetzung seines Programms „Je oller, je doller” setzte gleich zu Beginn der Leseshow als eine Lobeshymne an die Älteren der Gesellschaft ein.

„Denn oll kommt aus dem Mittelaltdeutschen und bedeutet alt, und doll heißt im Niederdeutschen toll.” Der Kabarettist und Schauspieler, vielen sicherlich auch als Erich Schiller aus der „Lindenstraße” bekannt, stellte im Kulturzentrum Talbahnhof sein neues Buch „Je oller, je doller - so vergreisen Sie richtig” vor und beschrieb dabei auf köstliche Art und Weise die „abenteuerliche Reise vom Best Ager zum Rest Ager”.

„Sie werden alles erfahren, was sie schon immer über die Generation 50plus wissen wollten”, kündigte Bill Mockridge an und meinte damit vor allem eines: „Das heute Abend wird kein wissenschaftlicher Quatsch übers Älterwerden, sondern ein unterhaltsamer Weg durch das Seniorenland.” Zunächst einmal komme es doch darauf an, das Alter anzunehmen, um gut zu vergreisen.

„Ein Ohrring neben dem Hörgerät - Bilder, die man nämlich wirklich nicht im Kopf haben will.” Seine erste Passage, die der Kabarettist aus seinem neuen Buch vorlas, handelt von seinem 60. Geburtstag: Die Zahl 6 stelle nun optisch den größer gewordenen Bauchumfang dar, während die Null für die Menge an Dingen stehe, die er sich noch gut merken könne.

Doch als wären die geistigen Probleme eines Alten nicht genug, setzte der gebürtige Kanadier körperliche Anzeichen fürs Älterwerden oben drauf. „Woran erkenne ich, dass ich alt werde?” Zum einen, wenn man Frauen begegnet und ihnen als erstes in die Augen schaut, zum anderen, wenn man auf die neue Folge von „Flipper” wartet und die „Apothekenrundschau” abonniert.

„Meine Kinder machen mich gelegentlich alt”, verwies Bill Mockridge anschließend auf das Zusammenleben mit seinen sechs Söhnen, die ihn einmal gefragt hätten, ob es noch Dinosaurier gegeben habe, als er jung war.

Vor allem körperlich müsse man im Alter einstecken können: „Als die Frauen nämlich meinen Körper sahen, dachten sein, ich sei ein Ötzi.” Neuerdings kaufe er seine Brille nur noch im Baumarkt - „die haben keine Gläser, sondern Glasbausteine.”

Vor allem die älteren Menschen sollten sich mit der neuen Technik vertraut machen. So besitze er nun ein neues Navigationsgerät, nachdem sein altes beim Verfahren noch immer gesagt habe: „Halt doch einfach an und frage nach!”

Für Bill Mockridge kein annehmbarer Zustand mehr. „Schließlich bin ich ein Mann und ich frage nicht nach dem Weg.” Bevor der Kabarettist ein letztes Mal aus seinem vor wenigen Tagen erst erschienenes Buch vorlas, wurde er dann doch noch einmal ein wenig weise: „Zeit ist das Wertvollste im Leben, was man sich und anderen zu verschenken hat.”

Denn man behalte den Blick fürs Wesentliche, wenn man sich erst einmal bewusst mache, wie wenig Zeit man noch hat. Für Bill Mockridge jedoch alles andere ein Grund, so richtig zu vergreisen. Dafür ist das Älterwerden dann viel zu schön.
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